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US-Wahlen 2016
Gary Johnson kämpft um Trumps und Clintons Wähler

Gary Johnson kämpft um Donald Trumps und Hillary Clintons Wähler
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Washington. Gary Johnson wirbt mit radikalen Plänen für sich. Der US-Präsidentschaftskandidat tritt für die Libertäre Partei an. Chancen auf das Amt hat er nicht. Gleichwohl könnte er den Ausgang der Wahl im November beeinflussen.

Gary Johnson kommt aus der Geschäftswelt und wirbt mit unkonventionellen und teils radikalen Plänen. Er will etwa die Einkommensteuer restlos beseitigen und die zentrale Steuerbehörde gleich mit. Abschaffen will er auch den Geheimdienst NSA. Aussichten auf die Präsidentschaft hat er aber nicht.

Die US-Präsidentschaftswahlen sind seit vielen Jahrzehnten faktisch Zweikämpfe, denn nur die Kandidaten der Demokraten und Republikaner haben eine Chance. Doch manchmal gelang es einem der übrigen Kandidaten, mehr als eine Rolle unter "Ferner liefen ..." zu spielen.

Der Milliardär Ross Perot holte 1992 mehr als 18 Prozent. Und der Grüne Ralph Nader landete im Jahr 2000 zwar nur bei 2,4 Prozent - doch die Demokraten beschuldigten ihn, Al Gore bei seiner hauchdünnen und strittigen Niederlage gegen George W. Bush entscheidende Stimmen weggenommen zu haben.

Umfragen sehen den Kandidaten zwischen sieben und zehn Prozent

In diesem Jahr könnte nun also Gary Johnson zu einem ernstzunehmenden dritten Kandidaten erwachsen. Die jüngsten Umfragen sahen den 63-Jährigen zwischen sieben und zehn Prozent. Was Johnson attraktiv macht: Er ist kein Exot, sondern ein Kandidat mit vorzeigbarer Vita als Unternehmer und Gouverneur - und sein Programm hat sowohl für Konservative wie Linke etwas zu bieten.

Johnson, der früher Republikaner war und acht Jahre lang den Südweststaat New Mexico regierte, könnte etwa mit seinen Steuerabschaffungsplänen für konservative Wähler zur Verlockung werden. Zugleich hat er mit seiner Ablehnung von US-Militärinterventionen, seinem Plädoyer für die Homo-Ehe und eine liberale Einwanderungspolitik auch Angebote für linksgerichtete Wähler im Sortiment. Bei ihm sei "das Beste aus beiden Welten" zu haben, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP.

1994 wurde Johnson zum Gouverneur gewählt

Auch seine Vita als Selfmademan ist ein Pluspunkt. Während des Studiums der Politologie in New Mexico gründete Johnson eine Firma für Handwerkerdienste. Später entwickelte er das Unternehmen zu einem der größten Bauunternehmen seines Heimatstaates fort. Als politischer Neuling wurde er dann 1994 zum Gouverneur gewählt.

Schon als Gouverneur verfolgte der damalige Republikaner einen "libertären" Kurs, indem er die Rolle des Staates deutlich beschnitt. Er setzte eine Serie von Steuersenkungen um und reduzierte das Personal im öffentlichen Dienst.

2012 wurde er dann erstmals von der Libertarian Party als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, die für einen Minimalstaat ficht. Zwar holte er damals nur ein Prozent - die 1,2 Millionen gewonnenen Stimmen waren dennoch das beste Ergebnis der Parteigeschichte.

Dieses Jahr könnte Johnson nun davon profitieren, dass sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton, die voraussichtlichen Kandidaten von Republikanern und Demokraten, unter außergewöhnlich schlechten Popularitätswerten leiden. Johnson attackiert bislang vor allem Trump, den er als "gruselig" bezeichnet. Ob er aber eher dem rechtspopulistischen Immobilienmilliardär oder der Ex-Außenministerin schaden könnte, ist eine offene Frage.

Für einen großen Wahlkampf fehlt der Partei das Geld

Wie weit Johnson kommt, wird auch davon abhängen, ob er seine Medienpräsenz noch deutlich steigern kann. Für eine massive Werbekampagne fehlt dem Libertären, der zuletzt zwischenzeitlich eine Startup-Firma für Cannabis-Produkte geleitet hatte, jedoch Geld. Und er ist auch nicht für die TV-Kandidatendebatten im Herbst vorgesehen, weshalb er die Organisatoren verklagt hat.

Zweifellos mangelt es Johnson für einen Wettbewerb unter extrem widrigen Umständen aber nicht an Ausdauer und Disziplin. Er ist ein gestählter Freizeitathlet, der an Ironman-Wettkämpfen teilgenommen und den Mount Everest bestiegen hat. Den höchsten Gipfel der US-Politik, soviel zumindest ist klar, wird er aber nicht erreichen.

(rent/AFP)
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