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Waffen-Tweet sorgt für Wirbel
Jeb Bush - vom Langeweiler zur Lachnummer

Fotos: Jeb Bush – US-Präsidentschafts-Kandidat
Fotos: Jeb Bush – US-Präsidentschafts-Kandidat FOTO: dpa, pm ks htf
Washington. Jeb Bush galt einmal als großer Favorit im Präsidentschaftswahlkampf. Die Ergebnisse bei den Primaries gerieten für den Konservativen mit dem großen Namen zur Demütigung. Bei Twitter stilisiert er sich jetzt mit einem Waffenfoto als Hardliner. Und wird nun mit Hohn überschüttet.  Von Philipp Stempel

Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaats Florida postete nach dem Besuch eines Waffenherstellers in South Carolina in dem Kurzbotschaftendienst ein Bild einer Pistole mit der Gravur "Gov. Jeb Bush" - unter der Überschrift "America". Was er damit beabsichtigte, erklärte der 63-Jährige nicht.

Die Resonanz ist vergleichsweise gewaltig. Mehr als 18.000 mal wurde die Mitteilung retweetet. Üblicherweise beschränkt sich die Resonanz bei einer Mitteilung von Jeb Bush auf vielleicht 100. In diesem Fall aber bläst ihm der Wind gleich aus mehreren Richtungen ins Gesicht.  

Anfangs erhielt Jeb Bush viel Zustimmung. Schließlich spricht er mit seinem Tweet die Reflexe an, die bei konservativen Amerikanern ziehen. Das Recht auf Waffenbesitz ist ihnen heilig, dazu das simple Schlagwort "America".  

Doch mittlerweile überwiegt ätzende Kritik. An die Spitze setzte sich ein alter Bekannter. Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden forderte Bush auf, seinen Account zu löschen.

Andere Nutzer verwiesen auf die Folgen von Waffengewalt und reagierten mit bitter-zynischen Tweets. "Wir wissen, dass du verlierst, aber Selbstmord ist nicht die Lösung", heißt es in einem Tweet. Andere verwiesen mit Fotos auf das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule von 2012 mit 26 Toten.

Zudem wurde Bushs Account mit absurden Bildern von anderen Waffen geflutet, etwa Jedi-Schwertern, Ninja-Wurfsternen oder gar Schwertern aus der blutigen Fantasy-Serie "Game of Thrones". Augenscheinlich alles ironische Kommentare zur Glaubwürdigkeit Bushs, der bisher nicht mit Bekenntnissen zum freiheitlich-amerikanischen Waffenrecht aufgefallen war, im Wahlkampf aber angesichts von radikalen Herausforderern wie Donald Trump oder Ted Cruz zunehmend auf die aggressive Karte setzte.

Viel Aufmerksamkeit erzielte auch ein Tweet, der das Foto mit veränderter Gravur zeigt. Statt seines Namens steht nun auf dem Lauf "Please clap" geschrieben. Eine Anspielung auf eine eher kläglich verlaufene Rede Bushs vor wenigen Tagen. Nach einigen sperrigen Worten zur Verantwortung der künftigen US-Regierung für den Weltfrieden blieb es im Auditorium beklemmend still. Bush forderte seine Zuhörer daraufhin ausdrücklich zum Klatschen auf - und wurde danach in den US-Medien mit Häme überschüttet. 

Das Thema Waffengewalt ist in den USA heftig umstritten. Anfang Januar noch kündigte Präsident Barack Obama eine schärfere Gangart gegenüber der Waffenlobby an. Er will die Schusswaffengesetze im Alleingang verschärfen. Auch die bedrückenden Fakten zu dieser Diskussion finden sich in den Kommentaren auf Bushs Waffen-Tweet wieder. Etwa in Form von Statistiken über Tote.  

Eine Zeitung erklärte ihn schon indirekt für tot

Jeb Bush dürfte der Wirbel um seinen Tweet vermutlich nicht ungelegen kommen. Derzeit ringt er mehr oder minder verzweifelt um Aufmerksamkeit im Wahlkampf der Republikaner, der von den radikal-populistischen Sprüchen von Donald Trump oder Ted Cruz dominiert wird.

Am Montag hatte sich sein älterer Bruder, Ex-Präsident George W. Bush, erstmals in den Wahlkampf eingeschaltet. Dessen Nähe hatte Jeb noch im vergangenen Jahr gemieden wie der Teufel das Weihwasser. In der Kampagne hatte er sogar auf den Nachnamen "Bush" verzichtet, um sich nicht mit dem schlechten Ruf seines große Bruders zu belasten. Dessen Sympathiewerte waren bei seinem Abschied angesichts des Irak-Debakels der Amerikaner ins Bodenlose gefallen.

Etliche Medien und Analysten hatten den 63-Jährigen Jeb nach dessen miserablen Ergebnissen bei den Vorwahlen in Iowa schon abgeschrieben. Der "Boston Globe" erklärte, Bushs Wahlkampf sei dem Tod so nahe, "dass man ihm genauso gut ein Schild an den Zeh hängen kann". Am Samstag steht die dritte Vorwahl im US-Bundesstaat South Carolina an. Bush liegt dort in Umfragen mit etwa zehn Prozent auf Platz vier. 

Mit Material von AFP

(pst/AFP)
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