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Wer schafft es ins Weiße Haus?
Diese Wahl wird die Welt verändern

Donald Trump gegen Hillary Clinton: Diese Wahl wird die Welt verändern
Sie kämpfen um den Einzug ins Weiße Haus: Donald Trump und Hillary Clinton. FOTO: dpa, msc tba
Washington. Nie zuvor war eine US-Präsidentenwahl so stark beeinflusst von fundamentalen Zweifeln an der amerikanischen Wirtschaftsordnung. Beide Kandidaten haben darauf keine überzeugende Antwort und setzen auf Protektionismus. Das wird dem Land – und uns allen – schaden. Eine Analyse. Von Matthias Beermann

Vor acht Jahren sprach man von einer historischen Präsidentenwahl in den USA, weil mit Barack Obama erstmals ein Schwarzer ins Oval Office einzog. Womöglich schafft es diesmal mit Hillary Clinton die erste Frau ins höchste Amt der mächtigsten Nation der Welt. Aber die wahre Bedeutung dieser Wahl liegt woanders: Erstmals revoltiert eine große Anzahl von Amerikanern nicht nur gegen eine bestimmte Politik, sondern gegen das ganze System.

Das Versprechen des amerikanischen Traums lautete stets, dass jeder in diesem Land es zu etwas bringen kann, wenn er nur die Ärmel hochkrempelt. Doch viele Amerikaner zweifeln heute an diesem Versprechen, und sie haben allen Grund dazu. Sie sehen, dass sich der Reichtum immer stärker auf einige wenige konzentriert, während die Zahl der Armen zunimmt und die Mittelschicht rasant schrumpft. Seit der schweren Rezession von 2007 bis 2009 zerbröckelt der Kern der US-Gesellschaft. Die Einkommen der Mittelschichtfamilien gingen seit der Jahrtausendwende um mehr als vier Prozent zurück, ihr Vermögen sank sogar auf den Stand von Anfang der 80er Jahre.

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js

Das hat Folgen: Laut Umfragen hält nur noch die Hälfte der Amerikaner die eigene Wirtschaftsordnung, die immerhin aus den USA die reichste Nation der Welt gemacht hat, für fair. "Das System des amerikanischen Kapitalismus ist zerbrochen", schreibt die angesehene "Time"-Kolumnistin Rana Foroohar. Eine Glaubenskrise hat die USA gepackt, eine Mischung aus Angst und Wut darüber, dass dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der sagenhaften Tellerwäscherkarrieren inzwischen für eine Mehrheit der Amerikaner keine Perspektiven mehr zu bieten scheint.

Donald Trump, der Kandidat der Republikaner, hat das lange vor seiner demokratischen Konkurrentin Clinton begriffen. Er gießt den Frust der Abgehängten und die Sorgen derer, die dasselbe Schicksal fürchten, in simple Parolen. Er pestet gegen Länder wie Mexiko oder China, die den USA Arbeitsplätze geklaut hätten, er will Mauern gegen Einwanderer hochziehen und Zollschranken gegen ausländische Konkurrenz. Das kommt gut an bei Millionen Amerikanern, die ihren Job verloren haben oder seit der Krise nicht mehr genug verdienen, um über die Runden zu kommen.

Donald Trump: Tycoon, Unternehmer, Präsident FOTO: afp, so

Hillary Clintons größtes Handicap in diesem Wahlkampf sind denn auch nicht einige am falschen Ort gespeicherte E-Mails, sondern die Tatsache, dass sie wie keine Zweite das politische Establishment verkörpert, das von vielen Menschen für das Platzen des amerikanischen Traums verantwortlich gemacht wird. Die Kandidatin hat auf das böse Grollen im Volk reagiert, das tief bis ins Lager der traditionellen Wähler der Demokratischen Partei reicht, und eine atemberaubende politische Kehrtwende hingelegt. Auch Clinton, die im Vorwahlkampf von ihrem Rivalen Bernie Sanders immer weiter nach links gedrängt wurde, setzt inzwischen auf die Abschottung der amerikanischen Wirtschaft gegen Billig-Importe und äußert sich kritisch gegenüber Freihandelsabkommen.

Protektionismus ist der kleinste gemeinsame Nenner von Clinton und Trump. Aber er bietet keine Lösung für das amerikanische Problem, und er würde die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Ökonomen haben zudem ausgerechnet, dass die US-Mittelschicht ein Drittel ihrer Kaufkraft einbüßen könnte, wenn sich Amerika hinter Importschranken verbarrikadiert.

USA: Der rasante Aufstieg des Donald Trump

Tatsächlich sind in der US-Industrie in den vergangenen sechs Jahren mehr als eine Million neue Jobs entstanden, zumeist gut bezahlte. In einigen Branchen haben die Unternehmen inzwischen Mühe, die Stellen zu besetzen, weil es an geeigneten Bewerbern mangelt. Jetzt rächt sich, dass weder die Firmen noch der Staat in die Weiterbildung investiert haben. Dabei kommt die größte Gefahr für gering qualifizierte Amerikaner nicht aus China, sondern aus dem Silicon Valley. Die nächste Welle der Digitalisierung könnte schon bald Millionen Jobs vernichten, bevor sie ausreichend neue schafft. Wenn das passiert, wenn Amerika sein Wirtschaftsmodell in den kommenden vier Jahren nicht reformiert, die Auswüchse der Finanzbranche nicht zurückschneidet und eine neue Industriepolitik erfindet, dann waren selbst die radikalsten Parolen dieses Wahlkampfs wohl nur ein Vorgeschmack.

 
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