Entscheidende Rede in Denver: Clinton schwört Demokraten auf Obama ein
zuletzt aktualisiert: 27.08.2008 - 07:13Denver (RPO). Hillary Clinton hat die US-Demokraten auf dem Parteitag in Denver aufgerufen, sich geschlossen hinter Barack Obama zu stellen. Sie ist ein Polit-Profi. Obwohl sie selbst so gerne Präsidentin geworden wäre, macht sie nun Stimmung für ihren einstigen Rivalen. Die Delegierten jubeln ergriffen über soviel Selbstaufopferung. Ob es reicht, um die Reihen zu schließen, bleibt offen.
Beim Nominierungs-Parteitag in Denver sicherte Clinton dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten ihre volle Unterstützung zu. Jetzt sei es an der Zeit, sich geschlossen hinter dem Senator von Illinois zu scharen, sagte Clinton am Dienstag. "Und er muss unser Präsident sein."
Die Rede der New Yorker Senatorin war umjubelter Höhepunkt des zweiten Tages der "Democratic National Convention", nachdem Michelle Obama ihren Mann am Vortag als patriotischen Familienvater präsentiert hatte. Die offizielle Wahl zum Präsidentschaftskandidaten ist am Mittwoch geplant.
Am Donnerstag will Obama dann vor 75.000 Menschen die Kandidatur annehmen und seine Anhänger auf die Präsidentschaftswahl am 4. November einschwören. Der republikanische Kandidat John McCain wird in der nächsten Woche in Minneapolis offiziell gekürt.
Delegierte feiern Hillary Clinton
Clinton wurde nach kurzer Vorstellung durch ihre Tochter Chelsea minutenlang von den mehr als 4000 Delegierten des Parteitags gefeiert. Das Plenum war in ein Meer von weißen Schildern mit dem Schriftzug "Hillary" getaucht. Eindringlich rief die Senatorin zur Unterstützung von Obama auf und sagte: "Wir haben keinen Augenblick zu verlieren und wir können auf keine Stimme verzichten."
Nach dem betont emotionalen und harmonischen Auftakt verschärften die Demokraten am zweiten Tag ihrer Versammlung die Kritik an McCain. Mehrere Redner warfen dem Senator vor, lediglich die Politik von Präsident George W. Bush zu verlängern.
"John McCain verspricht mehr von demselben", sagte der frühere Gouverneur von Virginia, Mark Warner, als einer der Hauptredner am Dienstag. Die Politik der Republikaner bedeute jeden Monat Ausgaben von zehn Milliarden Dollar im Irak, sagte Warner, der sich um einen Sitz im Senat bewirbt. "Das ist nicht richtig, das sind vier weitere Jahre, die wir uns nicht leisten können." Der demokratische Kandidat Obama aber stehe für eine andere Vision und einen anderen Plan. "Das Rennen ist eröffnet", sagte Warner. "Amerika hat nie Angst vor der Zukunft gehabt, und wir sollten jetzt nicht damit anfangen."
Auch demokratische Gouverneure von mehreren US-Staaten bekundeten ihre Unterstützung für Obama. Eine Wahl McCains ins Weiße Haus würde eine dritte Amtszeit für Bush bedeuten, sagte der New Yorker Gouverneur David Paterson. "Wenn er die Antwort ist, dann muss die Frage ein Witz sein."
Obama nicht geeignet?
Hingegen sprachen die Republikaner Obama die Eignung für das Amt des US-Präsidenten ab. Der ehemalige Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney sagte am Dienstag in Denver: "Barack Obama ist eine charmante und anständige Persönlichkeit mit einer liebenswerten Familie, aber er ist nicht bereit für die Präsidentschaft." Unter Obama würden die USA weniger Wohlstand und weniger Sicherheit erleben, sagte Romney.
Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts leitet im Auftrag der Wahlkampfführung des republikanischen Kandidaten John McCain eine Parteidelegation am Tagungsort der Demokraten. Dies nährte die Spekulationen, dass McCain Romney als seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten benennen könnte. Es wird erwartet, dass McCain seine Entscheidung in den nächsten Tagen bekanntgibt.
Nach der Festnahme von drei bewaffneten Männern am Stadtrand von Denver gaben die Behörden am Dienstag Entwarnung. Von den inhaftierten Personen sei keine "echte Bedrohung" für den Obama ausgegangen, teilte Staatsanwalt Troy Eid am Dienstag in Denver mit. Bei den Festgenommenen handle es sich um Drogensüchtige, die zu einem Attentat nicht in der Lage gewesen wären.
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