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Analyse nach Vorwahlen in South Carolina
Die Statistik spricht für einen Durchmarsch Trumps

US-Vorwahlen: Die Statistik spricht für einen Durchmarsch Trumps
Donald Trump sonnt sich im Jubel seiner Anhänger. FOTO: dpa, rre ks
Washington. Legt man die Geschichte amerikanischer Vorwahlen zugrunde, ist Donald Trump auf dem sicheren Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Hat ein Republikaner sowohl in New Hampshire als auch in South Carolina den innerparteilichen Wettstreit gewonnen, ist er bislang noch immer zum Bewerber fürs herbstliche Finale im Kampf ums Weiße Haus gekürt worden. Von Frank Herrmann

Trump kam in beiden Staaten, jeweils mit deutlichem Abstand, als Erster ins Ziel. Am Dienstag dürfte er auch in Nevada die Nase vorn haben, und am 1. März folgt der Test, der bereits die Weichen stellen kann. Am "Super Tuesday" wird in zwölf der 50 Bundesstaaten gewählt, wobei der Bibelgürtel, der sich vom Atlantik bis nach Texas quer durch den Süden zieht, stark ins Gewicht fällt. Die mögliche Vorentscheidung fällt also in einem Milieu, das dem South Carolinas ziemlich ähnelt. 

Trumps Sieg im "Palmetto State" wirft zwangsläufig die Frage auf, ob sein Durchmarsch überhaupt noch zu stoppen ist. Er zeigt, dass sich der großmäulige Populist auf eine so stabile Gefolgschaft stützen kann, dass ihm sein verbaler Stil, der Stil eines Raufbolds, einfach nichts auszumachen scheint, auch wenn er anderen längst zum Verhängnis geworden wäre. Trumps treueste Anhänger sind Weiße ohne College-Abschluss, die dem Politikbetrieb, dem Kabinett Barack Obamas ebenso wie den republikanischen Fraktionsspitzen im Kongress, maßgeblich die Schuld am eigenen sozialen Abstieg geben. In einem rabiaten Milliardär, der illegal Eingewanderte zu deportieren und nach China oder Mexiko abgewanderte Arbeitsplätze zurückzuholen verspricht, glauben sie einen Sprecher gefunden zu haben, der ihrem Frust Ausdruck verleiht. Dem sie applaudieren, weil er sich gerade nicht an die Regeln der Political Correctness hält.

Trump - ein verbaler Ausrutscher nach dem anderen

Vorausgegangen war eine turbulente Woche, in der Trump einmal mehr im Mittelpunkt heftiger Kontroversen stand. Seine Rivalen erinnerten an eine Episode aus Atlantic City, wo er vor über zwei Jahrzehnten eine Witwe aus ihrem Haus zu vertreiben versuchte, weil er das Grundstück für den Parkplatz eines Casinos brauchte. Als der Baulöwe im Laufe einer Fernsehdiskussion bemerkte, George W. Bush trage die Verantwortung für die Anschläge am 11. September 2001, quittierte es das Publikum im Saal mit Buhrufen. Es folgte ein verbales Fernduell mit dem Papst, dann kam Trump mit der zweifelhaften Geschichte, wonach der US-General John Pershing Gewehrkugeln in Schweineblut getaucht haben soll, bevor er muslimische Aufständische auf den Philippinen hinrichten ließ. Jeder andere wäre über eine solche Erzählung gestolpert. Nicht Trump.

Punkten konnte er aber auch bei evangelikalen Christen, die ihm den Vorzug vor dem bibelfesten Texaner Ted Cruz gaben. Wohlgemerkt, einem in dritter Ehe verheirateten, oft aufs Profanste fluchenden New Yorker, der einst in Atlantic City einige der größten Glücksspielhallen des Landes baute. Dass 34 Prozent der Evangelikalen für Trump stimmten, ist die eigentliche Überraschung South Carolinas.

Rubio soll Trump abfangen

Die Hoffnungen der Parteigranden, ihn doch noch abzufangen, ruhen nun allein auf Marco Rubio. Der telegene, jugendlich wirkende Senator aus Florida, hat sich – mit 22,5 Prozent der Stimmen Zweiter – bemerkenswert rasch erholt von der Schlappe in New Hampshire, wo er nach einer blamablen Debattenvorstellung nur auf dem fünften Platz gelandet war. Surfte er 2010 noch auf der Tea-Party-Welle, um in den US-Senat gewählt zu werden, so spielt er heute unangefochten den Part, den eigentlich Jeb Bush zu spielen gedachte: Der Sohn kubanischer Immigranten ist der Favorit des Establishments.

Während Bush daran scheiterte, dass er allein schon mit seinem Familiennamen für die Vergangenheit steht, reklamiert Rubio die Zukunft für sich. Kaum eine Rede, in der er sich nicht zum Hoffnungsträger eines "neuen amerikanischen Jahrhunderts" erklärt. Seine Chance liegt in der Abneigung, die Wähler mit Hochschulabschluss und gutem Einkommen gegenüber dem Reality-Show-Star Trump empfinden. So fest sich der Prahlhans auf seine Fans verlassen kann, so ausgeprägt ist die Skepsis im republikanischen Mainstream. Folgt man einer Umfrage von Bloomberg Politics, haben 43 Prozent der Parteimitglieder eine negative Meinung von ihm. (Schluss)  

(RPO)
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