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Sexismus im US-Wahlkampf
Mit einem einzigen Satz redet Donald Trump sich um Kopf und Kragen

Donald Trump: Mit einem sexistischen Satz verärgert er die GOP
Mit einer sexistischen Bemerkung über Moderatorin Megyn Kelly redete Donald Trump sich ins politische Aus. FOTO: ap
Washington. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat es geschafft, mit einem dummen Spruch gegen US-Moderatorin Megyn Kelly die eigene Partei gegen sich aufzubringen. Indirekt hatte er ihre kritischen Fragen auf Menstruationsbeschwerden zurückgeführt. Von einer Entschuldigung will er nichts wissen. Seine Kritiker beschimpft er als "krank" und "pervers".

Nach sexistischen Attacken auf eine Fernsehmoderatorin bekommt der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump Ärger im eigenen Lager. Der Multimilliardär wurde von einem wichtigen Republikaner-Treffen am Samstag in Atlanta ausgeladen, prominente Republikaner kritisierten seine Äußerungen. Gleichzeitig überwarf Trump sich mit seinem Top-Berater. Eine Entschuldigung lehnte der 69-Jährige ab.

Trump hatte nach einer Fernsehdebatte angedeutet, die harten Fragen einer Fernsehmoderatorin an ihn seien auf deren Menstruationsbeschwerden zurückzuführen. Nach der ersten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten am Donnerstag im rechtskonservativen Sender Fox News hatte Trump der Moderatorin Megyn Kelly vorgeworfen, ihn unfair behandelt zu haben - sie hatte ihm wegen einer Reihe frauenfeindlicher Äußerungen Vorhaltungen gemacht. Am Sonntag beklagte er sich über Twitter abermals, der Sender behandle ihn nicht fair, dabei habe er ihm doch Best-Quoten beschert.

Doch den schlimmsten und für ihn möglicherweise vernichtenden Satz ließ Trump bereits am Freitagabend vom Stapel. Bei CNN war der 69-Jährige abermals über die Moderatorin hergezogen. Seine Auslassungen wurden dabei so verstanden wurde, als führe er die harten Fragen der Moderatorin darauf zurück, dass sie Menstruationsbeschwerden gehabt habe. "Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam", sagte der 69-Jährige.

Dieser eine Satz hat nun schwerwiegende Folgen. Der Spruch brachte auch bei vielen Republikanern das Fass zum Überlaufen. Trump, der beim Republikanertreffen RedState Gathering am Samstag neben anderen republikanischen Präsidentschaftsbewerbern hätte sprechen sollen, wurde wieder ausgeladen. "So sehr ich Donald Trump persönlich mag, sein Kommentar über Megyn Kelly auf CNN geht einen Schritt zu weit für mich", sagte der Gastgeber Erick Erickson.

Mitbewerber Jeb Bush sagte, Trump solle sich für seine Äußerung entschuldigen. "Wollen wir 53 Prozent aller Wähler beleidigen?" fragte er mit Blick auf das weibliche Wählerpotenzial. Senator Lindsey Graham, der ebenfalls 2016 Präsident werden will, erklärte: "Für uns als Partei ist es besser, wenn wir riskieren, ohne Trump zu verlieren, als wenn wir versuchen, mit ihm zu gewinnen." Scharfe Kritik kam auch von den Mitbewerbern Rick Perry und Carly Fiorina.

Die einzige weibliche Präsidentschaftsanwärterin der Republikaner, die ehemalige Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard, Carly Fiorina, twitterte: "Mr. Trump. Es. Gibt. Keine. Entschuldigung." Ähnlich äußerte sich der Mitbewerber Scott Walker in einem Tweet. Der ebenfalls republikanische Rivale Mike Huckabee forderte auf CNN eine Entschuldigung von Trump für seine Entgleisung.

Der milliardenschwere Bauunternehmer lehnte am Sonntag auf CNN eine Entschuldigung ab. Wer meine, er habe von Kellys Periode gesprochen, sei "krank" oder "abartig". Er halte Frauen "in Ehren" und wolle ihnen "helfen". Er habe nichts gegen Kelly. Allerdings habe sie ihn "unfair" befragt. Bereits zuvor hatte Trump auf Twitter geschrieben, er sei missverstanden worden - in Wirklichkeit habe er bei der Äußerung zum "Blut" der Moderatorin an Nasenbluten gedacht. Auch sein Wahlkampfteam hob hervor, Trump habe die Nase gemeint - nur "ein Perversling" könne an etwas anderes denken.

In einem weiteren Tweet beschwerte sich Trump zudem über die vielen "politisch korrekten Trottel" im Land. "Wir sollten alle zurück an die Arbeit gehen und aufhören, unsere Zeit und Energie für Unsinn zu verschwenden".

Zwischen Trump und seinem engsten Mitarbeiter Roger Stone kam es wegen des Vorfalls um Bruch. Unklar war allerdings, wer ihn vollzog: Trumps Wahlkampfteam teilte mit, er habe seinen persönlichen politischen Berater entlassen, weil dieser den Wahlkampf zur persönlichen Profilierung missbraucht habe.

Stone widersprach der Darstellung umgehend: "Ich habe Trump gefeuert", schrieb er im Online-Dienst Twitter. Er sei nicht einverstanden gewesen mit Trumps verbalem Angriff auf die Fernsehmoderatorin Kelly, weil dadurch die Hauptbotschaften des Wahlkampfs in den Hintergrund gerieten.

Mit frauenfeindlichen Sprüchen hat Trump schon desöfteren auf sich aufmerksam gemacht. Hier eine Sammlung seiner Sprüche. 

In unserem Dossier finden Sie alle Nachrichten und Hintergründe zum Milliardär Donald Trump.

(AFP)
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