McCain kritisiert Obama: "Obama versteht nicht, was hier auf dem Spiel steht"
zuletzt aktualisiert: 27.07.2008 - 19:12Washington (RPO). Nach der Europareise des US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama geht dessen Konkurrent John McCain in die Offensive: Er warf Obama vor, parteipolitisches Kalkül über die Interessen des Landes zu stellen.
Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain ist nach der international vielbeachteten Auslandsreise seines demokratischen Rivalen Barack Obama in die Offensive gegangen. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC, dessen Mitschrift am Sonntag vorab veröffentlicht wurde, warf er Obama vor, parteipolitisches Kalkül über die Interessen des Landes zu stellen. Obama wies die Kritik an seiner Auslandsreise zurück.
"Senator Obama versteht nicht, was hier auf dem Spiel steht", sagte McCain in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC zur Irakpolitik seines Konkurrenten. "Er hat einen politischen Weg gewählt, der ihm geholfen hat, die Nominierung seiner Partei zu bekommen. Wenn wir gemacht hätten, was Senator Obama machen will, wären Chaos, Völkermord, verstärkter iranischer Einfluss und vielleicht wieder eine von Al Kaida etablierte Basis die Folgen."
Zustimmung relativiert
McCain relativierte seine zuvor am Wochenende signalisierte Zustimmung zu Obamas Vorschlag, 16 Monate nach der Präsidentenwahl mit einem Truppenrückzug aus dem Irak zu beginnen. Entscheidend sei die Lage im Irak. "Alles ist ein guter Zeitplan, der von den Bedingungen vor Ort diktiert wird." Der Zeitplan für einen Rückzug dürfe nicht von einem "künstlichen Datum" diktiert werden, sondern von der Sicherheitslage. McCain knüpfte damit an eine scharfe Attacke von Anfang vergangener Woche an, Obama würde es vorziehen einen Krieg verlieren, damit er eine Wahl gewinnen könne.
Ein langjähriger Parteifreund und Senatskollege, Chuck Hagel, rief McCain zur Mäßigung auf. "John ist besser als das", sagte Hagel, der mit Obama in Afghanistan und im Irak gereist war, im Fernsehsender CBS. "Es ist nicht verantwortlich, solche Dinge zu sagen." Beide Kandidaten sollten ihre Wahlkampfrhetorik im Zusammenhang mit dem Krieg mäßigen.
Obama wies McCains Kritik zurück, er habe seine Auslandsreise wie eine "vorzeitige Siegerrunde" absolviert. Vor seinem Heimflug von London nach Chicago zog er eine positive Bilanz seiner Besuche in Afghanistan, dem Irak, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
McCain kritisierte in seiner Rundfunkansprache: "Bei all dieser atemlosen Berichterstattung aus dem Ausland und Senator Obama, wie er Reden an die Völker der Welt richtet, fühle ich mich ein bisschen außen vor gelassen. Vielleicht geht es Ihnen genauso."
Wirbel um abgesagten Besuch in Landstuhl
McCains Wahlkampfteam ging noch einen Schritt weiter, indem es den von Obama abgesagten Besuch bei verwundeten US-Soldaten in Landstuhl als Zeichen mangelnder Volksnähe darstellte. Obama habe es vorgezogen, sich mit ausländischen Führern und vor jubelnden Europäern zu zeigen. Obamas Team wies den Vorwurf zurück. Doch McCain schaltete unterdessen noch einen TV-Spot, in dem Obama kritisiert wurde, weil er in Berlin Zeit für den Besuch eines Fitnesscenters gehabt habe, nicht aber für verwundete Soldaten. "Sieht so aus, als ob das Pentagon keine Kameras erlaubt hat", hieß es in dem Spot, Obama als abgehobenen Medienstar darstellend. "John McCain ist immer für unsere Soldaten da."
Obamas Sprecher Tommy Vietor sagte, der Besuch im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sei abgesagt worden, nachdem das Verteidigungsministerium Bedenken gegen politische Aktivitäten in einer Militäreinrichtung geäußert habe. Das Pentagon erklärte dagegen, Obama sei nie aufgefordert worden, nicht nach Landstuhl zu kommen.
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