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Was Obama II für Europa bedeutet
Merkels Euphorie hält sich in Grenzen
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern FOTO: afp, JEWEL SAMAD
Die große Mehrheit der Deutschen hat sich die Wiederwahl Barack Obamas gewünscht.  Angela Merkel sieht das anders. Ihr Verhältnis zum einstigen Hoffnungsträger der Demokraten ist nüchtern. Mitt Romney hätte wohl besser zu ihr gepasst.

Am Mittwoch gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel Obama als eine der ersten. Sie  lud ihn zu einem Besuch nach Berlin ein und freue sich auf die Fortsetzung der engen und freundschaftlichen Zusammenarbeit, schrieb die Kanzlerin am Mittwoch.

Der Termin für einen Besuch des US-Präsidenten steht bereits. Spätestens im Januar soll US-Wahlsieger Barack Obama Berlin besuchen. Das haben seine Berater im Kanzleramt hinterlegt. Schlechtes Gewissen? Als erster US-Präsident der Nachkriegsgeschichte mied Obama in seiner Amtszeit die deutsche Hauptstadt.

Der pazifische Präsident

Ein Affront, wie die Transatlantiker im Merkel-Lager bemerkten. Obama geriere sich als pazifischer Präsident, der Europa "nebenbei mitmacht". Die Zweier-Telefonkonferenzen mit Merkel erweiterte Obama zu einem Vierer-Gespräch mit den britischen und französischen Regierungschefs.

Nicht nur deshalb wäre im Kanzleramt niemand in Tränen ausgebrochen, hätte Obama verloren. Mögen 95 Prozent der Deutschen glühende Obama-Fans sein, Angela Merkel ist es nicht. Dessen Pathos, dessen Supermachts-Habitus auf Gipfeltreffen liegen der nüchternen Macht-Handwerkerin aus Mecklenburg nicht. Bei ihrem ersten Treffen in Dresden 2009 belehrte Obama, Präsident der zweitgrößten Umweltverschmutzer-Nation, die Kanzlerin über den Klimawandel. Merkel war reichlich verdutzt.

Die Distanz hat Tradition

Mit ihrem distanzierten Verhältnis zu dem Demokraten im Weißen Haus steht die CDU-Chefin in guter Tradition. Im Gegensatz zur deutsch-französischen Achse, die stets von Freundschaften parteifremder Regierungschefs geprägt war (Kohl – Mitterrand, Schröder – Chirac), blieb man sich in den transatlantischen Beziehungen farblich meist treu. Konservative konnten gut mit Republikanern, Sozialdemokraten mit Demokraten.

Konrad Adenauer paktierte mit Dwight D. Eisenhower beim Wiederaufbau Deutschlands. Helmut Kohls Freundschaft zu Ronald Reagan begann, als der damalige CDU-Oppositionschef 1981 den US-Präsidentschaftsbewerber in Bonn traf, während die SPD dem Republikaner ein Treffen verweigerte. SPD-Kanzler Gerhard Schröder harmonierte mit dem Demokraten Bill Clinton und zerstritt sich mit George W. Bush.

Nun aber muss Merkel sich aufs Neue mit Obama arrangieren. Immerhin - ein pragmatisches Arbeitsverhältnis haben die beiden für sich gefunden. Was aber auch bedeutet, dass Europa in Washington mehr denn je die zweite Geige spielen wird. "Dorthin wird er sich nur wenden, wenn er Partner sucht, die den USA helfen, Kosten und Risiken zu teilen", glaubt Eberhard Sandschneider, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Quelle: RP/pst/sap
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