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Nominierungsparteitag in Philadelphia
Bernie Sanders schwört die Demokraten auf Hillary Clinton ein

Bernie Sanders schwört Demokraten auf Hillary Clinton ein
Bernie Sanders bei seiner Rede auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten. FOTO: afp, sp
Philadelphia. Mit seiner Rede an dem Nominierungsparteitag seiner einstigen Konkurrentin begeistert Demokrat Bernie Sanders seine Anhänger. Von Frank Herrmann

Kalifornien ist zweigeteilt, buchstäblich in der Mitte geteilt. Unten sitzen die Delegierten Hillary Clintons, oben die von Bernie Sanders, die von der Lautstärke her mindestens mithalten können. "Bernie! Bernie!", skandieren sie auf den oberen Rängen des Stadionblocks, worauf sie unten ein zorniges "Hillary! Hillary!" anstimmen.

Die Poster, die sie oben in die Höhe halten, künden vom Widerstand gegen das angepeilte transpazifische Handelsabkommen, ein rotes Tuch für die Sanders-Anhänger. Sie zeigen ein Verkehrsverbotszeichen, dessen Diagonalbalken das Kürzel TPP überdeckt. Unten steht auf zartblauen Pappschildern: "I'm with her" ("Ich bin mit ihr") – gemeint ist natürlich Hillary Clinton.

Viele im Saal haben Tränen in den Augen

Stundenlang wogt es hin und her, stundenlang lassen die Schreiduelle an alles denken, nur nicht an den Schulterschluss, den die Parteitagsregie so gern inszenieren würde. Bis Sanders die Bühne betritt und erst mal drei Minuten warten muss, ehe er überhaupt reden kann. Mit Beifall im Stehen wird er gefeiert, der Außenseiter, der der früheren Außenministerin um ein Haar die sicher geglaubte Kandidatur weggeschnappt hätte. Viele im Saal haben Tränen in den Augen.

Fotos: Bernie Sanders – US-Präsidentschaftskandidat 2016 FOTO: ap

Seine Fans schreien sich die Kehle heiser, sofern sie nicht weinen. Bis ins letzte Detail erzählt der 74-jährige Senator noch einmal, wie gerecht es im Land zugehen würde, wäre er US-Präsident. Dann fügt er sich in sein Schicksal und ruft seine Anhänger auf, Clinton zu unterstützen. Er verstehe, wie enttäuscht sie über den Ausgang des Rennens seien, "niemand ist so enttäuscht wie ich", räumt Sanders ein. Nun aber gelte es, Donald Trump zu verhindern. "Hillary Clinton wird eine herausragende Präsidentin sein, und ich bin stolz, an ihrer Seite zu stehen."

Wenn es nur so einfach wäre. David Bright, ein Farmer aus dem Neuengland-Staat Maine, auf dem Kopf eine bunte Häkelmütze, bleibt jedenfalls bei seiner Meinung. Er stimme grundsätzlich nicht gegen, sondern immer nur für jemanden, sagt er. Und wenn es im November keinen gebe, für den er guten Gewissens votieren könne, einen wie Sanders, bleibe er dem Wahllokal womöglich fern. Das Argument, Clinton den Zuschlag zu geben, um Trump zu stoppen, zieht bei Bright nicht. "Sie ist einfach nicht meine Kandidatin", sagt er und zeigt pikiert auf die zartblauen Plakate. "Ich bin mit ihr" – bedeute das nicht, das sich bei Hillary alles nur um ihre eigene Person drehe, während sich Bernie immer nur für andere ins Zeug lege? Auf den oberen Rängen Kaliforniens sind derweil zugeklebte Münder zu sehen. "Silenced" ("Zum Schweigen gebracht") steht auf schmalen Gewebebändern.

Die nächste Brücke schlägt Michelle Obama

Wie schwer sich die Demokraten damit tun, ihre Reihen zu schließen, wird zum Auftakt ihres Kongresses schnell klar, nicht nur hinter den Kulissen, sondern manchmal auch auf der Bühne. Als die Kabarettistin Sarah Silverman, eine Sanders-Getreue, sich hinter Clinton stellt, schallen Buhrufe durch das Wells Fargo Center. "Ihr verhaltet euch lächerlich!", kontert Silverman. Dann singt der legendäre Paul Simon mit nicht mehr ganz fester Stimme vom Brückenbau über tosendes Wasser.

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js

Und die nächste Brücke schlägt die noch amtierende First Lady Michelle Obama, die in einer leidenschaftlichen Rede daran erinnert, wie ihr Mann Barack 2008 das Vorwahlduell gewann und Clinton die Schlappe wegsteckte. "Hillary hat es nicht gepackt und ist nach Hause gegangen, weil sie als echte Staatsdienerin weiß, dass es um so viel mehr geht als um ihre eigenen Wünsche und Enttäuschungen."

Quelle: RP
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