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Wahl-Analyse
Dieser Sieg gehört Obama nicht allein
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern FOTO: afp, JEWEL SAMAD
Barack Obama hat die Präsidentschaftswahl überraschend deutlich gewonnen. Seinen Sieg über Herausforderer Mitt Romney hat er vor allem drei Wahlhelfern zu verdanken. Ihre Namen: Michelle, Bill und Sandy. Den Rest erledigten die Republikaner für ihn. Eine Analyse. Von Philipp Stempel

Barack Obama darf vier weitere Jahre im Weißen Haus regieren. Wer sich noch einmal seine desaströsen Umfragewerte vor einem Jahr anschaut, mag von einer Sensation sprechen. Es ist ein Sieg gegen die Vorzeichen. Seinen Erfolg erzielte er trotz hoher Arbeitslosigkeit, trotz erdrückender Schulden, trotz eines starken Wahlkampfs von Mitt Romney.

Dass es abermals für Obama gereicht hat, lässt sich im Wesentlichen auf fünf gute Gründe zurückführen. Die entscheidenden Stimmen hat er vermutlich vor allem drei Wahlkämpfern zu verdanken.

Michelle Dieser Wahlsieg ist auch der Sieg von Barack Obamas Frau Michelle. In der Bevölkerung ist die First Lady überaus beliebt – weitaus mehr als ihr Ehemann. Dass Obama bei weiblichen Wählern deutlich mehr Stimmen holte als sein Konkurrent, ist nicht zuletzt auf sie zurückzuführen. Bei den Frauen lag Obama hingegen mit 55 Prozent elf Punkte vor Romney. Bei Müttern und Vätern ist das Verhältnis noch deutlicher: Bei den Müttern gewann Obama mit 56 zu 43, bei den Vätern verlor er mit 45 zu 53.

Michelle repräsentiert Frauen, die Aufsteigerklasse, Mütter, setzte sich in den vergangenen vier Jahren immer wieder für gesunde Ernährung und die Familien von Militärangehörigen ein. Dazu hat sie eine Lebensgeschichte, wie sie die Amerikaner mögen. Michelle arbeitete sich in Chicago aus einfachen Verhältnissen nach oben. Nicht zuletzt ihre fulminante Rede beim Parteitag der Demokraten in Washington holte Barack Obama verloren gegangene Sympathien zurück. Michelle Obama – sie steht für das moderne Amerika.

Bill Clinton Beim Parteitag der Demokraten warf sich der im Volk überaus beliebte Ex-Präsident für Obama in die Bresche wie noch nie. Auch in den späteren wichtigen Wahlkampfveranstaltungen begleitete Bill Clinton seinen Nachfolger und machte sich für ihn stark.

Clinton genießt immer noch hohes Ansehen. Entsprechendes Gewicht maßen die Amerikaner seinen Argumenten zu. In seinen Wahlkampfreden wurde er nicht müde zu betonen, welch katastrophales Erbe George Bush Obama mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlassen hatte. „Das hätte ich auch nicht besser hingekriegt“, hämmerte Clinton dem Wahlvolk ein.

Offenbar mit Erfolg. Ersten Umfragen zufolge gaben viele Obama die zweite Chance, weil sie seinem Vorgänger Bush die Verantwortung für die wirtschaftliche Misere zuschreiben.

Sandy So zynisch es klingen mag, aber Hurrikan Sandy kam für Barack Obama zur rechten Zeit. Seitdem das Oder-Hochwasser Gerhard Schröder (SPD) ein zweites Mal ins Amt spülte, weiß man in Deutschland nur zu gut, welchen Einfluss Katastrophen auf eine Wahlentscheidung bekommen können.

Ähnlich verhielten sich die Dinge in den USA. Wenige Tage vor dem Wahltermin punktete Obama perfekt in der Rolle des Krisenmanagers. Rund um die Uhr zeigten die Fernsehsender den Präsidenten an der Front, ließen ihn Tatkraft und Führungsstärke demonstrieren, zwei Tugenden, die die Republikaner beim Präsidenten immer in Frage gestellt hatten. Nun aber bekam Obama sogar Lob vom republikanischen Hoffnungsträger Chris Christie. Mitt Romney stand zähneknirschend in der Zuschauerecke.

Die Republikaner Am Ende des Wahltages zeigte sich, dass die Wähler (wie so oft) einem vertrauten Mann eher ihre Stimme geben als einem, von dem sie nicht wissen, wofür er steht. Mitt Romney hat sich in 18 Monaten Wahlkampf den Spitznamen Mr. Flip-Flop erworben, weil er zunächst mit rechten Parolen die Stimmen der radikalen Rechten einzufangen suchte, dann aber wieder in die Mitte schwenkte.

Letztlich ist die Niederlage somit weniger Romney anzuheften, sondern der Zerrissenheit der republikanischen Partei. Derzeit weiß in Amerika niemand so genau, was er letztendlich mit dieser Partei verbinden soll. Die radikalen Kräfte um Tea-Party, Neocons und Evangelikale haben die Grand Old Party weit nach rechts gedrängt. Die steht nun in der Wahl-Nachlese vor heftigen Auseinandersetzungen. Nachdem Obamas Sieg feststand, distanzierten sich umgehend Partei-Rechte von ihrem Kandidaten.

Quelle: pst/rm/pst/sap
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