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Ex-Präsident Clinton wirbt für Ehefrau
Bill steht an Hillarys Seite

Bill Clinton steht an Hillarys Seite
Bill Clinton macht für seine Frau Wahlkampf FOTO: afp, aa
Philadelphia . Früher stand er in der ersten Reihe, jetzt kämpft Bill Clinton für seine Frau Hillary. Beim Parteitag der Demokraten in Philadelphia ließ der Altpräsident all seinen Charme spielen. Wenn alles gut läuft, könnte Bill demnächst wieder ins Weiße Haus einziehen.

Es ist ein in jeder Hinsicht denkwürdiger Auftritt, wie es ihn in der US-Politik noch nie gegeben hat: Ein ehemaliger Präsident wirbt für die eigene Frau als seine Amtsnachfolgerin - und damit indirekt auch dafür, als erster "First Gentleman" der USA in das Weiße Haus zurückkehren zu dürfen. "Ihr solltet sie wählen, weil sie nicht aufgibt, auch wenn es schwierig wird. Sie wird Euch nicht im Stich lassen", sagt Bill Clinton. Es ist sein großer Auftritt und der Ex-Präsident wird von den Delegierten mit Riesenjubel empfangen.

Mit Verve wirbt der 69-Jährige für seine Frau. Nicht zuletzt gegenüber den Skeptikern in der eigenen Partei will er die charakterliche Eignung von Hillary für das höchste Staatsamt bezeugen. Wenige Stunden vorher hat der Parteitag mit der Kür zur Präsidentschaftskandidatin Geschichte geschrieben: Die frühere Außenministerin, Senatorin und First Lady ist nun die erste Frau der US-Geschichte, die realistische Aussichten auf das höchste Staatsamt hat. Doch der Parteitag hat auch gezeigt, dass ungeachtet der historischen Dimension viele Anhänger des im Nominierungsprozess unterlegenen Senatoren Bernie Sanders weiterhin schwer mit der Kandidatin hadern.

Und in der Vorwoche haben der republikanische Rivale Donald Trump und seine Partei bei ihrer Wahlversammlung in Cleveland alles daran gesetzt, die Demokratin in Misskredit zu bringen: Nicht nur als inkompetent und verantwortungslos, sondern auch als verschlagen und korrupt wurde sie hingestellt.

Beliebter als Hillary

Bill Clinton, der in der Wählerschaft weitaus höhere Popularitätswerte genießt als seine Frau, kämpft nun auf der Parteitagsbühne gegen das Zerrbild an, das die Republikaner von der Kandidatin gezeichnet hätten. Er schwärmt von der "tatsächlichen" Hillary, einer hochintelligenten, tatkräftigen und mitfühlenden Frau: Diese Hillary Clinton "ruft dich an, wenn du krank bist, wenn dein Kind Probleme hat oder wenn es einen Tod in der Familie gibt".

US-Demokraten nominieren Hillary Clinton FOTO: afp, aa

Der Ex-Präsident hält eine sehr persönliche Rede, in der er die 45-jährige Beziehung der Clintons Station für Station rekapituliert, von der ersten Begegnung an der Eliteuniversität Yale über die Jahre in seinem Heimatstaat Arkansas und dann im Weißen Haus bis zu Hillary Clintons Amtszeiten als Senatorin und dann Außenministerin.

Die Beziehungsturbulenzen, die durch seine einstigen außerehelichen Eskapaden ausgelösten Krisen - dies spart der Ex-Präsident wohlweislich aus. Sie sind allenfalls in dem Satz angedeutet, er und seine Frau hätten "gute wie schlechte Zeiten, Freude und Kummer" durchgemacht.

Bill könnte als Wahlkampfwaffe helfen

Bislang war Bill Clinton im Wahlkampf eher als Störfaktor wahrgenommen worden. Ein Fehltritt war sein Treffen mit Justizministerin Loretta Lynch, das Vorwürfe auslöste, die Clintons wollten Einfluss auf die Untersuchungen zur Affäre um den regelwidrigen Umgang der Ex-Außenninisterin mit ihren dienstlichen E-Mails nehmen. Und für Negativschlagzeilen sorgte der Ex-Präsident auch durch einen erregten Schlagabtausch mit Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung "Das Leben von Schwarzen zählt". Diese hatten ihn wegen seiner seinerzeitigen Strafrechtsreform attackiert.

Doch mit seinem vielbejubelten Parteitagsauftritt stellt Bill Clinton seinen Nutzen als Wahlkampfwaffe unter Beweis. Als Zeuge für die "tatsächliche" Hillary wird ihn die Kandidatin wohl noch öfter einsetzen. Kein Wort verliert der Ex-Präsident dagegen in seiner Rede über seine mögliche künftige Aufgabe als "First Gentleman". Gut möglich ist aber, dass ihm eine aktive politische Rolle vorschwebt - so wie sie die einstige First Lady Hillary Clinton unter Bruch der Traditionen einnahm.

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js

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(crwo/afp)
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