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Schlammschlacht im US-Wahlkampf
Trump wittert Manipulationen und Drogenmissbrauch

In der Schlammschlacht ums Weiße Haus hat Donald Trump seine Angriffe auf seine Rivalin Hillary Clinton noch einmal verschärft. Zudem wiederholt er seine Vorwürfe, die Wahl sei manipuliert. Dafür kassiert er allerdings Gegenwind aus den eigenen Reihen. Von Frank Herrmann, Washington

Vor der dritten und letzten Fernsehdiskussion, bei der beide am Mittwoch in Las Vegas aufeinandertreffen, vergleicht er sie mit Athleten, die auch vor Doping nicht zurückschrecken, um nur ja auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen.  

"Ich denke, wir sollten uns vor der Debatte einem Drogentest unterziehen", schlug der republikanische Präsidentschaftskandidat am Wochenende auf einer Kundgebung in New Hampshire vor. "Wir sollten uns auf Drogen testen lassen, denn ich weiß nicht, was da vorgeht bei ihr." Bei der zweiten Debatte habe Clinton anfangs gewirkt, als wäre sie aufgeputscht, "und am Ende war es wie: 'Hey, holt mich hier raus‘".

Sie habe es kaum noch bis zu ihrem Auto geschafft, behauptete Trump, offenkundig darum bemüht, Gerüchte wiederzubeleben, wie sie vor fünf Wochen nach einem Schwächeanfall seiner Kontrahentin kursierten. An einer Lungenentzündung erkrankt, war Clinton bei einer Gedenkstunde für die Opfer der Anschläge des 11. September zusammengebrochen, was fieberhafte Spekulationen auslöste, ob sie physisch überhaupt fit fürs Präsidentenamt sei.

Medikamententest für beide Kandidaten vorgeschlagen

In dem Versuch, Zweifel am Gesundheitszustand der ehemaligen Außenministerin zu säen, hat bereits vor Tagen ein sogenanntes Super-PAC, ein im Auftrag eines Millionenspenders gegründetes politisches Aktionskomitee, dazu aufgerufen, beide Bewerber auf Medikamente testen zu lassen. "Wenn Athleten vor dem größten Rennen ihres Lebens auf Arzneimittel untersucht werden, sollte dasselbe nicht auch für Kandidaten vor Ihrem größten Rennen gelten?", heißt es, an die Wähler gewandt, in einem von dem Hedgefonds-Manager Robert Mercer bezahlten Werbespot.

Zudem skizziert Trump, außer Rand und Band, seit Vorwürfe der sexuellen Belästigung die Runde machen, in düsteren Anspielungen ein Szenario massiven Wahlbetrugs. Das Votum am 8. November werde von den Demokraten gefälscht werden, um ihm den Einzug ins Weiße Haus zu verwehren, suggeriert er. Dass es mittlerweile neun Frauen sind, die schildern, wie der Immobilienmogul sie bedrängte, stellt er als Teil einer Verschwörung dar.

Trump "Die Wahl ist manipuliert"

Die Wahl, wetterte der 70-Jährige in einem Tweet, werde manipuliert von den Medien, die schamlose Lügen verbreiteten, um die "betrügerische Hillary" gewinnen zu lassen. Einige der Frauen, die erzählen, wie er sie gegen ihren Willen begrapschte, küsste, sie an sich zog, hat er in aller Öffentlichkeit verhöhnt. "Schaut sie euch an. Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl", spottete er etwa über Jessica Leeds, die zu Protokoll gab, wie sie vor über 30 Jahren an Bord eines Flugzeugs belästigte.  

Trumps Vorwurf der Wahlmanipulation ist nicht neu. Schon seit Monaten inszeniert sich der Milliardär als potenzielles Opfer eines finsteren Komplotts. Falls er nicht Präsident wird, geht die Legende, könne es nicht mit rechten Dingen zugehen. Dann werde der Mehrheitswille von Strippenziehern im Hintergrund zurechtgebogen. Mal setzt seine Kampagne Gerüchte in die Welt, nach denen die Demokraten Busse voller illegaler Immigranten von Lokal zu Lokal fahren werden, damit Letztere für Clinton stimmen. Mal bedient sie sich rassistischer Untertöne: Warnt sie etwa vor Täuschungsmanövern in "gewissen Bezirken" des hart umkämpften Bundesstaats Pennsylvania, ist offensichtlich Philadelphia gemeint, eine Großstadt, in der mehr schwarze als weiße Amerikaner leben.

Aber selbst Paul Ryan, der republikanische Speaker, der Vorsitzende, des Repräsentantenhauses, stellt sich nunmehr entschieden gegen die Flüsterkampagne. Die amerikanische Demokratie basiere auf Vertrauen in die Wahlergebnisse, "und der Speaker hat volles Vertrauen, dass die einzelnen Bundesstaaten diese Wahl integer durchführen werden", ließ er seine Sprecherin erklären.

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