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Donald Trump gegen Ted Cruz
Die Schlammschlacht um die Herkunft

Donald Trump versus Ted Cruz: Die Schlammschlacht um die Herkunft
Donald Trump und Ted Cruz liefern sich verbale Gefechte in einer TV-Debatte. FOTO: afp, ab
Washington. Monatelang haben Donald Trump und Ted Cruz die Moderateren im Kandidatenfeld der Republikaner vor sich hergetrieben – und einander nicht wehgetan. Gut zwei Wochen vor der ersten Vorwahl ist es mit dem Burgfrieden zwischen den beiden vorbei.   Von Frank Herrmann

Über Ted Cruz hat Donald Trump noch unlängst gesagt, dass er ein "guter Mann" sei, einer, den er seinen Freund nenne. So hart der Immobilientycoon gegen andere Rivalen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur austeilte, den aufstrebenden Senator aus Texas verschonte er. Der Populist Trump und der Hardliner Cruz, es war das Gespann, das dem republikanischen Establishment den Angstschweiß auf die Stirn trieb, weil es die "Grand Old Party" durch robuste Debattenauftritte immer weiter nach rechts rücken ließ, immer weiter weg von der politischen Mitte. Nun aber ist es vorbei mit dem Burgfrieden zwischen den beiden.

Gut zwei Wochen vor der Vorwahlpremiere in Iowa sind Trump und Cruz auf offener Bühne so hart aneinandergeraten, dass keiner mehr von Freundschaft reden würde. Die Nacht zum Freitag, eine Kongresshalle in North Charleston, South Carolina. Die Republikaner, nur noch sieben sind zugelassen, treffen sich zu ihrer sechsten TV-Debatte: Trump steht in der Mitte, Cruz links von ihm, Jeb Bush und John Kasich, die Moderaten des Feldes, müssen mit Plätzen am Rand vorliebnehmen. Nach zwanzig Minuten bläst Trump zur Attacke, indem er bezweifelt, dass Cruz überhaupt berechtigt ist, das Oval Office anzustreben. "Das musst du die Gerichte klären lassen", ruft er. "Über deinem Kopf schwebt ein riesiges Fragezeichen. Falls ich dich als Vizepräsidenten nehme, überziehen uns die Demokraten sofort mit einer Klage, sodass wir nicht loslegen können."

Ist Ted Cruz ein "natural born citizen"?

Die Verfassung schreibt vor, dass nur "natural born citizens" fürs Präsidentenamt in Frage kommen, frei übersetzt: Staatsbürger, die als solche geboren wurden. Bis heute streiten Juristen darüber, wie der Passus zu verstehen ist, ob "natural born" sich allein auf die Staatsangehörigkeit bezieht oder auch eine territoriale Eingrenzung bedeutet, dass man also in den USA geboren worden sein muss, um kandidieren zu können. Es gibt einen Präzedenzfall, die Causa John McCain. Der Offizierssohn, einst der Widersacher Barack Obamas, kam in der Panamakanalzone zur Welt, und um aufkommende Zweifel auszuräumen, hat der Senat 2008 einstimmig entschieden, dass McCain de jure wählbar ist. Cruz wiederum, als Sohn einer US-amerikanischen Mutter und eines kubanischen Vaters in Kanada geboren, charakterisiert Trumps Attacke als Verzweiflungstat eines Mannes, der einfach nicht verlieren könne. 

Noch im September, sagt er, habe Donald erklärt, dass nichts dran sei an den Zweifeln, ob er, Cruz, denn nun antreten dürfe. "Nun, die Verfassung hat sich seit September nicht geändert. Was sich geändert hat, sind die Umfragewerte." Trump sei schockiert, weil seine Beliebtheitswerte in Iowa fielen. Im Übrigen, dreht Cruz den Spieß um, wisse man ja um extreme Auslegungen des Begriffs "natural born", nach denen man nur Präsident werden könne, wenn beide Elternteile aus den USA stammten. "Demnach wäre auch Donald Trump disqualifiziert, denn seine Mutter kam aus Schottland." Gelächter im Saal. Punktsieg Cruz. Irgendwann sagt Marco Rubio, der Jungsenator aus Florida, es tue ihm leid, diese spannende Episode des Gerichtsfernsehens unterbrechen zu müssen – aber ob man sich nicht endlich den wichtigen Themen zuwenden könne?

Dann bläst Cruz zur Attacke und fragt, ob Trump wirklich konservativ sei, schließlich stamme er ja aus New York, einer Stadt mit überaus liberalen Ansichten, ob es nun um das Abtreibungsrecht oder die Homo-Ehe gehe. "Nicht sehr viele Konservative stammen aus Manhattan", stichelt er. Diesmal ist es Trump, der den Angreifer schlecht aussehen lässt. Er erinnere sich noch an die Zeit nach dem 11. September 2001, als der Geruch des Todes nach den Terroranschlägen noch monatelang über der Stadt hing, erwidert er. "Nirgends auf der Welt hätte man besser, humaner damit umgehen können als in New York."

Am späten Freitagabend dann wurde bekannt, dass die Frage, ob Cruz die rechtlichen Voraussetzungen für das höchste Staatsamt der USA erfüllt, jetzt von einem Bundesgericht in Texas beantwortet werden soll. "Die ganze Nation kann sich solch verfassungsrechtliche Verwirrung und Unsicherheiten im Wahlprozess nicht leisten", heißt es in einer am Donnerstag eingereichten Klage. Ein Gericht müsse die Zulässigkeit von Cruz' Kandidatur vorab klären.

Quelle: RP
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