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Donald Trump beim letzten TV-Duell
Ein Demagoge, der kräftig zündelt

So lief das dritte TV-Duell zwischen Clinton und Trump
So lief das dritte TV-Duell zwischen Clinton und Trump FOTO: ap, JDA DP SM
Es ist einmalig in der Geschichte der amerikanischen Demokratie, zumindest der jüngeren, dass sich der Kandidat einer großen Partei weigert, das Wahlergebnis ohne Vorbehalt anzuerkennen. Eine Analyse zum letzten TV-Duell vor den US-Wahlen. Von Frank Herrmann, Washington

Dass in der Hitze der Kampagnenschlacht die Argumente aufeinander prallen, dass man sich fetzt und streitet und einander nichts schenkt, dass dann aber der Verlierer dem Sieger gratuliert und das Land zur Tagesordnung übergeht – für Amerikaner war es immer der Ausweis der Stärke ihres politischen Systems.

Seit George Washington mit gutem Beispiel voranging und vorexerzierte, dass ein Staatschef, so populär er auch immer sein mag, nur für ein paar Jahre im Amt bleiben kann, weil sich die neue Republik ja unterscheiden wollte von den Verhältnissen im alten Europa.

Trumps Demokratieverständnis passt zu einer Bananenrepublik

Trump, um diese historische Dimension geht es hier, ist seit Langem der erste Präsidentschaftsbewerber, der nicht nach den Regeln spielt. Der nicht klipp und klar sagt, dass er selbstverständlich akzeptieren wird, wie sich  der Souverän im November entscheidet. Auch für den Fall, dass er den Kürzen zieht.

Gut eine Stunde hat es gedauert, bis er – während der dritten und letzten Fernsehdebatte mit Hillary Clinton – Worte sprach, die alles überschatteten, was an diesem Abend noch diskutiert wurde. Ob er das Resultat anerkenne oder nicht? "Ich werde es Ihnen sagen, wenn es so weit ist. Ich lasse es in der Schwebe."

Donald Trump: Tycoon, Unternehmer, Präsident FOTO: afp, so

So reden Autokraten, die ein Votum nur dann für gültig erklären, wenn es ihren Vorstellungen entspricht. Einmal mehr hat der selbstverliebte Milliardär ein Demokratieverständnis erkennen lassen, wie es vielleicht zu einer Bananenrepublik passt, nicht aber zu den Vereinigten Staaten von Amerika.

Auf der Suche nach Sündenböcken

In der Endphase des Kandidatenduells scheint es Trump mehr darum zu gehen, das Wahlsystem als manipuliert anzuprangern, als bei den unentschiedenen Wählern der politischen Mitte für sich zu werben. Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, dass etwas dran ist an seinen Behauptungen. Dass millionenfach illegale Einwanderer in die Wahlregister geschummelt werden, damit sie am 8. November abstimmen und Hillary Clinton zum Sieg verhelfen können, gehört allenfalls in ein Kompendium der Verschwörungstheorien.

Es scheint, als suche Trump schon jetzt nach Sündenböcken, die er für eine eventuelle Niederlage verantwortlich machen kann. Es scheint, als beantworte er die Vorwürfe, reihenweise Frauen sexuell belästigt zu haben, indem er verbal um sich schlägt, jegliche Hemmungen verlierend.

Vorwürfe gegen Clinton

Auf der Zielgeraden scheint der Immobilientycoon allein darauf zu setzen, seine treuesten Anhänger zu mobilisieren, indem er in immer schrilleren Varianten wiederholt, wovon sie bereits überzeugt sind.

Dass Hillary Clinton korrupt und kriminell sei und ins Gefängnis gehöre. Dass die Medien, angeblich elitär bis ins Mark, gemeinsame Sache mit seiner Kontrahentin machten. Dass allein er bereit sei, dem Establishment mutig die Stirn zu bieten, einem Establishment, das selbst vor Wahlfälschung nicht zurückschrecke, um ihm dem Einzug ins Weiße Haus zu verwehren. Zu erleben ist ein Demagoge, der gerade kräftig zündelt.

Infografik: Clinton gewinnt alle TV-Debatten | Statista


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