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Republikaner erfindet Grenzen und Länder: John McCain - König der peinlichen Pannen

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 28.07.2008 - 11:52

Washington (RPO). John McCain eilt von einem Eklat zum nächsten. Nun sorgte sein Sprecher Tucker Bounds für Empörung, weil er die Deutschen als "kriecherisch und unterwürfig" beleidigte. "König der Aussetzer" bleibt aber McCain selbst. So sprach der republikanische Kandidat zuletzt von der Tschechoslowakei und referierte über Iraks Grenze zu Pakistan. Das Problem: Letztere gibt es nicht.

Was die Nachrichtenlage anging, so gehörte die vergangene Woche des US-Präsidentschaftswahlkampfs eindeutig Barack Obama. Die großen Nachrichtenagenturen, die "networks", berichteten ausführlich von der Auslandsreise des 46 Jahre alten Senators aus Illinois. 

Auftritte im Nahen Osten, Lob aus Afghanistan und dem Irak, große Rede in Berlin, Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und dem englischen Premierminister Gordon Brown - jeder Tag war ein Obama-Tag.

John McCain war über das mangelnde Interesse an seiner Person verärgert. Und er agierte als schlechter und missmutiger "Verlierer". Zähneknirschend gab er zu Protokoll, er werde "erst dann große Reden im Ausland halten", wenn er "auch tatsächlich Präsident" sei.

Nun endlich, nach Tagen der Obamania, sah McCain seine große Chance gekommen. Sein Kontrahent im Rennen ums Weiße Haus hatte im Rahmen seines Berlin-Besuchs zwar ein Fitness-Studio besucht, nicht aber wie zunächst geplant das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl. Offiziell, weil das Obama-Team die Klinik nicht zum Wahlkampf-Schauplatz machen wollte.

Für Militärheld und Vietnamveteran McCain ein Affront - und die Möglichkeit, dem Shooting-Star der Demokraten eins auszuwischen. Sein Wahlkampfteam schlachtete Obamas angebliches Versäumnis aus. In einem Wahlkampfspot hieß es zynisch: "Sieht so aus, als ob das Pentagon keine Kameras erlaubt hat".

Pech nur, dass McCains Sprecher Tucker Bounds wenig später weit über das Ziel hinausschoss. Er wetterte in Anspielung auf Obamas Berlin-Rede, der Senator ziehe "eben einen Haufen kriecherischer Deutscher" einem Besuch der eigenen Truppen vor. In einer Zeitschrift bezichtigte er die Deutschen zudem, "fawning" zu sein. Der Begriff wird abgeleitet von "fawn" (Rehkitz) und mit "schmeichlerisch", "anbiedernd" oder gar "unterwürfig" übersetzt.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber stolpert gerade im außenpolitischen Terrain, das er stets als seine große Stärke darstellt, von Panne zu Panne. Der 71 Jahre alte Senator aus Arizona sprach kürzlich von der "Tschechoslowakei", die längst nicht mehr existiert. Auch seine erfundene Grenze zwischen dem Irak und Pakistan, der man dringend Aufmerksamkeit schenken müsse, sorgte nur für Kopfschütteln.

Nun ist es bei weitem nicht so, dass es McCains erste Fehltritte waren. Unvergessen, wie er einst auf einer Wahlkampfrede "bomb, bomb, bomb Iran" trällerte. "BigMac" veränderte während seiner Wahl-Kampagne zudem reihenweise Standpunkte.

Erst votierte der Polit-Routinier mehrfach gegen die von der Bush-Administration geplanten Steuersenkungen für Superreiche – mit der Begründung, diese würden die Mittelklasse zu sehr benachteiligen. Kurz darauf vollzog der Republikaner die Kehrtwende und kündigte gar an, derartige Steuersenkungen dauerhaft beibehalten zu wollen.

Einen ausgeglichenen Haushalt versprach er den Wählern bereits im Zuge seiner ersten Amtszeit im Oval Office. Dann rechnete sein Wahlkampfteam mal nach - und prompt musste der Kandidat einräumen, es könnten wohl auch acht Jahre werden.

Das Seltsame ist nur, dass sich die US-Amerikaner kaum an McCains Aussetzern zu stören scheinen. In den Umfragen liegt er zwar knapp hinter seinem demokratischen Widersacher, aber der Republikaner verliert auch nicht groß auf den 46-Jährigen.

Zum einen mag dies daran liegen, dass sich der durchschnittliche US-Bürger kaum für Außenpolitik interessiert. Letztendlich will der Amerikaner vorrangig wissen, wie die Bewerber die Probleme bei den "bread and butter"-Themen lösen wollen. Denn dieser Komplex - Energiepreise, Hypothekenkrise, Immobilien-Crash - bedrückt die Menschen im Land.

Auch kommt McCain zugute, dass er als Vietnam-Kriegsheld bei der Bevölkerung als deutlich besserer Oberbefehlshaber - gegenüber dem unerfahrenen Obama - gilt. Da verzeiht man dem Veteranen offensichtlich Fehler auf anderen Gebieten - und die gibt es reichlich.


 
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