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Eine Analyse zur US-Wahl
Obama verdankt den Frauen den Sieg
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern
Wahlsieg: Obama lässt sich feiern FOTO: afp, JEWEL SAMAD
Düsseldorf/Washington. Die detaillierten Wahlergebnisse zeigen, dass Barack Obama vor allem auf weibliche, schwarze und junge Wähler zählen konnte. Wäre es allein nach den Männern gegangen, hätte Konkurrent Mitt Romney gewonnen. Von Matthias Beermann

Gut möglich, dass amerikanische Historiker die Präsidentenwahl 2012 einmal als den Wendepunkt definieren, an dem die politischen Gewichte in den USA sich endgültig verschoben haben – weg von der seit Gründung der Nation tonangebenden Schicht der weißen Protestanten und hin zu den farbigen Minderheiten. Diesen Schluss legt jedenfalls die detaillierte Auswertung des Wählerverhaltens nahe.

Demnach sind die Republikaner und ihr Kandidat Mitt Romney vor allem deswegen gescheitert, weil sie sich nicht entschlossen genug um die Stimmen der Schwarzen und der Latinos bemüht haben – und weil sie obendrein auch noch viele weibliche Wähler verschreckt haben.

Allein mit den Stimmen weißer Männer lässt sich in den USA jedoch keine Wahl mehr gewinnen. Weiße Wähler, die auch diesmal wieder mehrheitlich den Kandidaten der Republikaner unterstützten (59 Prozent), machen in den USA nur noch gut 70 Prozent aller Stimmberechtigten aus. Vor 20 Jahren stellten sie noch fast 90 Prozent.

Von Latinos 71 Prozent der Stimmen

Bei dieser Wahl hat Barack Obama mehr noch als vor vier Jahren von dieser demografischen Verschiebung profitiert. Während Obama nur von 39 Prozent der weißen Wählerschaft unterstützt wurde, erhielt er von den Wählern lateinamerikanischer Herkunft 71 Prozent der Stimmen und von den Afroamerikanern gar 93 Prozent.

Ein nennenswerter Einbruch ins Reservoir der schwarzen Wähler schien für die Republikaner zwar unmöglich, aber in der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe der Latinos wären sicherlich etliche Wähler empfänglich gewesen für konservatives Gedankengut.

Doch die Chance wurde vertan durch plumpe Parolen gegen illegale Einwanderer, die im republikanischen Vorwahlkampf zu hören waren. Romney hatte die Illegalen damals gar zur "Selbstabschiebung" aufgefordert. Das rächte sich: So viele potenzielle Stimmen, wie er bei den Latinos liegenließ, konnte er bei den weißen Stammwählern gar nicht mehr einsammeln.

Noch schwerer wog möglicherweise, dass der Republikaner auch bei vielen Frauen abblitzte, die insgesamt 53 Prozent der Wahlberechtigten stellen. Umfragen zufolge mochten gerade jüngere Amerikanerinnen nicht für den Republikaner stimmen, dessen Parteifreund Todd Akin aus Missouri während des Wahlkampfes über angebliche "legitime" Vergewaltigungen schwadroniert hatte.

So machten 55 Prozent der Frauen ihr Kreuz beim Präsidenten, nur 44 bei Herausforderer Romney, der lediglich bei den weißen Wählerinnen vor Obama lag. Wäre es allein nach den Männern gegangen, hätte dagegen Romney das Rennen gemacht. Für ihn stimmten 52 Prozent der männlichen Wähler, nur 45 Prozent konnten sich für Obama begeistern.

Obama verliert bei jungen Wählern

Wie schon 2008 konnte Obama auch diesmal bei jungen Wählern zwischen 18 und 29 Jahren punkten. Von ihnen stimmten 60 Prozent für Obama und etwa 37 Prozent für Romney – allerdings verlor Obama bei dieser Wählergruppe gegenüber 2008 sechs Prozentpunkte. Wähler ab 65 Jahren entschieden sich dagegen mehrheitlich für Romney: 56 Prozent von ihnen gaben dem Republikaner ihre Stimme, nur 44 Prozent dem demokratischen Amtsinhaber.

Obama wurde im Übrigen als Präsident der Städter wiedergewählt. Während der Demokrat in urbanen Wahlkreisen abräumte, hatte er auf dem flachen Land keine Chance. Hier kam Obama im Schnitt nur auf 39 Prozent der Stimmen, während Konkurrent Romney 59 Prozent holte.

Eine Spaltung des Landes, die sich auch auf der Landkarte der USA eindrucksvoll widerspiegelt: Während die dicht besiedelte Westküste sowie der Nordosten von den Demokraten erobert wurden, blieben der ländliche Mittelwesten und der Süden beinahe komplett in republikanischer Hand. Die Entscheidung fiel am Ende aber wieder einmal im Herzen der klassischen Industrieregion, namentlich in Ohio. Hier sitzt das Zentrum der US-Autoindustrie, und hier haben es die Arbeiter Obama nicht vergessen, wie sehr er sich in der Krise für die Rettung ihrer Werke eingesetzt hat.

Quelle: RP/das
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