| 13.11 Uhr

Roter Pfeil auf blauem H
Wie der Spott über das Kampagnenlogo Hillary Clinton nützen könnte

Spott über Wahlkampf-Logo im Netz könnte Hillary Clinton nützen
FOTO: Screenshot / twitter.com/HillaryClinton
Düsseldorf. Endlich hat Hillary Clinton der ganzen Welt mitgeteilt, was ohnehin schon jeder wusste: Sie will 2016 Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Jetzt muss sich Clinton erstmal mit einer Debatte um das Design ihres Kampagnenlogos herumschlagen. Am Ende gewinnt sie dabei aber vielleicht sogar. Von Henning Bulka

Zu hart, zu einfallslos, zu hässlich: Die Kritiker von Hillary Clinton finden in diesen Tagen viele Worte für das, was sie vom Kampagnenlogo der Präsidentschaftskandidatin halten – nämlich nichts. Besonders auf Twitter bekommt Clinton ordentlich eine mit:

Auch ein fünfjähriges Kind hätte das Logo designen können, schreibt ein Nutzer. Die Enthüllungsplattform Wikileaks bezichtigt Clinton mit einem Augenzwinkern des Plagiats. Und bei der Washington Post können Nutzer sogar ihren eigenen Clinton-Schriftzug entwerfen:

Nüchtern betrachtet zeigt sich durch diesen Sturm im Wasserglas aber, dass Clinton und ihr Team vielleicht auch alles richtig gemacht haben. Doch der Reihe nach.

Ein H und ein Pfeil

Zugegeben, simpler hätte Hillary Clinton ihr Logo nicht gestalten können – es sei denn, sie hätte vielleicht sogar noch den Pfeil weggelassen. Dann würde aber natürlich die politische Botschaft fehlen. So besteht ihr Kampagnenlogo aus genau zwei Elementen: einem blauen "H" für "Hillary", und einem roten Pfeil, der – je nach Interpretation – nach rechts oder nach vorne zeigt. "Neue Abenteuer, weitere Kapitel", titelt nicht umsonst ihre Website.

Das Logo fällt zumindest auf, sagt der Designkritiker Armin Vit: "Es sieht so aus, wie kein anderes Logo eines Präsidentschaftskandidaten bisher", beschreibt er seine Eindrücke dem US-Magazin Wired. Die Reaktionen hält Designer Aaron Draplin deshalb für erwartbar: "Egal, womit sie nach draußen gegangen wäre, man hätte sie in Stücke gerissen."

Er findet das Kampagnenlogo von Hillary Clinton dagegen bemerkenswert: "Wenn man es in seinem System betrachtet, erwacht es zum Leben. Wunderschöne Avatare in den sozialen Medien, wunderschön auf ihrer Website ... ein einfaches 'H' das uns nach vorne bringt", schreibt Draplin, und meint damit, dass sich ein so einfaches Logo sehr gut dazu eignet, es weiterzuspinnen und in andere Kontexte einzubauen. Die "Meme-Fähigkeit", also die Möglichkeit, das Logo zu einem Internet-Phänomen zu machen, ist hoch. Das zeigt sich auch am aktuellen Shitstorm.

Das ist nun natürlich von Draplin gerade im Kontext eines US-Präsidentschaftswahlkampfs eine sehr politische Aussage. So liest sich deshalb auch die Kritik des deutschen Designers Erik Spiekermann beim Branchenmagazin W&V etwas nüchterner: "Formal: Banale Arbeit, die an den Unis alle Studenten im Erstsemester machen." Er schreibt aber auch: "Man könnte es im Kontext der US-Verhältnisse auch mutig nennen."

Nach dem Shitstorm kommt die Flucht nach vorne

Mutig, das ist auch der Umgang des Teams von Hillary Clinton mit der Aufregung um das neue Logo. Die Kampagnen-Organisatoren machen sich die Idee einer eigenen Schriftart, der "Hillary Bold", ganz einfach zueigen:

Die Flucht nach vorne ist in so einer Situation wohl auch das einzige, was Hillary Clinton bleibt. So setzt sie auch genau das um, was sich Designer Draplin in seiner Analyse wünscht: mit dem Logo spielen, das Meme für sich selbst ergreifen. Die lustigen Ideen der anderen muss sie dabei aber natürlich aushalten:

Unbenommen von all dem bleibt die Frage, ob das Kampagnenlogo von Clinton das unterstreicht, wofür sie politisch stehen will. Nähe und Wärme zählten bisher nicht unbedingt zu den ihr zugeschriebenen Attributen – wohl mit ein Grund, weshalb sie 2008 im Wettstreit um die Präsidentschaftskandidatur mit Obama scheiterte.

Der rote Pfeil auf blauem Grund ist nun ebenfalls alles andere als warm. Vielleicht ist das aber auch ein Zeichen: Trotz aller neuer Nähe und Bescheidenheit, die Hillary Clinton in ihrem Wahlkampf bis 2016 verbreiten will – verbiegen wird sie sich nicht.

(RPO, HeBu)
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