Luftschläge verunsichern die Taliban: US-Truppen wollen Angriffstempo erhöhen
zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 - 10:09Washington/Mazar-i-Sharif (RPO). Die US-Truppen wollen ihr Angriffstempo gegen die Aufständischen in Afghanistan erhöhen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur ddp am Wochenende aus Offizierskreisen in Washington. Vor allem im umkämpften Süden, aber auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes und im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sollen die "gezielten Attacken" gegen die Taliban mit Hubschraubern und Drohnen "wesentlich verstärkt werden".
Das erklärten Offiziere. Bei den Taliban zeigten sich wegen der vermehrten Luftschläge bereits "Zeichen einer Verunsicherung".
Aus Kreisen des Geheimdienstes CIA war zu erfahren, dass die amerikanischen Truppen jetzt besonders auf die "gezielte Tötung von Terroristenanführern setzen sollen". So hatten amerikanische Kampfhubschrauber vor ein paar Tagen ein Versteck der Taliban in der nördlichen Provinz Kundus angegriffen und dabei neben vielen Kämpfern der Extremisten nach Darstellung des Gouverneurs Mohammed Omar auch drei Kommandeure der Taliban getötet.
Vor kurzem waren auch der von den Taliban ernannte "Schatten-Gouverneur" für Kundus, Mullah Noor Mohammad, und zwei seiner engsten Gefährten durch einen "Präzisions-Luftschlag" umgekommen.
Identifiziert und getötet
US-Spezialeinheiten haben nach Angaben des "Spiegel" einen der Taliban, der bei dem Anschlag auf die Einheit der Bundeswehr bei Kundus am Karfreitag beteiligt war, identifiziert und getötet. Eine Hubschrauberbesatzung spürte danach Mullah Gai auf, der in der Region auch als Mullah Nadir bekannt war.
Als der Taliban-Kommandeur eine Panzerfaust auf den Helikopter abschoss, eröffneten die Soldaten das Feuer und töteten ihn. Die Amerikaner hatten den Deutschen versprochen, die Taliban-Hintermänner der beiden Anschläge vom April auf die Bundeswehr, bei denen sieben Soldaten starben, zu jagen, festzunehmen oder zu töten.
Wie in Washington weiter zu hören war, will die CIA ihre Drohnen-Angriffe auf die Lager und Rückzugsgebiete der Taliban in den schwer zugänglichen pakistanischen Provinzen Nord- und Südwaziristan erheblich verstärken. Von hier aus dringen die Taliban immer wieder auf afghanisches Territorium vor und ziehen sich nach den Anschlägen auf die ISAF-Truppen wieder schnell auf pakistanisches Gebiet zurück.
Erst vor wenigen Tagen hatte eine von einer Drohne abgefeuerte Rakete ein Haus an der pakistanischen Grenze zerstört, in dem mehrere Kommandeure der Taliban vermutet wurden. Die CIA setzt mittlerweile kleinere Raketen ein, um noch "gezielter" vorgehen zu können und dadurch Zivilisten zu schonen, war zu erfahren.
Streng geheime "Task Force 47"
Eine große Rolle beim verstärkten Vorgehen gegen die Taliban spielt die streng geheime "Task Force 47", wurde im nördlichen Hauptstützpunkt der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif von Offizieren erläutert. In der Spezialtruppe sind neben Amerikanern auch andere Soldaten Verbündeter und Angehörige des deutschen "Kommandos Spezialkräfte" (KSK) vertreten.
Die "Special Force" steht direkt unter dem Kommando des ISAF - Oberkommandierenden Stanley McChrystal. Die Truppe taucht blitzartig auf, erfüllt ihren Auftrag und ist genauso schnell wieder verschwunden. "Die Taliban fürchten diese Spezialeinheit besonders", wurde ddp in Mazar-i-Sharif erklärt.
Offiziere der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif begrüßen die jetzt zunehmende Zahl ihrer amerikanischen Kameraden. In den nächsten Monaten soll auch die "US-Luftkavallerie" in Mazar-i-Sharif mit rund 70 Kampf- Unterstützungs- und Sanitätshubschraubern vertreten sein.
"Eine solche Verstärkung haben wir uns schon seit Jahren gewünscht", betonten deutsche Offiziere. Die Bundeswehr trägt für die Nordregion die Verantwortung. Derzeit stellen 16 Länder für die ISAF im Norden Afghanistans 10.000 Soldaten, darunter sind 3 900 deutsche Soldaten. Bis Ende des Jahres soll die ISAF-Truppe am Hindukusch auf über 12.000 Mann aufwachsen.
"Ungeahnte Ausmaße erreichen"
Wie aus Geheimdienstkreisen in Kabul verlautete, laufen die Vorbereitungen der Amerikaner für die in nächster Zeit erwartete Großoffensive auf die Hochburg der Taliban in der südlichen Provinz Kandahar auf Hochtouren. General McChrystal will im Süden den "Hebel ansetzen, um eine Wende in Afghanistan zugunsten des Westens zu erreichen", sagten Vertreter von Geheimdiensten in Kabul. Der afghanische NDS zeigte sich jedoch "sehr skeptisch, ob das Vorgehen gegen die Taliban in Kandahar wirklich gelingen wird". Der Widerstand der radikalen Islamisten werde "ungeahnte Ausmaße erreichen", erklärten NDSler.
Die afghanischen Geheimdienstler bezeichneten die Absichten von US-Präsident Barack Obama, die ersten amerikanischen Truppen im nächsten Jahr nach Hause zu holen, als "sehr vollmundig". Für die Amerikaner sind Fortschritte am Hindukusch zum wichtigsten außenpolitischen Gradmesser geworden. Das habe sich gerade beim Besuch des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Washington gezeigt, wurde in der amerikanischen Hauptstadt am Wochenende unterstrichen.
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