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Spannung vor erstem TV-Duell
"Clinton gegen Trump - das wird größer als die Mondlandung"

TV: So funktioniert das Duell zwischen Clinton und Trump
TV: So funktioniert das Duell zwischen Clinton und Trump FOTO: rtr, RTW/ys
Der Countdown läuft, die Aufregung steigt. Wenn Hillary Clinton am Montag in der ersten TV-Debatte auf Donald Trump trifft, werden Millionen Menschen vor den Bildschirmen sitzen. Die Duelle haben eine große Bedeutung in der US-Politik. Von Frank Hermann, Washington

Was für ein Hype! Am Montag treffen die Kontrahenten an der Hofstra University in der Nähe New Yorks bei der ersten von drei Fernsehdiskussionen aufeinander, und an Superlativen mangelt es nicht. "Das wird größer als die Mondlandung, größer als die Olympischen Spiele, größer als die letzte königliche Hochzeit", orakelt Paul Begala, ein ehemaliger Berater des Präsidenten Bill Clinton. 

Nüchtern betrachtet, werden amerikanische Präsidentschaftsdebatten öfter verloren, als dass sie gewonnen werden. Meist fällt die Entscheidung, wenn einer der beiden Kontrahenten über einen Fauxpas stolpert oder auch nur etwas tut, was man in gleißendem Scheinwerferlicht besser nicht tun sollte. Ein Blick in die Chronik lehrt, was alles schiefgehen kann. Angefangen bei der Premiere, mit der sich etwas verbindet, was als Nixon-Syndrom in die Annalen einging. 

Auf den Tag genau 56 Jahre vor dem Duell Clintons gegen Trump stellen sich Richard Nixon und John F. Kennedy in einem kargen Studio des Senders CBS in Chicago vor eine grau gestrichene Wand. Das Medium Fernsehen ist noch jung, die Bilder sind schwarzweiß und obendrein körnig. Und Nixon, der damalige Vizepräsident, unterschätzt sträflich, dass auf einer Fernsehbühne andere Gesetze gelten als bei einer Radioübertragung. Wegen eines infizierten Knies hatte er zwei Wochen in einem Krankenhaus gelegen, weshalb er nach der Entlassung von Termin zu Termin hetzt, um verlorene Zeit aufzuholen. Was dazu führt, dass er ziemlich erschöpft zur Debatte erscheint. Er trägt einen hellgrauen Anzug, der sich kaum abhebt vom Studiohintergrund. Um Bartstoppeln und Blässe zu überdecken, hat er sich ein Puder namens "Lazy Shave" ins Gesicht schmieren lassen. Als er in der Hitze der Scheinwerfer zu schwitzen beginnt, spotten Zeitzeugen, sieht es aus, als wäre er einbalsamiert.

Nixon, so spitzte es der legendäre Reporter David Halberstam zu, habe den Eindruck eines Mannes gemacht, der an einem Begräbnis teilnehmen müsse, "womöglich an seinem eigenen". Kennedy dagegen, ausgeruht und souverän lächelnd, ließ an einen Athleten denken, "der gekommen war, um sich einen Lorbeerkranz abzuholen". Obwohl er in Wahrheit an einem chronischen Rückenleiden litt und von beiden das größere gesundheitliche Handicap hatte. 

TV-Duelle gelten als unverzichtbare Härtetests

Jedenfalls begründete die Premiere des Jahres 1960 eine Tradition, die in den USA inzwischen als unverzichtbarer Härtetest gilt. Die Historikerin Doris Kearns Goodwin vergleicht es mit der Nervenprobe eines Meisterschaftsfinales: Auf beiden Bewerbern laste ein enormer Druck, "und worauf es ankommt, ist nicht so sehr, was sie sagen, sondern wie sie es sagen, wie sie mit dem Druck fertig werden". 

1980 war es der Präsident Jimmy Carter, der unverhofft den Kürzeren zog. Vom Faktenwissen her seinem Widerpart Ronald Reagan klar überlegen, ließ ihn der Vorteil eben auch oberlehrerhaft wirken. Reagan wiederum, im Spektrum der damals noch sehr gemäßigten Republikaner weit rechts angesiedelt, musste zeigen, dass er kein Hasardeur war und ihm die Wähler ruhigen Gewissens den Koffer mit dem Atombombencode anvertrauen konnten. Seine in langen Berufsjahren erworbene Bühnensicherheit eines Filmschauspielers half ihm dabei. "Er hat seine Sätze auswendig gelernt, er drückt auf einen Knopf, und dann kommen sie aus seinem Mund", vertraute ein frustrierter Jimmy Carter seinem Tagebuch an.

Reagan half die Bühnenerfahrung

Vier Jahre darauf wirkte Reagan bei der ersten Auseinandersetzung mit dem Demokraten Walter Mondale derart unkonzentriert, ja verwirrt, dass sich die Frage stellte, ob er mit seinen 73 Jahren nicht zu alt für das Amt sei. In der zweiten Runde aber musste selbst Mondale lachen, als der Senior hintersinnig anmerkte, er wolle aus der Sache mit dem Alter kein Wahlkampfthema machen. "Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Kontrahenten nicht für politische Zwecke ausschlachten", kalauerte der Republikaner – und gewann die Wiederwahl.  

George Bush der Ältere wurde 1992 von der Kamera dabei ertappt, wie er einen verstohlenen Blick auf seine Armbanduhr warf, das Ende herbeisehnend. Er verlor das Votum gegen Bill Clinton. Clintons Mitstreiter Al Gore verwies George W. Bush im Herbst 2000 zwar klar in die Schranken, inhaltlich beschlagener und zudem reaktionsschneller. Allerdings beging er den Fehler, genervt zu seufzen, wenn der burschikose Gouverneur aus Texas etwas sagte, was er, Gore, für unsinnig hielt.

Schließlich die Überraschung des Herbstes 2012, als sich der brillante Rhetoriker Barack Obama von seinen Debattentrainern einreden ließ, er müsse präsidial über den Dingen stehen, statt sich auf einen verbalen Clinch mit seinem Gegenspieler Mitt Romney einzulassen. Prompt gewann der Konservative die erste von drei Debatten. "Was hier präsentiert wurde", klagte Obama später im kleinen Kreis, "war nicht die Kunst des Regierens, sondern allein die Kunst des Verkaufens".

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