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Der Aufstieg des Bernie Sanders
Wie ein 74-jähriger Sozialist Hillary Clinton düpiert

Bernie Sanders: Wie ein 74-jähriger Sozialist Hillary Clinton düpiert
Der Mann, der es mit den Clintons aufnimmt: Bernie Sanders lässt sich feiern. FOTO: ap
Washington. Der 74-jährige Senator aus Vermont mit weißem Haar und dröhnender Stimme ist ein ungewöhnlicher Anführer einer Jugendbewegung - und entwickelt sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Favoritin Hillary Clinton. Ein Porträt.

Die Stimmung bei den Wahlkampfauftritten von Bernie Sanders hat immer etwas von einem Rockkonzert. Das Publikum ist jung und enthusiastisch, manchmal unterbricht ein Zwischenrufer den Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten mit einem begeisterten "Bernie, I love you!". 

Bei der ersten Vorwahl um die demokratische Nominierung vor einer Woche in Iowa landete Sanders wenige Zehntelprozentpunkte hinter Clinton. In New Hampshire fuhr der selbsterklärte "demokratische Sozialist" am Dienstag einen klaren Sieg über die frühere Außenministerin ein. Auch in landesweiten Umfragen holte der Senator zuletzt deutlich auf.

Sanders will die Revolution

Sanders' Kernanliegen ist eine "politische Revolution", um den Wohlstand in den USA gerechter zu verteilen und den Einfluss reicher Wahlspender auf die Demokratie zu begrenzen. "Es ist einfach zu spät für die gleiche alte Establishment-Politik und Establishment-Wirtschaft", sagte er in seiner Siegesrede in New Hampshire. "Die Leute wollen echte Veränderungen."

Trump und Sanders gewinnen Vorwahlen in New Hampshire

Wenn der 74-Jährige Reden hält, brüllen Anhänger seine Botschaft an die Milliardärskaste mit: "Genug ist genug." Studiengebühren an staatlichen Universitäten will Sanders abschaffen, den Mindestlohn auf 15 Dollar in der Stunde anheben, die Steuern für Reiche und die Wall Street erhöhen. Außerdem schwebt ihm eine staatliche Krankenversicherung vor, die für alle Bürger das Recht auf Gesundheitsversorgung gewährleistet.

Seine politische Karriere begann auf der Straße

Sanders' Ansichten lassen sich mit denen von Sozialdemokraten europäischer Prägung vergleichen, in den Vereinigten Staaten liegt er damit aber weit im linken Bereich des politischen Spektrums. In der Außenpolitik sieht er US-Militäreinsätze sehr skeptisch, anders als Clinton votierte er gegen den Einmarsch in den Irak. "Einer von uns hat richtig abgestimmt und der andere von uns nicht", sagte der Senator bei der jüngsten Fernsehdebatte.

Sanders stammt aus einer polnisch-jüdischen Einwandererfamilie und wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Seine politischen Wurzeln liegen in der Studentenbewegung der 60er Jahre, er engagierte sich für die Rechte afroamerikanischer Bürger und gegen den Vietnamkrieg. Sein erstes Amt hatte Sanders ab 1981 als Bürgermeister von Burlington in Vermont inne, 1990 schaffte er den Sprung ins Repräsentantenhaus nach Washington.

Vom Außenseiter zum ernstzunehmenden Konkurrenten

Im Jahr 2006 gewann er einen Senatssitz und wurde 2012 mit 71 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Seine politische Karriere bestritt er lange als Parteiloser, auch wenn er im Kongress mit den Demokraten zusammenarbeitete. Vergangenes Jahr registrierte er sich bei der Demokratischen Partei und erklärte seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur.

Sanders präsentiert sich als Außenseiter, der seit Jahrzehnten für seine Überzeugungen einsteht und sich nicht an den politischen Spielchen in Washington beteiligt. Persönliche Attacken auf die Konkurrenz kommen für ihn nicht in Frage. Die von den Republikanern angefachte Affäre um Clintons Nutzung privater E-Mails in ihrer Zeit als Außenministerin will er nicht ausschlachten. "Die amerikanische Bevölkerung hat es satt, von diesen verdammten E-Mails zu hören", sagte er bei einer Fernsehdebatte.

Sanders lebt in Burlington und ist in zweiter Ehe verheiratet. Er hat einen leiblichen Sohn und drei Stiefkinder. Bei seinem Wahlkampf setzt er vor allem auf Kleinspender, die durchschnittliche Zuwendung beträgt nach seinen Angaben 27 Dollar.

Der Senator erinnerte seine Anhänger in New Hampshire daran, dass er seine Kampagne vor neun Monaten praktisch ohne Geld und ohne Wahlkampfteam begonnen habe. Nun nehme er es mit den Clintons auf - "der mächtigsten politischen Organisation in den Vereinigten Staaten von Amerika".

(gol/AFP)
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