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US-Wahlkampf: Obama wird geschützt wie ein Präsident

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 21:10

Washington (RP). Wahrscheinlich war es nur ein Hirngespinst und kein Mordkomplott, mehr der wahnwitzige Wunschtraum zweier fanatischer Neonazis. Daniel Cowart, 20, und Paul Schlesselman, 18, haben eine Verschwörung zur Ermordung Barack Obamas geplant.

Vorher wollten sie noch ein Blutbad in einer überwiegend afroamerikanischen Schule anrichten, vielleicht auch in mehreren, 88 Schüler erschießen und 14 enthaupten. Danach wollten sie in einem Auto auf Obama zurasen, den Konvoi des Kandidaten bei vollem Tempo mit einem Hagel an Kugeln übersäen. Weiße Smokings wollten sie dabei tragen, weiß wie die Kapuzen des Ku Klux Klan, und dazu schwarze Zylinder.

Ermittler im Bundesstaat Tennessee haben den Attentatsplan, wenn es denn tatsächlich ein Plan war, aufgedeckt. „Sie schienen entschlossen, es zu tun“, warnt Spezialagent Jim Cavanaugh davor, die abstrus anmutende Verschwörung auf die leichte Schulter zu nehmen. „Und selbst wenn sie es nur versucht hätten, hätten sie eine Spur der Tränen hinterlassen.“

Welche Schule Cowart und Schlesselman überfallen wollten, ist nicht bekannt. Bekannt ist dagegen, was die Zahlen der potenziellen Opfer bedeuten, die das Duo im Visier hatte. Die 88 steht chiffriert für „Heil Hitler“, ein doppeltes H, der achte Buchstabe des Alphabets. Die 14 spielt auf die vierzehn Worte an, mit denen David Lane, ein weißer Überlegenheitsfanatiker, sein rassistisches Credo formulierte („Wir müssen die Existenz für unser Volk und die Zukunft für weiße Kinder sichern“).



Unser Korrespondent Frank Herrmann hat den Wahlkampf aus nächster Nähe beobachtet. In unserer großen Leseraktion stellt er sich Ihren Fragen. Er weiß, was die Amerikaner bewegt und worauf es beim Urnengang ankommen wird. Antworten von einem Experten vor Ort - hier geht es zu unserer Fragenaktion.


Kennen gelernt hatten sich die beiden Skinheads vor ungefähr einem Monat beim Chatten im Internet. Polizeifotos zeigen zwei ausdruckslose Gesichter, starre Blicke, kurz geschorenes Haar. Über das Anfangsstadium ihres Komplotts sind die zwei nicht hinausgekommen. In einem Großmarkt der Kette Wal-Mart kauften sie zwar ein Nylonseil (zwecks Einbruch) und Skimasken.

Der Versuch, ein Haus auszurauben, offenbar, um sich Geld und Gewehre zu beschaffen, sei dann aber fehlgeschlagen, heißt es seitens der Behörden. Ein Hund habe die zwei in die Flucht geschlagen, woraufhin sie ihr Auto in weißer Kreide mit Hakenkreuzen bemalt und auf das Fenster einer Kirche kaputt gefeuert hätten.

Obama reagiert gelassen

Obama reagierte so gelassen, wie man es von ihm gewohnt ist. Die Nachricht beunruhige ihn nicht, ließ er wissen. Diese Hass säenden Gruppen seien an den Rand gedrängt worden und hätten keine Zukunft, „das ist nicht, wie Amerika ist“. Im Übrigen, fügte er beschwichtigend hinzu, „kümmern sich die besten Jungs der Welt um meine persönliche Sicherheit“.

Tatsächlich wird der 47-Jährige so gründlich beschützt wie kaum einer seiner Vorgänger. Bereits im Mai 2007 bekam er ein Team von Bodyguards zugeteilt, ein Team von der Stärke, wie es sonst nur Präsidenten zusteht. Dass der Secret Service nichts dem Zufall überlässt, weiß jeder, der schon einmal eine Wahlveranstaltung Obamas besuchte. Metalldetektoren an den Eingängen, Leibesvisitationen der gründlichsten Art, Fotografen müssen probeweise auf die Auslöser ihrer Kameras drücken.

„Hört auf, euch Sorgen zu machen“, ruft der Senator aus Illinois jenen zu, die ihn für extrem gefährdet halten. Und doch. Die Angst will nicht weichen, die Furcht, dass ihm etwas zustoßen könnte, dem ersten Farbigen, der echte Chancen hat, ins Weiße Haus einzuziehen.

Es liegt an der beklemmenden Vorstellung, dass Geschichte sich wiederholen könnte. Vierzig Jahre nach dem Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968 in Memphis und dem Mord an Robert Kennedy - zwei Monate darauf in Los Angeles - hallen die Schüsse noch immer nach.

Im August war es ein Zwischenfall in Denver, am Rande des demokratischen Nominierungsparteitags, der die Versammelten aufschreckte. Die Polizei verhaftete drei Männer. Sie hätten Gewehre besessen und Drohungen gegen Obama ausgestoßen, hieß es damals. Es war falscher Alarm, die drei befanden sich im Drogenrausch. Zur Beruhigung der Nerven trug es dennoch nicht bei.

Ein großes Special zum US-Wahlkampf finden Sie hier.


 
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