| 15.12 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat
Trump deutet Waffengewalt gegen Clinton an

USA: Die Aufreger-Sprüche des Donald Trump
USA: Die Aufreger-Sprüche des Donald Trump
Washington. Donald Trump hat es wieder getan: Mit einer zweideutigen Bemerkung hat der US-Präsidentschaftskandidat indirekt zu Gewalt gegen Hillary Clinton aufgerufen. Dafür gibt es jetzt auch Kritik aus Deutschland.

Verfechter des Zweiten Verfassungszusatzes, in dem das Recht auf Waffenbesitz in den USA verankert ist, könnten einen Weg finden, um Clinton im Falle einer Wahl zur US-Präsidentin beim Kippen der Waffengesetze zu stoppen, meinte Trump in einer Rede in North Carolina.  Auf der Wahlkampfveranstaltung sagte Trump, Clinton wolle "den Zweiten Verfassungszusatz im Grunde abschaffen".

In Bezug auf die Nominierung von Richtern am Obersten Gerichtshof der USA fügte er hinzu: "Falls sie (Clinton) es übrigens schafft, ihre Richter auszuwählen, kann man nichts dagegen machen, Leute. Obwohl, es gibt die Leute des Zweiten Verfassungszusatzes, vielleicht ist es das. Ich weiß nicht." Anschließend ergänzte er: "Aber ich sage euch etwas. Das wird ein furchtbarer Tag sein."

In diesem Video sagt Trump den betreffenden Satz:

Näher führte Trump diese Aussagen nicht aus. Im Zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung ist das Recht von US-Bürgern festgelegt, Schusswaffen besitzen zu dürfen. Clinton unterstützt einige neue Beschränkungen des Waffenbesitzes. Abschaffen will sie den Verfassungszusatz aber nicht.

Clintons Team reagiert umgehend

Innerhalb von Minuten verurteilten Clintons Wahlkampfteam und andere die Anmerkungen als einen Versuch, zu Gewalt anzustiften. "Es ist einfach: Was Trump sagt, ist gefährlich", sagte Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook. "Eine Person, die Präsident der Vereinigten Staaten werden will, sollte in keiner Weise zu Gewalt anregen." Die liberale Demokratin und vehemente Trump-Kritikerin Elizabeth Warren schrieb auf Twitter, Trump spreche "Todesdrohungen" aus, "weil er ein pathetischer Feigling ist, der es nicht ertragen kann, gegen ein Mädchen zu verlieren".

Steinmeier besorgt über Aussage Trumps

Auch aus Deutschland gab es Kritik an der Aussage Trumps. Laut "Bild"-Zeitung erklärte eine Sprecherin von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), dieser sei "in der Tat in der Frage nicht neutral". Steinmeier sei der Meinung, es müsse "einem echt bange werden, was aus dieser Welt wird", wenn man Trumps Aussagen folge und dieser tatsächliche Präsident werde, heißt es dort weiter. "Darauf macht der Außenminister aufmerksam. Und das ist sein gutes Recht." Bundeskanzlerin Merkel will sich dagegen laut "Bild" nicht zu der Sache äußern.

Trump-Lager wehrt sich gegen Interpretation

Das Trump-Lager war schnell darin, die Interpretation der Aussagen anzufechten. In einer Erklärung wurden die "unehrlichen Medien" für ihre Missinterpretationen kritisiert. Trump habe lediglich um den "fantastischen Geist" der Verfechter des Zusatzartikels geworben, sagte Trumps Kommunikationsberater Jason Miller. Auch der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence nahm Trump in Schutz. Die Unterstützer des Rechts auf den Besitz von Waffen hätten am 8. November eine klare Wahl. Trump habe "natürlich nicht" zu Waffengewalt gegen Clinton ermuntert, sagte er nach einer Ansprache in Pennsylvania einem Ableger von NBC Philadelphia.

Selbst der Secret Service äußerte sich zu der Kontroverse. "Wir sind uns seiner Kommentare bewusst", sagte Sprecherin Catherine Milhoan. Der oberste Sicherheitsdienst der USA ist sowohl für den Schutz von Trump als auch für den von Clinton zuständig.

Schon in der Vergangenheit hatte Trump mit zweideutigen Aussagen immer wieder für Aufsehen gesorgt. Das Vorgehen war dabei stets gleich. Nach der bewusst offen gehaltenen Bemerkung gab es heftige Kritik. Erst danach ruderte Trump zurück. Gegner werfen ihm vor, diese Taktik gezielt anzuwenden, um in die Schlagzeilen zu kommen. 

Ein Porträt über Donald Trump finden Sie hier.

Mehr über den rasanten Aufstieg Trumps zum Präsidentschaftskandidaten erfahren Sie hier.

(lai/crwo/ap/AFP)
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