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  Foto: AFP
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Barack und Michelle Obama: Amerikas neue First Family

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 23:43

Chicago (RP). Die Amerikaner haben nicht nur einen neuen Präsidenten ins Weiße Haus gewählt, sondern eine ganze Familie: eine selbstbewusste, erfolgreiche First Lady und zwei kleine Mädchen, denen der Rummel um Papa wenig anzuhaben scheint.

Sie haben einige der komischsten Momente des Wahlkampfs geliefert, die beiden Obama-Töchter Malia (10) und Sasha (7). Ob sie nun während einer Kandidatenrede einschliefen oder kritisch nachfragten, ob denn wegen Daddys halbstündigem Werbestreifen ihr geliebter Trickfilm verschoben werde, ihr Verhalten wirkte sympathisch. Die präsidialen Ambitionen ihres Vaters schienen den beiden nicht besonders nahe zu gehen, wenngleich sich Malia durchaus anfreunden konnte mit der Aussicht, vielleicht bald ins Weiße Haus einzuziehen. "Ich mag es, zu dekorieren, und dann kann ich in diesem neuen Zimmer ausprobieren, was ich will."

Nun ist es so weit. In der Villa an der Pennsylvania Avenue Nr. 1600 werden ab Januar die jüngsten Bewohner wohnen, seit die neunjährige Amy Carter 1977 dort Einzug hielt. Es wird eine drastische Umstellung für zwei Heranwachsende, die es gewohnt waren, im Hyde-Park-Bezirk Chicagos in einem ganz normalen Viertel zu leben. Dort gibt es einen Co-op-Supermarkt, ein kleines Friseurgeschäft und einen noch kleineren Fahrradladen (in dem hängt übrigens noch eines der Plakate, die Obama kleben ließ, als er für den Bundesstaaten-Senat von Illinois kandidierte).

Wie rasant sich nun alles ändert, dürften Malia und Sasha schon am Morgen nach der Wahlnacht gemerkt haben. Kaum hatte ihnen ihr Papa versprochen, dass auch die Obamas nach altem Brauch mit einem neuen Hund ins Weiße Haus ziehen, diskutierten die Tierfreunde der Nation, welche Rasse sich wohl am besten eigne. Ein Labrador wie bei den Clintons? Oder ein Terrier wie bei den Bushs?

Ziemlich direkt dürfte es zugehen in dieser neuen First Family, der ersten dunkler Hautfarbe. "Schon lustig, dass Barack jetzt in all diesen Modekram verwickelt ist", spottete Gattin Michelle neulich im Interview mit einem Hollywood-Sender. "Diese Hosen hier trägt er sicher schon seit zehn Jahren." Wozu Malia schwatzend eine Kaufhaus-Anekdote beisteuern konnte. Um es schnell hinter sich zu bringen, nahm ihr nur ungern shoppender Vater drei schwarze Hosen und dazu drei verschiedenfarbige Jacketts, in Grün, Braun und Schwarz. Oder die Freundin, die zum Spielen kam. Der Politiker schüttelte dem Mädchen die Hand und sagte förmlich "Hallo". "Man schüttelt einem Kind nicht die Hand", kam die töchterliche Belehrung. "Man winkt oder sagt einfach 'Hi'."

Wie auch immer, als das Gegenteil von Familie Mustermann haben die Obamas bei ihren anfangs noch skeptischen Landsleuten viele Sympathien gewonnen ­ und manchmal wohl auch damit kokettiert. Wie es begann, kann man in Büchern nachlesen. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, jedenfalls nicht bei ihr. Michelle Robinson hatte ihre Kollegen allzu euphorisch schwärmen gehört von diesem smarten Studenten aus Harvard, der bald zum Praktikum in ihre Anwaltskanzlei kommen sollte.

Die Sekretärinnen reichten Fotos herum, tratschten, was für ein hübscher junger Mann das doch wäre. Gestandene Juristen des Büros Sidley Austin waren des Lobes voll für eine Arbeit, die Barack Obama zur Probe eingereicht hatte. Michelle blieb zurückhaltend. "Es klang alles zu gut, um wahr zu sein", vertraute sie später dem Journalisten David Mendell an. "Ich dachte, aha, wieder einer von diesen glatten Typen, die Leute schnell beeindrucken können." Man hatte sie ausgesucht, um den Studiosus aus Harvard zu betreuen. Er war sofort Feuer und Flamme für seine Mentorin. Die widersetzte sich zunächst seinen amourösen Avancen, irgendwann ließ sie sich auf einen Versuch ein.

In einer Eisdiele hatten die beiden ihr erstes Rendezvous. Obama beeindruckte die junge Ms. Robinson, weil er voller Leidenschaft und Ernsthaftigkeit davon sprach, wie er sich für Schwächere einsetzte. Damit kriegte er sie. Nun ist Michelle Obama Amerikas erste First Lady mit einer Sklavengeschichte. Ihre Vorfahren wurden aus Afrika auf die Reisfelder South Carolinas verschleppt. Jim Robinson, ihr Ururgroßvater, war noch bis zum Bürgerkrieg (1861 ­ 1865) das Eigentum eines "Masters".

Sie selbst gilt als Prototyp einer Frau, die mit Talent und Fleiß die Karriereleiter erklomm. Aufgewachsen ist sie in der South Side, einem vornehmlich von Afroamerikanern bewohnten Armenviertel im Süden Chicagos. Ihr Vater Frasier wartete die Pumpen der kommunalen Wasserbetriebe, obwohl er an multipler Sklerose litt. Sie studierte in Princeton und Harvard, arbeitete erst bei besagter Anwaltskanzlei, dann als Assistentin des Chicagoer Bürgermeisters, schließlich war sie im Universitätskrankenhaus der Millionenstadt für Außenbeziehungen zuständig.

Mit Michelle Obama zieht wieder etwas von dem Glamour ins Weiße Haus ein, den einst Jackie Kennedy dort verbreitete. Mit ihren schlanken 1,82 Metern und ihrem Faible für sportliche Eleganz setzt Obamas Frau modische Akzente. Als Markenzeichen pflegt sie einen Humor der eher trockenen Art. "Wenn ich bei meinen Mädels bin", erzählte sie vor kurzem in einem Kreis berufstätiger Frauen, "dann fühle ich mich schuldig, weil nicht genug für die Arbeit tue. Und umgekehrt. Es ist eine Schuld, wie wir sie alle in diesem Raum kennen. Na, höre ich jetzt ein 'Amen'?"

Quelle: RP

 
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