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Barack Obamas Außenministerin: Hillary Clinton setzt auf "sanfte Macht"

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2009 - 18:32

Washington (RP). Freude, Erleichterung, Stolz – all das stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie am Donnerstag ins State Department einzog, die neue Außenministerin der Vereinigten Staaten. Die Frau des früheren US-Präsidenten Bill Clinton plant im Auftrag Barack Obamas eine schnelle diplomatische Charme-Offensive.

Im Foyer des State Department, eines nüchternen Betonklotzes, wurde Hillary Clinton mit Beifall und Hochrufen begrüßt. Sie plauderte gleich so beschwingt über ihre Absichten, dass es aussah, als habe sie die Niederlage endgültig verwunden: die Schlappe, nach Obama nur als Zweite durchs Ziel des demokratischen Vorwahlmarathons gegangen zu sein.

Tags zuvor hatte der Senat die neue Ministerin mit glasklarer Mehrheit bestätigt, 94 gegen zwei Stimmen – ein Resultat, das Spötter von nordkoreanischen Verhältnissen kalauern ließ. Immerhin ließ die zähe Anhörung, die dem Votum vorausgegangen war, in ersten Umrissen erkennen, wo Clinton Akzente zu setzen gedenkt. Wandel durch Annäherung könnte das Motto der neuen Administration lauten. Testfeld: der Nahe Osten.

Geht es nach Clinton, dann werden bald in Städten wie Kairo, Amman und Ramallah, auf längere Sicht wohl auch in Damaskus und Teheran, Amerika-Häuser entstehen: Kulturzentren mit Bibliotheken, schnellem Internet-Zugang und Englischkursen. Amerikanische Muslime sollen vom Leben in Dearborn oder Dallas erzählen, einem Leben, das selten den gängigen Stereotypen entspricht: Statistisch gesehen gehören arabischstämmige Moslems zu den ökonomisch Erfolgreicheren unter den US-Bürgern. Die Idee mit den Amerika-Häusern, sie ist ein Mosaiksteinchen in Obamas Strategie, auf die islamische Welt zuzugehen.

Gemessen aber wird die neue Riege daran, ob es ihr gelingt, im Nahostkonflikt die unter George W. Bush praktizierte Zuschauerrolle aufzugeben und sich aktiver, als ehrlicher Makler, in die Problemlösung einzuschalten. Obama und Clinton haben den erfahrenen Ex-Senator George Mitchell gebeten, Nahost-Gesandter zu werden. Der alte Hase hat bereits erfolgreich in Nordirland vermittelt und 1998 einen 30-jährigen Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten beendet.

Mäßigen sich auch islamische Fundamentalisten, wenn sie erkennen, dass es zur Koexistenz mit Israel keine Alternative gibt, und sie zugleich spüren, dass der Westen unter bestimmten Vorzeichen bereit ist, mit ihnen zu reden? In diese Richtung gehen offenbar Obamas Gedanken. Clinton, die anfangs eine härtere Linie fuhr, soll das Tauwetter organisieren, erste Fühler ausstrecken – auch nach Teheran.

Dorthin will die neue Administration einen Sonderbeauftragten entsenden. Im Gespräch ist Dennis Ross, ein Veteran aus dem Stall Bill Clintons. Er soll ausloten, wie Teheran auf Obamas ausgestreckte Hand reagiert. Im Juni wählen die Iraner einen neuen Präsidenten. Die Hoffnungen der USA ruhen auf Mohammed Chatami, einem vergleichsweise moderaten Mann.

Es ist dieser Hintergrund, der die vorsichtig optimistischen Töne in Washington erklärt. Die Iran-Kontroverse, die das Primary-Duell zwischen Obama und Clinton prägte, ist passé: Sie nannte Obama naiv, weil der sich mit Hardlinern wie Ahmadinedschad treffen wollte, ohne Vorbedingungen zu stellen. Die Außenministerin Clinton beschwört jetzt den Charme von "soft power", sanfter Macht, auch im Umgang mit schwierigen Staaten. "Leicht wird es nicht", dämpfte sie gestern die Euphorie ihres applaudierenden Personals: "Aber wenn es nicht schwer wäre, könnte es auch ein anderer machen."

Quelle: RP

 
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