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Clinton versus Trump
So funktioniert die US-Wahl

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016
Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js
Düsseldorf. Wahltag in den USA: Stimmen die Amerikaner fĂĽr Hillary Clinton oder Donald Trump? Wie steht es in den Umfragen? Und warum wird eigentlich dienstags gewählt? Wir erklären, wie das US-Wahlsystem funktioniert. Von Christina Rentmeister
  • Die Amerikaner wählen ihr Staatsoberhaupt indirekt. Denn tatsächlich stimmen erst die Wahlmänner und -frauen ĂĽber den Präsidenten und seinen Vertreter ab. Ă„hnlich wie bei der Wahl zum deutschen Bundestag, bei der auch die Bundestagsabgeordneten später den Kanzler bestimmen. 538 Wahlleute bilden das Electoral College in den USA, das Wahlmännergremium. Sie werden aus den 50 Bundesstaaten und Bundesdistrikten entsandt. Die  Wahlergebnisse in den einzelnen US-Bundesstaaten legen fest, fĂĽr welchen Kandidaten die Wahlmänner des jeweiligen Staates am 19. Dezember stimmen mĂĽssen.
  • Ob die demokratische Kandidatin Hillary Clinton oder der Republikaner Donald Trump ins WeiĂźe Haus zieht, wird die Welt allerdings schon am Ende des Wahltages wissen – sobald die Ergebnisse aus den Staaten vorliegen. Denn in fast allen US-Bundesstaaten gilt: "The winner takes it all" (Der Gewinner bekommt alles). Es wird nach dem Mehrheitsprinzip verfahren. Der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, erhält auch alle Wahlmänner dieses Staates. Diese mĂĽssen dann fĂĽr den Gewinner stimmen.
  • Zwei Ausnahmen gibt es allerdings, diese sind fĂĽr den Ausgang der Wahl normalerweise aber nicht entscheidend. In den beiden kleinen Bundesstaaten Maine (vier Wahlmänner) und Nebraska (fĂĽnf Wahlmänner) werden nur zwei Wahlmänner nach dem Prinzip "The winner takes it all" vergeben. Die anderen werden mit relativer Mehrheitswahl bei der Wahl des Repräsentantenhauses gewählt.
  • Die Anzahl der Wahlleute pro Bundesstaat ist von der Bevölkerungszahl des jeweiligen Staates abhängig: je mehr Einwohner, umso mehr Wahlleute. Deshalb stellt Kalifornien, mit mehr als 33 Millionen Einwohnern, die meisten Wahlleute (55) – gefolgt von Texas (38), New York und Florida (je 29). Der Kandidat, der insgesamt mindestens 270 Wahlleute auf seiner Seite hat, wird US-Präsident.
  • Es ist fĂĽr die Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump also wichtig, die bevölkerungsstarken Bundesstaaten zu gewinnen. Denn durch das "The-Winner-Takes-It-All"-Prinzip ist es möglich, dass ein Kandidat zwar die Mehrheit der Bundesstaaten gewinnt oder gar die Mehrheit aller Wählerstimmen in den USA und dennoch nicht Präsident wird. Zum Beispiel wenn der andere Kandidat alle groĂźen Staaten und somit die Mehrzahl der Wahlleute gewonnen hat. Theoretisch reicht es, die elf bevölkerungsreichsten Bundesstaaten zu gewinnen.
  • Die oben abgebildete Vorhersage von PollyVote sieht Clinton derzeit in Florida, New York und Kalifornien als Gewinnerin, Trump hingegen liegt in Texas vorne. Insgesamt wĂĽrden nach dieser Prognose, Stand 26. Oktober, 347 Electoral Votes, also Wahlmänner-Stimmen, auf Clinton entfallen. 191 Wahlmänner wĂĽrde Trump bekommen.
  • Allerdings liegen die beiden Kandidaten in einigen Staaten nur wenige Stimmen auseinander. Und dass schon ein groĂźer Bundesstaat bei engen Wahlen ĂĽber Sieg oder Niederlage entscheiden kann, hat die Wahl im Jahr 2000 gezeigt. Damals traten George W. Busch und Al Gore gegeneinander an. Sieg und Niederlage hingen am Ende am Bundesstaat Florida. Busch gewann in Florida damals knapp und damit das Rennen um das Präsidentenamt. 537 Stimmen waren am Ende ausschlaggebend, dass Busch knapp ĂĽber die nötigen 270 Wahlmänner kam und nicht Gore.
  • Alle US-BĂĽrger ab dem 18. Lebensjahr, die ihren Wohnsitz in einem der 50 Bundesstaaten oder in der Hauptstadt Washington haben, sind am 8. November wahlberechtigt. Das sind etwa 219 Millionen Menschen. Wählen dĂĽrfen aber auch im Ausland lebende US-BĂĽrger wie beispielsweise Soldaten oder Diplomaten. Bewohner von AuĂźengebieten, wie etwa Puerto Rico, dĂĽrfen nicht wählen. Auch illegale Einwanderer sowie Personen, denen aufgrund von Straftaten das Wahlrecht aberkannt wurde, sind nicht wahlberechtigt. Wer wählen will, muss sichin Eigenverantwortung registrieren lassen. Die Termine und Regeln dafĂĽr unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Die bestehenden HĂĽrden fĂĽr eine Registrierung sind ein Grund fĂĽr die relativ geringe Wahlbeteiligung. Sie liegt in der Regel bei etwas mehr als 50 Prozent.
  • Das US-Wahlsystem fĂĽhrt auch dazu, dass Prognosen ĂĽber den Ausgang schwierig sind. Umfragen wie "Wen wĂĽrden Sie wählen, wenn heute Wahl wäre?" sagen in Amerika nur dann etwas ĂĽber den Ausgang der Wahl aus, wenn sie fĂĽr jeden Bundesstaat einzeln durchgefĂĽhrt werden. Die Vielzahl der Umfragen erhöht aber die Rate des sogenannten Vorhersagefehlers – also die Abweichung vom tatsächlichen Ergebnis.
  • Das Projekt PollyVote kombiniert daher verschiedene Umfragemethoden wie Wählerwille, Wettquoten oder Experteneinschätzungen. Dadurch flieĂźen mehr Informationen, Daten und verschiedene Umfragemethoden in die Prognose ein als bei einfachen Umfragen. Fehler einzelner Prognosen wĂĽrden so ausgeglichen, sagt das Team aus vier amerikanischen Professoren, dass das Projekt seit 2004 leitet. Bei der US-Wahl 2012 wich die PollyVote-Prognose um 0,7 Prozent vom Endergebnis ab.

Aus der täglich aktualisierten Prognose lässt sich erkennen, ob Hillary Clinton oder Donald Trump derzeit mehr als 50 Prozent der Wahlleute gewinnen würde.

Donald Trump: Tycoon, Unternehmer, Präsident FOTO: afp, so
  • Während es im US-Wahlkampf einzelne Umfragen gab, die Donald Trump vor Hillary Clinton sahen, sieht die PollyVote-Prognose Clinton durchgängig vor dem Republikaner. Die blaue Linie, die fĂĽr Clintons Demokraten steht, liegt stehts ĂĽber der 50-Prozent-Marke, die fĂĽr den Wahlsieg erreicht werden muss. Die Grafik zeigt damit auch, dass Trump (rote Linie) nach PollyVote-Berechnungen zu keinem Zeitpunkt des Wahlkampfes mehr als die Hälfte der Wahlmänner gewonnen hätte. Aktuell liegt Clinton mit 54,1 Prozent (Stand 26. Oktober) deutlich vor dem Konkurrenten.
  • Wie genau diese Prognosen sind, wird sich am 8. November zeigen. Den Auftakt zur 58. Präsidentschaftswahl macht dann das Dorf Dixville Notch im Bundesstaat New Hampshire. Dort wird am Election Day, dem Wahltag, traditionell ab 0 Uhr gewählt. Dann folgen nach und nach Staaten, die weiter westlich in den USA liegen.
  • Seit 1845 ist der Wahltag ("Election Day") in den Vereinigten Staaten stets am Dienstag nach dem ersten Montag im November. Dadurch fällt die Wahl immer auf einen Tag zwischen dem 2. und 8. November. Aber warum? Im 19. Jahrhundert lebten die meisten Amerikaner noch von der Landwirtschaft. Im FrĂĽhjahr und Sommer waren viele Bauern damit beschäftigt, ihre Felder zu bestellen. Im November hingegen war die Erntezeit in den meisten Gebieten vorĂĽber, das Klima dennoch mild und trocken genug, um längere Reisen mit dem Pferdegespann oder zu FuĂź anzutreten. Damals brauchte man oft einen ganzen Tag oder länger, um ins nächstgelegene Wahllokal zu gelangen. Der Sonntag kam weder fĂĽr die Anreise noch fĂĽr die Wahl selbst in Frage, denn da ging man in die Kirche. Damit fiel der nächste Tag, also der Montag, schon einmal als Wahltag weg. Der Kongress wollte auĂźerdem aus zwei GrĂĽnden vermeiden, dass der Wahltag auf den 1. November fällt: Zum einen ist dieser Tag ein römisch-katholischer Feiertag (Allerheiligen). Zum anderen machten viele Unternehmer am Ersten jeden Monats ihre Buchhaltung und man wollte vermeiden, dass der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg des Vormonats die Wahlentscheidung zu sehr beeinflusste.
  • Nach dem Wahltag treffen sich die Wahlmänner immer am Montag nach dem zweiten Mittwoch im Dezember, in diesem Jahr also am 19. Dezember, in ihrer Bundeshauptstadt und geben ihre Stimme fĂĽr den Präsidentschaftskandidaten ab. Ausgezählt werden die Stimmen allerdings erst am 6. Januar 2017. Am 20. Januar um 12 Uhr sollen dann der neue Präsident sowie der neue Vizepräsident vereidigt werden.
 
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