McCains Antwort auf Joe Biden: Sarah Palin als Vizepräsidenten-Kandidatin
zuletzt aktualisiert: 29.08.2008 - 19:22Denver (RPO). Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat überraschend die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als seine Kandidatin für das Vize-Präsidentenamt nominiert.
Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat überraschend die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als seine Kandidatin für das Vize-Präsidentenamt nominiert. Palin sei eine "zähe Regierungschefin" und habe während ihrer Amtszeit bereits gezeigt, dass sie bereit wäre, Präsidentin zu sein, erklärte McCain am Freitag. Die 44-Jährige ist die jüngste Gouverneurin und zudem die erste Frau, die das Amt als Regierungschefin von Alaska innehat. Bei der Präsidentschaftswahl am 4. November tritt McCain gegen den Demokraten Barack Obama an, der mit dem Senator Joseph Biden als "running mate" ins Rennen um das Weiße Haus zieht.
Mit der Nominierung der fast 30 Jahre jüngeren Palin landete McCain an seinem 72. Geburtstag eine Überraschung. Die Entscheidung McCains für Palin sorgte auch in den eigenen Reihen für eine Überraschung. Immerhin setzte sich die Gouverneurin von Alaska gegen mehrere prominente Politiker durch wie den Exgouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, den früheren Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge, und den Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty. In den Medien waren zuletzt Romney und Pawlenty am mögliche Kandidaten genannt worden.
Palin ist zudem in der US-Politik relativ unbekannt und verfügt über keinerlei Erfahrung auf nationaler Ebene. Bevor sie im Dezember 2006 den Posten als Gouverneurin des ölreichen US-Bundesstaates Alaska übernahm, war sie von 1996 bis 2002 Bürgermeisterin der Stadt Wasilla in dem im Norden des USA gelegenen Bundesstaat.
In seiner Erklärung, drei Tage vor Beginn des Wahlparteitags der Republikaner in St. Paul im Staat Minnesota, auf dem er offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird, und einen Tag nach Abschluss des Nominierungsparteitags der Demokraten, betonte McCain die Erfahrung seiner Kandidatin in verschiedenen Bereichen. Als Verantwortliche der Nationalgarde und als Mutter eines Soldaten wisse Palin, "was nötig ist, unsere Nation zu führen und sie versteht die Wichtigkeit, unsere Truppen zu unterstützen", erklärte der Republikaner. McCain stellte zudem die Erfahrungen Palins in der Energiepolitik heraus. Ebenso wie McCain setzt sich Palin für die Förderung von Erdöl in einem Naturschutzgebiet in Alaska ein. Zudem fordert die Gouverneurin den Bau einer Erdgaspipeline durch ihren Staat.
Palin sei "genau das, was ich brauche. Sie ist exakt das, was dieses Land braucht im Kampf gegen die immergleiche Politik in Washington, die das Ich an die erste Stelle setzt und das Land an die zweite", sagte er am Freitag.
Palin erklärte bei dem Auftritt in Ohio, einem der wahlentscheidenden Staaten, sie fühle sich geehrt. "Es gibt nur einen Kandidaten, der wirklich für Amerika gekämpft hat, und das ist John McCain", sagte sie an der Seite des strahlenden Präsidentschaftskandidaten. Der Senator war Soldat in Vietnam und über fünf Jahre lang Kriegsgefangener.
Die verheiratete Palin gilt als Vertreterin des konservativen Parteiflügels. Sie geht in ihrer Freizeit zum Fischen sowie auf die Jagd und ist Mitglied des US-Schusswaffenverbandes NRA. Zudem ist die fünffache Mutter als strikte Abtreibungsgegnerin bekannt. Die studierte Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin machte sich parteiintern einen Namen als Kämpferin gegen Korruption.
Schon einmal war Sarah Palin die Nummer zwei. Bei der Wahl zur Miss Alaska, der Schönheitskönigin im hohen Norden Amerikas, landete Palin im Jahr 1984 gleich hinter der Siegerin. Was nun auf die inzwischen 44 Jahre alte Gouverneurin von Alaska zukommt, ist von ganz anderem Kaliber. McCain dürfte mit der Benennung einer Frau auf enttäuschte Anhängerinnen von Hillary Clinton bei den Demokraten abzielen. In der nationalen und internationalen Politik hat Palin freilich kaum Erfahrung, dies dürfte den Demokraten viel Angriffsfläche bieten.
Im Falle einer Wahl McCains zum US-Präsidenten wäre Palin die erste Frau auf dem Posten des Vizepräsidenten in der US-Geschichte. Am Montag beginnt in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota der Parteitag der Republikaner, auf dem McCain offiziell als Kandidat seiner Partei nominiert werden soll.
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