Zahlreiche umkämpfte Staaten erobert: Die perfekte Nacht des Barack Obama
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 10:43Washington (RPO). Für Barack Obama wurde die Wahlnacht zu dem, was ein CNN-Experte als "perfect storm" (perfekter Sturm) bezeichnete. Der Demokrat eroberte mindestens sieben Staaten, die 2004 noch für George W. Bush gestimmt hatten. Eine Republikaner-Hochburg nach der anderen fiel an den Senator aus Illinois.
Der erste Schock für den Republikaner John McCain ließ nicht lange auf sich warten. Der 72-Jährige hatte sich Chancen ausgerechnet, den bevölkerungsreichen Staat Pennsylvania gewinnen zu können und somit in die Offensive zu gehen. Die Umfragen hatten ihn acht Punkte zurück gesehen, allerdings behauptete sein Wahlkampf-Team noch am Dienstag, eigene Erhebungen hätten einen geringeren Abstand ergeben.
Der US-Sender CNN meldete jedoch schnell einen Zwischenstand, der McCains Hoffnungen platzen ließ. 66 Prozent hatten für Obama gestimmt, 33 Prozent für McCain - ein Verhältnis von 2:1. Wenig später wurde Obama zum Wahlsieger in Pennsylvania ausgerufen, die Prognosen gestalteten sich eindeutig. Zwar wurde es noch einmal knapper (Endstand: 55 Prozent zu 44 Prozent), am Sieg Obamas wurde jedoch nicht gerüttelt.
Ohio weist den Weg
Obama beherrschte den Nordosten des Landes wie erwartet völlig, um 3:37 Uhr folgte die Vorentscheidung: Der Demokrat wurde zum Gewinner in Ohio erklärt. Ein Staat, ohne den sich noch nie ein Republikaner die Präsidentschaft sichern konnte. Der Sieg für Obama war knapp, 51 Prozent zu 47 Prozent. Umfragen hatten hier zuvor ein Kopf-an-Kopf-Rennen gesehen. Das ebenfalls umkämpfte Virginia ging zudem an Obama - 150.000 Stimmen machten den Unterschied.
Die CNN-Analysten rechneten zu diesem Zeitpunkt bereits vor, dass McCain keine Chance mehr hätte. Selbst wenn der Senator aus Arizona alle umkämpften Staaten gewinnen könnte, wäre Obama kaum noch zu schlagen gewesen.
Sogar Florida an Obama
Auch in Florida war das Rennen immens knapp - doch auch hier hatte Obama in seiner "magischen Nacht" die Nase vorn. 200.000 Stimmen (51 zu 49 Prozent) gaben im Sunshine State den Ausschlag für den Senator aus Illinois. Für den Demokraten ein Riesen-Erfolg, hatte Florida doch bei den vergangenen Wahlen stets für die Republikaner gestimmt.
Spätestens jetzt war klar: Obama ist nicht mehr zu stoppen. Kalifornien im Westen galt ihm als sicher, damit kam der Demokrat locker über die notwendigen 270 Wahlmänner-Stimmen. CNN war sich bereits so sicher, dass der Sender nur wenige Minuten nach Schließung der kalifornischen Wahllokale Obama zum 44. Präsidenten der USA erklärte.
Als die Obama-Anhänger auf den Straßen schon feierten, folgten kaum beachtet weitere vier Staaten, in denen Obama republikanisches Territorium von 2004 eroberte. Iowa (54 zur 45 Prozent), das Skiparadies Colorado (53 zu 45 Prozent), New Mexiko (57 zu 42 Prozent) und Nevada (56 zu 42 Prozent) entschieden sich für den Demokraten. Indiana stand lange auf der Kippe, tendierte aber auch zu Obama.
Wahlmänner-Verhältnis täuscht
Damit holte Obama nahezu alle Staaten, die er realistisch betrachtet überhaupt gewinnen konnte. McCain erlebte dagegen ein Wahlmänner-Debakel. Der Republikaner verbuchte keinen einzigen Staat, der 2004 an die Demokraten gefallen war. Lediglich die Gebiete, die ohnehin eingeplant waren, gingen an den 72-Jährigen.
Was an Wahlmänner-Stimmen (338 zu 163) wie ein Erdrutschsieg des Senators aus Illinois aussah, täuschte allerdings über den eher knappen Ausgang der Wahl hinweg. Landesweit erhielt Obama 52 Prozent der Stimmen, McCain brachte es auf 47 Prozent. Am Ende hatte Obama knapp sechs Millionen Stimmen mehr auf dem Konto - 213 Millionen US-Amerikaner waren wahlberechtigt. Doch aufgrund des "Winner-takes-it-all"-Prinzips in den USA hängte der 47-Jährige seinen Rivalen um Längen ab.
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