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Trump in Cleveland
Chaotischer Start von Republikaner-Parteitag

Donald Trump in Cleveland: Chaotischer Start von Republikaner-Parteitag
Auch Trump-Gegner haben es in die Parteitagshalle geschafft FOTO: afp, aa
Cleveland. Schon die ersten Stunden des Republikaner-Konvents legen den tiefen Riss offen, der durch die Partei geht. Ein augenscheinlich simples Votum über die Parteitagsregeln wird von heftigen Tumulten begleitet.

Bei den Republikanern ist es wenige Stunden nach dem Beginn ihres Parteitags zu Tumulten unter den Delegierten gekommen. Hintergrund war ein Votum über die Regeln für den Konvent, über die die Parteiführung per Zuruf abstimmen ließ. Dagegen protestierten allerdings Hunderte sozialkonservative Delegierte, die gegen eine Nominierung des umstrittenen Milliardärs Donald Trump zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten der Partei sind. Lautstark forderten sie eine offene Abstimmung, bei der jeder US-Staat namentlich aufgerufen werden sollte. Letztlich ging es den beteiligten Delegierten darum, Trumps als Kandidaten zu verhindern.

Als der Parteitagsvorsitzende Steve Womack ihren Vorstoß ablehnte, reagierten die Parteifunktionäre mit lautstarken Zwischenrufen. Einige Delegierte verließen das Plenum, andere kündigten an, Trump nicht unterstützen zu wollen. "Ich habe keine Ahnung, was da gerade los ist. Das ist surreal", sagte der Senator von Utah, Mike Lee. Er hatte sich der Forderung nach einer offenen Abstimmung unter Berücksichtigung jedes einzelnen Staates angeschlossen.

Im Vorfeld hatte eine Gruppe von Trump-Gegnern erklärt, über die nötigen Stimmen für eine offene Abstimmung zu verfügen. Doch der Parteitagsvorsitzende Steve Womack teilte auf der Bühne mit, einige Delegierte hätten ihre Unterschriften wieder zurückgezogen. Damit sei die Petition von Funktionären aus drei Staaten ungültig. Die chaotischen Szenen hatte die Führung der Republikaner vermeiden wollen. 

Trump zeigte sich kurz

Am Abend trat überraschend der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat Trump selber kurz auf. Er stellte seine Frau Melania vor, die eine kurze Rede hielt. Melania Trump, die aus Slowenien stammt, erinnerte an ihre eigene, gelungene Immigration. Es gebe keine größere Ehre als die amerikanische Staatsbürgerschaft, sagte sie.

Melania Trump bemühte sich in ihrer Rede, Zweifel an der politischen und charakterlichen Eignung ihres Mannes für das Präsidentenamt auszuräumen. Sie präsentierte ihn als unermüdlichen Kämpfer, bei dem das Land in guten Händen wäre. "Er gibt nicht auf", sagte das frühere Model. "Wenn Ihr jemanden wollt, der für Euch und für das Land kämpft, dann ist er der Richtige für Euch."

Ehefrau schwärmt von Trump

Trumps Frau ging in ihrer Rede auch auf Kritik am unkonventionellen Auftreten ihres Mannes ein. "Aufregung und Drama" gehörten bei Trump dazu, räumte sie ein. "Er ist hart, wenn er hart sein muss, aber er ist auch freundlich und fair und fürsorglich", sagte sie. "Diese Freundlichkeit wird nicht immer bemerkt, aber sie ist erkennbar." Mit Kleinigkeiten gebe sich ihr Mann nicht zufrieden. "Donald denkt groß", sagte Melania Trump. Bei ihm gebe es "keinen Platz für beschränktes Denken, für beschränkte Ergebnisse". Zweifel an seiner politischen Führungskraft wies sie zurück: "Er ist und war immer schon ein bewundernswerter Anführer."

Melania Trump betonte zudem, dass ihr Mann als Präsident keine Bevölkerungsgruppe benachteiligen wolle. "Donald will das gesamte Volk repräsentieren", sagte die gebürtige Slowenin. "Das schließt Christen und Juden und Muslime mit ein. Das schließt Latinos und Afroamerikaner und Asiaten und die Armen und die Mittelschicht mit ein."

Für den Dienstagabend (Ortszeit) ist die offizielle Nominierung Trumps geplant. Der zweite Tag steht unter dem Motto "Make America Work Again". Unter den Rednern sind Donald Trump Jr. und Tochter Tiffany, außerdem der Ex-Präsidentschaftsbewerber Ben Carson.

(crwo/ap/dpa/afp)
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