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US-Wahlkampf
Die Fettnäpfchen des Jeb Bush

Fotos: Jeb Bush – US-Präsidentschafts-Kandidat
Fotos: Jeb Bush – US-Präsidentschafts-Kandidat FOTO: dpa, pm ks htf
Washington. Vor Beginn des US-Wahlkampfs wurde er als heißer Favorit der Republikaner gehandelt. Nun verpatzt Jeb Bush schon wieder eine Chance, seine Umfragewerte aufzupolieren: Im Rededuell mit Marco Rubio, dem Senator aus Florida, sieht er alt aus. Von Frank Herrmann

Jeb Bush dürfte lange geübt haben für diesen Moment. Er steckt in Schwierigkeiten. Seine Anhänger murren, weil er schon jetzt, zwölf Monate vor der Wahl, müde wirkt. Die Spenden fließen spärlicher, nur 13 Millionen Dollar konnte er im dritten Quartal einsammeln, sieben Millionen weniger als Ben Carson, ein Neurochirurg, der die evangelikale Rechte für sich zu gewinnen scheint. Bush musste die Zweifler überzeugen, er musste angriffslustig wirken, auch wenn es seinem eher bedächtigen Naturell widerspricht.

Also nahm er sich bei der dritten Debatte der republikanischen Bewerber um die Kandidatur für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten in Boulder im US-Bundesstaat Colorado einen Rivalen ins Visier, mit dem ihn einmal eine enge politische Freundschaft verband, einen Gegner, der ihm zusehends das Wasser abgräbt. Marco Rubio, den 44-jährigen Senator, der damit wirbt, dass er die Zukunft verkörpere, eine andere Generation als die eines Donald Trump oder einer Hillary Clinton.

Bush attackiert ihn mit den Worten, dass er der Kampagne wegen zu vieler Sitzungen, zu vieler Abstimmungen im US-Senat verpasse und seine Wähler in Florida schnöde im Stich lasse: "Marco, dieses Amt ist auf sechs Jahre ausgelegt. Du solltest zur Arbeit gehen oder deinen Posten hergeben." Ein Senator, versucht er es mit Ironie, habe ja wohl keine französische Arbeitswoche, bei der es genüge, an drei Tagen pro Woche ins Büro zu kommen.

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase

Rubio kontert so souverän, als habe er auf diesen Augenblick nur gewartet. Er höre, dass Jeb sich an John McCain orientiere, und der habe ja wohl auch etliche Senatsabstimmungen verpasst, als er sich 2008 um die Präsidentschaft bewarb. "Ich kann mich nicht erinnern, dass du dich jemals über McCain beschwert hättest. Und der einzige Grund, warum du dich über mich beschwerst, ist, dass dich irgendwer davon überzeugt hat, dass es dir hilft, wenn du mich angreifst." Die Sätze haben die Wirkung eines K.o.-Schlags: Den Rest der Debatte verfolgt Bush in der Rolle eines besseren Statisten, er kommt selten zu Wort, und wenn, wirkt er verkrampft, während Rubio allmählich zu Hochform aufläuft: Die Frage, ob man einem wie ihm, dessen Haus zwangsversteigert wurde und der seine Finanzen offenbar nicht im Griff habe, das höchste Staatsamt einer 17-Billionen-Dollar-Volkswirtschaft anvertrauen könne, pariert er lässig mit einem Hinweis auf die einfachen Verhältnisse, aus denen er stammt. Die Eltern, 1956 aus Kuba nach Miami übergesiedelt, seien gerade so über die Runden gekommen, sein Vater als Barkeeper, seine Mutter als Zimmermädchen. Um seine eigenen Finanzen mache er sich keine Sorgen, sagt Rubio, vielmehr hingegen um die von Normalbürgern, die zu kämpfen hätten, weil es an gut bezahlten Jobs mangele.

Rubio gegen Bush: Mit jedem Wortstreit scheint der Jüngere, ein Naturtalent vor der Kamera, den Älteren gründlicher in die Schranken zu weisen. Rubio beherrscht die Kunst, Aussagen so zuzuspitzen, dass sie in 30 Sekunden Wirkung hinterlassen. Bush sieht man an, dass er sich lieber in Akten vertiefen würde, als im Fernsehen zu diskutieren. So geschliffen Rubios Rhetorik ist, so unbeholfen wirkt die seines früheren Mentors. Bush, von 1999 bis 2007 Gouverneur Floridas, förderte die Karriere des aufstrebenden Parteifreunds, bis Rubio 2006 Parlamentssprecher des "Sunshine State" wurde, und als er selber aus dem Amt schied, heuerten einige seiner Berater bei Rubio an.

Lange hatten es die beiden vermieden, einander zu attackieren. Nun hat der Jüngere das erste harte Duell klar für sich entschieden, was die Frage aufwirft, ob er fortan den Part spielt, der eigentlich Jeb Bush zugedacht war: die Rolle des klaren Favoriten unter den Berufspolitikern, die Seiteneinsteigern wie Trump oder Carson Paroli zu bieten versuchen.

Quelle: RP
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