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Stimmen zum Wahlausgang vom RP-Forum: Neues Vertrauen in die Politik

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 18:06

Düsseldorf (RPO). Die Entscheidung ist gefallen. Barack Obama wird Präsident der Vereinigten Staaten. Was bedeutet der Wahlausgang für Deutschland, Europa und die Welt? Die Rheinische Post hatte für den Wahlmorgen Experten zum Election Breakfast eingeladen. Vor allem Erleichterung und Hoffnung prägten die Stimmung.

Zu ungewohnt früher Stunde haben sich bereits die meisten der 250 geladenen Gäste im Foyer der Landesmedienanstalt im Düsseldorfer Medienhafen eingefunden. Türen und Wände sind in blau-weiß und rot geschmückt, den amerikanischen Landesfarben. Viele Gäste haben Wahl-Plaketten ans Revers gesteckt. Obama/Biden, ist darauf zu lesen. Hostessen reichen Kaffee, Muffins und Bagels zum Frühstück.

Das Stimmengewirr, das durch den hohen Raum schwebt, ist stark vom Englischen eingefärbt. Die Rheinische Post ist an diesem Tag international. Mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüßte Chefredakteur Sven Gösmann die Anwesenden. Er steht auf einem Absatz im ersten Stock des mehrgeschossigen Gebäudes, seine Begrüßung wird von Kameras aufgezeichnet, überall ist er auf Monitoren im Forum zu sehen.

Viel ist in diesen Stunden von dem gespaltenen Amerika die Rede. Aber auch von Versöhnung und einer neuen Gemeinsamkeit. RP-Chefredakteur Sven Gösmann und Außenpolitik-Chef Godehard Uhlemann sprachen mit Experten aus Politik, Wirtschaft und Kultur über die Ereignisse der vergangenen Nacht.

"Ein neues Fundament" Der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann sieht in der Entscheidung für Barack Obama die Basis für ein neues Vertrauen in die Politik gelegt. Motiv der Amerikaner zur Wahl zu gehen, sei zunächst die Enttäuschung über die vier vergangenen Bush-Jahre gewesen. Die aber werde nun von Hoffnung verdrängt. Hier geht es zum gesamten Beitrag.

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Hulsmann glaubt, dass Barack Obama für das Land ein Brückenbauer sein kann. Er habe das schon unter Beweis gestellt, indem er Virginia und andere traditionell republikanische Staaten eroberte. Hulsmann hält dies für den wichtigsten Aspekt der gesamten US-Wahl. Der Schlüssel für ein erfolgreiches Regieren sei es nun, aus der Mitte heraus zu gestalten.

Die Rolle der Medien steht ebenso im Fokus der Gespräche. Obama habe vor allem durch seine direkte Ansprache über das Internet Wähler gewinnen könne, erklärt Dr. Jürgen Brautmeier von der Landesanstalt für Medien. Mit diesem Medium habe Obama reaktionsschnell auf Kampagnen des Gegners reagieren können, Spenden eingeworben und den direkten Austausch gesucht. Für die kritisch-einordnende Analyse sind die klassischen Medien seiner Aufassung nach jedoch unverzichtbar. Das könne ein Blogger nicht leisten.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) reihte sich am Mittwoch Morgen ebenfalls in den Chor der Gratulanten ein. Im Rahmen des Election Breakfasts zur Aufarbeitung der US-Wahl sprach er dem Demokraten seine Glückwünsche aus. „Eine Wahl, die hoffen lässt“, sagt der CDU-Politiker, der die Wahl "persönlich" als historisch empfindet. Skeptisch zeigt Elbers sich jedoch, als ihn Chefredakteur Sven Gösmann auf die Vorbildrolle Amerikas für den deutschen Wahlkampf anspricht. Elbers geht davon aus, dass der Trend zur Inszenierung von Politik auch in Deutschland unabwendbar ist. Er selber bevorzuge Inhalte.

Was Amerikaner zur Wahl sagen

Der US-Konsul „Ich bin sehr, sehr erleichtert!“ „Was für eine Nacht!“ Mit diesen Worten kommentieren Redner aus den USA den Wahlausgang in den USA. Für US-Generalkonsul Matt Boyse hat das Ergebnis sogar eine unmittelbare Bedeutung: „Ich habe einen neuen Chef“, sagte Boysen augenzwinkernd zur Begrüßung der Gäste beim Election Breakfast der Rheinischen Post. Mit politischen Wertungen hält er sich aus Loyalität zurück.

Jeane Freifrau von Oppenheim, Vorsitzende vom Amerika Haus e.V. NRW wird deutlicher als ihre Vorredner. „Ich bin sehr, sehr erleichtert“, kommentiert sie den Wahlausgang. Es war für sie nicht immer ganz einfach, mit einem Präsident Bush im Weißen Haus Werbung für ihr Land zu machen. Mit ihren Worten trifft sie die Stimmung vieler.

Dr. Cathleen Fischer, Expertin für transatlantische Beziehungen aus Washington, hebt Obamas Bemühen um Versöhnung hervor: Der Vergleich mit Johannes Rau steht im Raum. Obama hebe nun vor allem den Konsens hervor, ebenso wie dies McCain beim Eingeständnis seiner Niederlage getan habe. Sie selber begrüßt den Wahlausgang, weil sie Obama für den besseren Mann hält.

Das junge Amerika kommt ebenfalls zu Wort. Sven Gösmann spricht mit Amanda Todd und Nick Costantino, zwei jungen Erwachsenen aus Amerika, die derzeit in Deutschland arbeiten und studieren. was sie erzählen, ist symptomatisch für den Wahlausgang. Beide hielten zu Obama. Die Frage, ob sie in ihrem Freundeskreis Menschen kennen, die McCain gewählt haben, verneinen sie.


 
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