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US-Vorwahlen: Jetzt braucht Hillary ein Wunder

VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008 - 08:20

Raleigh/Indianapolis (RPO). "Presidential hopeful" werden die Präsidentschaftsanwärter in den USA genannt. Offiziell ist Hillary Clinton noch als solcher im Rennen. Doch mit der Hoffnung ist es seit den Vorwahlen in North Carolina und Indiana im Grunde vorbei. Die New Yorker Senatorin hat kaum noch eine realistische Chance, gegen ihren Konkurrenten Barack Obama zu gewinnen. Da bräuchte sie schon ein Wunder.

Hillary Clinton hatte wieder Hoffnung geschöpft: Barack Obama war in den vergangenen Tagen immer wieder ins Straucheln geraten, die Affäre um die rassistischen Äußerungen seines ehemaligen Pastors Jeremiah Wright hatte ihm zu schaffen gemacht. Clinton holte in Umfragen auf, schien wieder im Rennen.

Doch die Vorwahlergebnisse aus North Carolina und Indiana zeigen: Um das Ruder herumzureißen, reicht es nicht. Eine klare Niederlage in North Carolina (Barack Obama gewinnt dort mit 59 Prozent), ein hauchdünner Sieg in Indiana (Clinton holt 51 Prozent) - Clinton muss erkennen: Es ist nicht Obama, der in der Krise steckt, sondern weiterhin sie selbst.

Indiana und North Carolina waren die letzten großen Vorwahlen mit 187 zu verteilenden Wahlmännern. Egal, wer bei den noch ausstehenden Abstimmungen in sechs kleineren Bundesstaaten die Mehrzahl der Wahlmänner holt, weder Obama noch Clinton wird es dort aller Voraussicht nach gelingen, eine eindeutige Delegierten-Mehrheit zu gewinnen. Das Rennen entscheiden jetzt die Superdelegierten, die ihre Stimmen unabhängig von den Vorwahl-Ergebnissen abgeben können. Obama fehlen nur noch rund 200 Stimmen.

Hillary Clinton gibt sich angriffslustig. Sie werde ihren Kampf um die Präsidentschaftskandidatur fortsetzen, betont die New Yorker Senatorin. Ihr Triumph sei ein weiterer Schritt in Richtung Weißes Haus.

Clinton bewegt sich inzwischen auf dünnem Eis. Das Problem: Wenn sie bis zum bitteren Ende weiterkämpft, spielt sie damit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain in die Hand. Der ist bereits gesetzt und derzeit klar im Vorteil: Er muss sich nicht mit einem parteiinternen Konkurrenten herumschlagen, der ihn zu beschädigen versucht, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Dass sich die konkurrierenden Präsidentschaftsanwärter einer Partei gegenseitig öffentlich demontieren, ist eine Besonderheit des amerikanischen Wahlsystems. Dass Clinton Obama als elitär und wenig volksnah hinstellt, ihm mangelnde Erfahrung in der Außenpolitik attestiert - das alles liegt im System.

Doch das Verständnis für solche Aktionen dürfte enden, wenn einer der Kandidaten keine realistische Chance mehr auf einen Sieg hat.


 
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