| 18.48 Uhr

Staatsbesuch in Mexiko
Die Wendungen des Donald Trump

USA: Die Aufreger-Sprüche des Donald Trump
USA: Die Aufreger-Sprüche des Donald Trump
Meinung | Berlin. Eine bemerkenswerte Selbstentlarvung vollzog Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf, indem er jede Anerkennung, die er am Morgen in Mexiko mit den Händen aufgebaut hatte, am Abend in Arizona mit dem Hintern wieder einriss. Von Gregor Mayntz

Wer diesen Mann über Migranten wettern hört, kann sich schlecht vorstellen, dass er selbst aus einer Migrantenfamilie stammt. Es war Friedrich Trump, der sich 1885 aus dem pfälzischen Kallstadt auf den Weg machte, um in den USA sein Glück zu suchen. Weil seine Frau Heimweh bekam, entschied sich das Paar, es dann doch wieder in der alten Heimat zu versuchen. Doch weil der junge Herr den Militärdienst nicht geleistet hatte, bekam er keine Aufenthaltspapiere vom damals herrschenden bayerischen Königreich.

Jährlich strömten damals Hunderttausende in die USA, und wenn wir diese Situation auf heute drehen, dann könnte das mit den fehlenden Papieren und den Problemen mit den Heimatbehörden einem wie Großvater Friedrich Trump schwer zu schaffen machen, sollte sein Enkel Donald Trump Präsident werden und seine Anti-Migrations-Agenda durchsetzen.

Plötzlich spricht Trump von "großartigen Leuten"

Doch halt. Schlummert da tief im Innern des rüpelnden Raufboldes vielleicht doch ein Mann, der mit 70 dazu lernen und auf der Zielgeraden zum Weißen Haus das staatsmännische Gebaren einüben könnte? Sein offizieller Besuch in Mexiko ließ aufhorchen. Vor Monaten noch vor jedem Mexikaner warnend, dass dies "nicht unser Freund" sei, begrüßte Trump nun den Mexikaner als "Freund". Und wo Trump eben noch Mexikaner auf Drogenhändler und Vergewaltiger reduzierte, sprach er nun plötzlich von "großartigen Leuten", beschwor "großen Respekt" vor Glauben, Familienwerten und Gemeinschaft der Mexikaner auch in den USA.

Mit dieser staatsmännischen Volte lud Trump die Analysten ein, seine Wendung zu den vielen Millionen Latinos unter den Wählern gebührend zu sezieren. Derzeit kommt er in den Umfragen an Hillary Clinton nicht ran. Seine Fans werden zwar mit jedem Ausfall enthusiastischer. Aber nachdem sich selbst konservative Republikaner in Scharen vom eigenen Kandidaten abwenden, driften selbst als sicher geglaubte Bundesstaaten aus dem Trump-Lager hinaus. Ein gezähmter Kandidat könnte hier vielleicht Verprellte und Irritierte zurückgewinnen.

Doch diese Analyse-Phase dauerte nur wenige Stunden. Noch am Abend seines Mexiko-Besuches saftete er vor Anhängern in Arizona wieder im alten Stil. Und er hatte es sogleich mit einem Glaubwürdigkeitsproblem besonders markanter Art zu tun. Kaum hatte er versichert, mit Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto nicht darüber beraten zu haben, wer die Kosten für die von Trump versprochene Mauer Richtung Mexiko zahle, da twitterte sein Gastgeber, dass er gleich zu Beginn klar gemacht habe, Mexiko werde dafür jedenfalls nicht bezahlen. Trump witzelte daraufhin vor seinen begeisterten Anhängern, die Mexikaner würden sogar hundert Prozent der Mauer-Kosten tragen, sie wüssten es nur noch nicht.

Der Tag von Mexiko und Arizona – ein Schlüsselereignis

Was würde einer wie Trump daraus machen, wenn eine wie Hillary Clinton versuchen würde, offensichtlich falsche Behauptungen über eine Unterredung mit einem Staatsoberhaupt mit einer Derbheit zu übergehen? Doch Trump denkt gar nicht erst daran, dass seine Glaubwürdigkeit darunter leiden könnte, weil Glaubwürdigkeit offenbar eine Kategorie ist, die dem Gros seiner Anhänger ohnehin egal ist.

Sonst würden sie seine illusorischen Ankündigungen irgendwann nicht mehr feiern und vielleicht einmal hinterfragen, wie er es schaffen will, zwei Millionen straffällige Migranten bereits am Tag seines Amtsantrittes außer Landes zu bringen. Und sie würden sich vorzustellen beginnen, welches Klima in den USA herrschen soll, wenn jener Präsident wird, der darüber spöttelt, dass die von ihm angekündigten zusätzlichen Polizisten auch Clinton festsetzen und ausweisen könnten.

Der Tag von Mexiko und Arizona war ein Schlüsselereignis für den laufenden US-Wahlkampf. Trump hätte es in der Hand gehabt, die Wende zum Ernstzunehmenden einzuleiten. Zu einem, der im Wahlkampf zeigt, was man im Amt von ihm erwarten könnte, auch und gerade im Umgang mit dem so wichtigen Nachbarn Mexiko.

Dass er auf Besuch zu Komplimenten und Anerkennung greift und das Stunden später schon wieder selbst als schmierige und gespielte Geste entlarvt, spricht Bände über eine desaströse Persönlichkeit, die lieber Trump bleiben als Präsident werden will.

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