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Zwei Dörfer in New Hampshire: Obama feiert erste Siege

zuletzt aktualisiert: 04.11.2008 - 10:21

Hart's Location (RPO). Der demokratische Kandidat Barack Obama hat erste Siege bei der US-Präsidentschaftswahl geholt.

Guter Start für Barack Obama.  Foto: AP, AP
Guter Start für Barack Obama. Foto: AP, AP

Im Dorf Hart's Location im nordöstlichen US-Bundesstaat New Hampshire, das bei den vergangenen Wahlen republikanisch wählte, stimmten am Dienstag kurz nach Mitternacht Ortszeit (6 Uhr MEZ) 17 Wähler für Obama und zehn für seinen Konkurrenten John McCain von der Republikanischen Partei, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Im Dorf Dixville Notch in New Hampshires White Mountains an der Grenze zu Kanada entfielen nach Angaben des Nachrichtensenders CNN auf Obama 15, auf McCain sechs Stimmen. Der Skiort stimmte demnach erstmals seit 1968 mehrheitlich für einen Kandidaten der Demokraten.

Die beiden Dörfer mit zusammen weniger als 120 Einwohnern eröffnen traditionell kurz nach Mitternacht den Reigen der US-Präsidentschaftswahl. In vielen Ostküsten-Bundesstaaten war die Öffnung der Wahllokale für Dienstag zwischen 5 Uhr und 7 Uhr Ortszeit (11 Uhr bis 13 Uhr MEZ) vorgesehen.

Erster Wähler in Dixville Notch war Tanner Nelson Tillotson. Das Privileg wurde ihm per Los zugeteilt. Länger Anstehen mussten die übrigen Wähler aber auch nicht: Für jeden gab es eine Kabine im eigens dafür hergerichteten Hotelsaal.

Zusammen haben Dixville Notch und Hart's Location 115 Einwohner. 1948 begann Hart's Location, die Wahl schon in der Nacht abzuhalten, um Eisenbahnarbeitern die Abstimmung zu ermöglichen. Nach einer Pause hält die Gemeinde seit mehr als zehn Jahren wieder an der Tradition fest.

Dixville Notch schloss sich der frühen Wahl 1960 an, als John F. Kennedy gegen Richard Nixon antrat. In der Ortschaft verbuchte der Republikaner Nixon damals alle neun Stimmen, den landesweiten Sieg fuhr aber Kennedy ein.

1968 hatte sich die Stimmung gewendet: Nixon bekam noch vier Stimmen in der Gemeinde, acht sein demokratischer Gegner Hubert Humphrey - und das war bis Dienstag auch das einzige Mal, dass Dixville Notch demokratisch stimmte.

Nach einer letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup für die Zeitung "USA Today" wollen landesweit 53 Prozent der Befragten den demokratischen Kandidaten Barack Obama als neuen Präsidenten, 42 Prozent sind für den Republikaner John McCain. In anderen Umfragen betrug der Vorsprung für Obama aber lediglich sieben bis acht Prozentpunkte. Nach jüngsten Umfragen der Universität Quinnipiac führt Obama in den beiden als möglicherweise entscheiden betrachteten Staaten Ohio und Pennsylvania, während sich in Florida ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnet.

Gewählt werden am Dienstag 538 Wahlmänner in den 50 einzelnen Staaten sowie im Hauptstadtbezirk Washington D.C. Derjenige Kandidat, der in einem Staat die meisten Stimmen bekommt, erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates. Sobald ein Kandidat mindestens 270 Wahlmännerstimmen gesammelt hat, ist die Wahl entschieden.

Wahlkampfmarathon bis zur letzten Minute

Wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale in den USA kämpften Obama und McCain noch um jede Stimme. Dabei beschränkte sich Obama auf Kundgebungen in drei US-Staaten, in denen vor vier Jahren die Republikaner von Präsident George W. Bush gewannen. Deren Kandidat McCain eilte am letzten Tag des Wahlkampfs durch sieben bis zuletzt besonders umkämpfte Staaten.

"Ich bin ein Amerikaner, und ich habe mich entschieden zu kämpfen", rief McCain am Montag auf Kundgebungen in Florida, Pennsylvania, Indiana und Virginia aus. Der 72-Jährige wurde anschließend auch noch in New Mexico, Nevada und Arizona erwartet. Am Montag war McCain damit insgesamt 18 Stunden unterwegs. Sein Wahlkampfmanager Rick Davis sagte, in den Staaten im Westen der USA gebe es hoffnungsvolle Trends auf einen Umschwung in den Umfragen. Deswegen setzte McCain sogar am Wahltag noch Auftritte in New Mexico und Colorado an.

Obama war am Montag in Florida, North Carolina und Virginia unterwegs - lauter Staaten, die auf der politischen Landkarte der USA bisher in der roten Farbe der Republikaner markiert sind, in denen am Dienstag aber eine Mehrheit für den demokratischen Kandidaten möglich ist.

Obama dankt McCain für Kondolenz

Vor mehreren zehntausend Menschen in Charlotte, North Carolina, gedachte Obama am Montag seiner tags zuvor verstorbenen Großmutter. "Sie ist heimgegangen", sagte er und versetzte die Menge mit einer emotionalen Ansprache in eine ungewohnte Stille. Seine Großmutter habe zu den zahllosen stillen Helden Amerikas gehört, die sich aufopferungsvoll für ihre Kinder und Enkel einsetzten, sagte Obama und fügte hinzu: "In nur einem Tag haben wir die Gelegenheit, all diese stillen Helden zu ehren. Wir können den Wechsel für Amerika bringen um sicherzustellen, dass ihre Arbeit und ihr Opfer Anerkennung finden."

Obamas Großmutter Madelyn Payne Dunham starb im Alter von 86 Jahren auf Hawaii. Der Senator hatte im Oktober seinen Wahlkampf unterbrochen, um an das Krankenbett seiner an Krebs leidenden Großmutter zu eilen. Jetzt teilte die Familie mit, dass nach Abschluss des Wahlkampfs eine private Trauerfeier geplant sei.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain kondolierte dem politischen Gegner. Zusammen mit seiner Frau Cindy veröffentlichte er eine Erklärung mit den Worten: "Unsere Gedanken und Gebete gehen hinaus zu ihnen." Obama dankte McCain für sein Mitgefühl.

Auch Neuwahl des Parlaments

Bewusst im Hintergrund hielt sich zuletzt Amtsinhaber George W. Bush, dessen Popularität in zwei Amtszeiten drastisch gesunken ist. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sagte, Bush halte sich aus der Öffentlichkeit heraus, "weil die Republikanische Partei wollte, dass es bei dieser Wahl um John McCain geht".

Neben der Präsidentschaftswahl standen am Dienstag auch Kongress- und Gouverneurswahlen sowie mehrere Volksabstimmen an. Neu zu wählen waren alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Dort hofften die Demokraten auf eine Ausweitung ihrer Mehrheit von bislang 235 zu 199 Mandaten bei einem vakanten Sitz. Außerdem war der Senat zu einem Drittel neu zu wählen. Von den 35 zur Wahl stehenden Senatssitzen wurden bislang 23 von den Republikanern und 12 von den Demokraten gehalten. Insgesamt gibt es im Senat bisher 49 Republikaner, 49 Demokraten und zwei Unabhängige. Von den 50 Gouverneuren der Einzelstaaten waren elf neu zu wählen. Das Augenmerk richtete sich dabei besonders auf drei Staaten mit knappen Mehrheitsverhältnissen: Indiana, North Carolina und Washington.

Alles zum US-Wahlkampf erfahren Sie in unserem Special.

Quelle: afp

 
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