Großmutter starb mit 86 Jahren: Obama weint um seine stille Heldin
zuletzt aktualisiert: 04.11.2008 - 11:57Honolulu (RPO). Sollte Barack Obama heute zum ersten schwarzen Präsidenten der USA gewählt werden, kann eine der wichtigsten Frauen in seinem Leben nicht dabei sein. Oma Madelyn starb im Alter von 86 Jahren an Krebs. Der Kandidat feierte sie unter Tränen als stille Heldin Amerikas.
"Sie war der Eckstein unserer Familie und eine Frau von außergewöhnlicher Leistung, Stärke und Bescheidenheit", erklärte Obama sichtlich bewegt vor seinen Anhängern. "Sie war die Person, die uns Mut gemacht hat."
Obama unterbrach seinen Wahlkampf in North Carolina, um die gemeinsam mit seiner Schwester Maya Soetoro-Ng verfasste Nachricht vom Tod der Großmutter bekanntzugeben. Vor mehreren zehntausend Menschen in Charlotte gedachte der Präsidentschaftskandidat der Demokraten unter Tränen der Frau, bei der er zeitweise aufwuchs und die er als einen der einflussreichsten Menschen in seinem Leben bezeichnete. "Sie ist heimgegangen", sagte er und versetzte die Menge mit einer emotionalen Ansprache in eine ungewohnte Stille. Obama liefen dabei Tränen über die Wange.
Seine Großmutter habe zu den zahllosen stillen Helden Amerikas gehört, die sich aufopferungsvoll für ihre Kinder und Enkel einsetzten, sagte Obama und fügte hinzu: "In nur einem Tag haben wir die Gelegenheit, all diese stillen Helden zu ehren. Wir können den Wechsel für Amerika bringen um sicherzustellen, dass ihre Arbeit und ihr Opfer Anerkennung finden."
"Toot", wie Obama die Oma in Anlehnung an das hawaiianische Wort für Großmutter nannte, habe die Große Depression und den Zweiten Weltkrieg erlebt. Sie habe am Fließband für die Kriegindustrie arbeiten müssen, während ihr Mann in den Kampf zog und sie ein kleines Baby zuhause zu versorgen hatte. Jetzt sei sie friedlich eingeschlafen, sagte Obama. Seine Schwester sei am Sterbebett gewesen.
Private Trauerfeier geplant
Der Senator hatte im Oktober seinen Wahlkampf kurz unterbrochen, um an das Krankenbett seiner an Krebs leidenden Großmutter zu eilen. Die Entscheidung sei klar gewesen, sagte er damals: Als seine Mutter 1995 starb, sei er zu spät gekommen. Zum Abschluss des Wahlkampfs ist nach Angaben der Familie eine private Trauerfeier geplant.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain kondolierte dem politischen Gegner. Zusammen mit seiner Frau Cindy veröffentlichte er eine Erklärung mit den Worten: "Unsere Gedanken und Gebete gehen hinaus zu ihnen." Obama dankte McCain für sein Mitgefühl.
In Honolulu sagte der demokratische Abgeordnete Marcus Oshiro, alle hätten gehofft, dass Obamas Großmutter noch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl hätte miterleben können. In Erwartung eines Wahlsiegs Obamas sagte Oshiro: "Was wird das für ihn ein bittersüßer Sieg werden."
Die in Kansas geborene Madelyn Payne Dunham und ihr Mann Stanley zogen ihren Enkel mehrere Jahre auf, so dass er in Honolulu auf die Schule gehen konnte, während ihre Tochter im Ausland lebte. Obama hat wiederholt erklärt, dass seine Großmutter einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner persönlichen Weltanschauung genommen habe.
Auf Hawaii hatte Obamas Mutter Stanley Ann seinen aus Kenia stammenden Vater Barack Hussein Obama kennengelernt.
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