US-Präsidentschaftswahlen spektakulär wie nie: Republikanern droht gefürchtete Kampfabstimmung
zuletzt aktualisiert: 17.01.2008 - 21:51Washington (RPO). Die Partei von US-Präsident George W. Bush steht möglicherweise vor einer spektakulären Feuerprobe. Weil die bisherigen Vorwahlen keine eindeutigen Hinweise dafür gebracht haben, wer Präsidentschaftskandidat wird, redet man bei den Republikanern nun offen über ein bislang undenkbares Szenario: die erste Kampfabstimmung auf einem Nominierungsparteitag seit 60 Jahren.
"So wie es jetzt aussieht, könnte es erst auf dem Parteitag entschieden werden", sagte Rom Schmidt vom Republican National Committee. "Das ist eine faszinierende Sache, wenn man ein Politik-Junkie ist."
Die Delegierten für diesen Parteitag, der am 1. September in Minneapolis-St. Paul beginnt, werden bei den Vorwahlen und Wählerversammlungen in den einzelnen US-Staaten bestimmt. In den vergangenen Jahrzehnten wurde bereits während dieser Kandidatenkür deutlich, welcher Bewerber die meisten Stimmen auf sich vereinigen wird. Auf dem Nominierungsparteitag war die Abstimmung dann nur noch eine Formalität, so dass der Hauptzweck der Mammutveranstaltung in der Mobilisierung der eigenen Reihen bestand.
Auch wenn es in diesem Jahr nicht zu einer Kampfabstimmung zwischen den Delegierten der Bewerber kommen sollte, scheint die Wahrscheinlichkeit hoch zu sein, dass der Kandidat der Republikaner erst mehrere Wochen oder sogar Monate nach der Entscheidung bei den Demokraten feststeht. Dies würde der Demokratischen Partei einen erheblichen Vorsprung bei der Sammlung von Spenden und der Organisation des entscheidenden Wahlkampfs verschaffen.
Dabei sind die Republikaner im Kongress auch aus einem anderen Grund an einer frühzeitigen Kandidatenkür interessiert. Sie wollen die Aufmerksamkeit der Wähler von Präsident George W. Bush ablenken, dessen schlechte Umfragewerte die ganze Partei schädigen könnten.
In den drei bisherigen wesentlichen Vorwahlentscheidungen der Republikaner - Iowa, New Hampshire und Michigan - gab es jeweils einen anderen Sieger: Erst Mike Huckabee, dann John McCain und schließlich Mitt Romney. Ein vierter könnte am 29. Januar in Florida hinzukommen, denn der frühere New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani hat sich ganz auf diesen US-Staat konzentriert.
Bislang galt es immer als ausgemachte Sache, dass der "Super Tuesday" mit Vorwahlen und Wählerversammlungen in 24 Staaten für die Vorentscheidung sorgt. Schließlich sind an diesem Mammutwahltag - dieses Jahr am 5. Februar - auch die beiden bevölkerungsreichsten Staaten Kalifornien und New York mit dabei. Aber die Republikaner haben erhebliche Zweifel, ob der "Super Tuesday" schon für Klarheit sorgen kann. Und auch die Demokraten sind sich da gar nicht mehr so sicher.
Der Republikaner Herbert Schoenbohm von den Jungferninseln findet es nicht schlecht, wenn die Entscheidung erst auf dem Parteitag fallen sollte. Er habe genug von den "Krönungsversammlungen und inszenierten Großereignissen" vergangener Wahljahre. Für die Parteiführung aber wäre ein Nominierungsparteitag ohne klare Mehrheitsverhältnisse ein Alptraum. Zuletzt gab es das 1948, als der New Yorker Gouverneur Thomas Dewey erst in der dritten Abstimmung zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde. Die anschließende Wahl verlor er gegen den Demokraten Harry Truman.
Bei den Demokraten gab es die letzte Kampfabstimmung 1952, als Adlai Stevenson ebenfalls in der dritten Wahlrunde die erforderliche Mehrheit erreichte. Danach verlor er die Wahl gegen den Republikaner Dwight Eisenhower. Ein Sieg in der Kampfabstimmung sei keine angenehme Sache, sagt der Politikwissenschaftler Terry Madonna, der sich eingehend mit Nominierungsparteitagen beschäftigt hat. Er hält Kampfabstimmungen in diesem Jahr für unwahrscheinlich, räumt aber ein, dass es eher bei den Republikanern dazu kommen könnte als bei den Demokraten.
Falles es bis zum Abschluss der meisten Vorwahlen Anfang Mai noch keine Klarheit geben sollte, ist damit zu rechnen, dass ein heftiges Feilschen um die Delegiertenstimmen einsetzen wird. Eine möglicherweise entscheidende Rolle könnte dabei der Frage zukommen, welcher Bewerber bereit ist, seine Delegiertenstimmen gegen eine Nominierung als Vizepräsident zu verkaufen. Die eigentliche Arbeit fange erst nach dem Ende des parteiinternen Wahlkampfes an, mahnte am Mittwoch Bushs ehemaliger Politikberater Karl Rove bei einem Treffen im Führungszirkel der Republikanischen Partei. Wichtigste Aufgabe des Kandidaten werde es sein, "sich erst einmal dem amerikanischen Volk vorstellen". Denn das interesse sich für den ganzen Vorwahlkampf weit weniger, als in der Partei angenommen werde.
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