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Vorwahlen in North Carolina und Indiana: Wann gibt Hillary Clinton auf?

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008 - 21:05

Washington (RP). Hillary Clinton hat kaum noch eine realistische Chance, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu werden. Nachdem sie die bei den Vorwahlen in Nord Carolina verloren hat, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie aufgibt. Hinter den Kulissen reden ihr die Superdelegierten bereits ins Gewinnsen.

Zum ersten Mal seit Wochen klang es wieder echt, das „Yes, we can“ der Fans Barack Obamas. Erleichtert, geradezu befreit skandierten seine Anhänger den Schlachtruf, fast so, als wäre eine zentnerschwere Last von ihren Schultern gefallen. Im Reynolds Coliseum in Raleigh feierten sie ein Ergebnis, das als Wende von North Carolina in die Chronik eingehen wird.

Wende, Comeback, Spielentscheidung – das sind denn auch die Vokabeln, die Obamas Berater heranziehen, um das Resultat einzuordnen. „Endlich ist das Zielband in Sicht“, frohlockt Robert Gibbs, der Kommunikationsdirektor des schwarzen Senators. Tatsächlich vermag niemand mehr überzeugend zu begründen, warum Obama die Bewerbung ums Weiße Haus noch an Hillary Clinton abgeben sollte.

Mit seinem glasklaren Sieg im bevölkerungsstarken North Carolina baute er seinen Vorsprung in der einzigen Statistik, auf die es wirklich ankommt, fast uneinholbar aus. Bei den Stimmen der demokratischen Kongressdelegierten, die im August den Kandidaten ihrer Partei küren, liegt er um nahezu 150 Stimmen vor seiner Rivalin. Zwar ging Indiana an Clinton, allerdings knapper als erwartet. Unterm Strich also bleibt ein deutlicher Zugewinn für Obama. Er ist bis auf weniger als 200 Delegierte auf die für die Nominierung nötige Zahl herangekommen.

„Hillary kann nur noch auf ein Wunder hoffen“, bringt es Tom Brokaw, die graue Eminenz des Fernsehsenders NBC, prägnant auf den Punkt. Bevor am 3. Juni die Schlussglocke der Primaries läutet, müsste die Eiserne Lady alle sechs ausstehenden Runden mit Dreiviertelmehrheit gewinnen, um ihren Konkurrenten noch abzufangen. Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht beharrt sie darauf, die annullierten Vorwahlen in Florida und Michigan nachträglich – und gegen die Regeln - für gültig erklären zu lassen. Ende Mai wollen die Gremien entscheiden, eine juristische Nachspielzeit scheint nicht ausgeschlossen.

Dennoch, wenn Obamas Lager vom nahen Zielband spricht, liegt das nicht nur an der Arithmetik, sondern auch am neuen Schwung, neuem Optimismus. Spürbar ist das Aufatmen nach einer Schwächephase, die der 46-Jährige selbst als seine „schlechtesten Wochen“ einstufte. Seit Anfang März hatte Obama in Texas, Ohio und Pennsylvania drei wichtige Wahlgänge verloren. Er wirkte müde und abgekämpft, mühsame Routine ersetzte die grandiose Aufbruchstimmung des Winters. Unter Druck erlaubte er sich grobe Schnitzer.

Dem kleinstädtischen Amerika unterstellte er allzu pauschal, verbittert zu sein und sich deshalb an Kirche und Knarre zu klammern. Sein Pfarrer Jeremiah Wright, der frühere Ausfälle („Gott verdamme Amerika“) durch eine eitle Selbstdarstellungstour noch auf die Spitze trieb, erwies ihm einen Bärendienst. Plötzlich zweifelten weiße, ältere Wähler am Patriotismus des Kandidaten mit dem kosmopolitischen Lebenslauf, der über Hawaii, Jakarta und Manhattan nach Chicago führte. Hillarys Stab porträtierte den Harvard-Juristen als Snob, der den kleinen Mann schlicht nicht verstehe und daher nie ins Oval Office einziehen könne.

Kein Wunder, dass die Mannschaft des begnadeten Wortdrechslers nun umso ausgelassener jubiliert. In der Krise bewies ihr Idol Durchhaltevermögen, war er partout nicht der Sonntagsredner, als den ihn die Clinton-Riege skizzierte.

Noch ist offen, ob und wann Hillary Clinton einsieht, dass sie nicht mehr gewinnen kann. Der Druck wächst, hinter den Kulissen reden ihr die Superdelegierten ins Gewissen. 270 dieser Parteikoryphäen haben sich bis dato auf keinen Anwärter festgelegt, nach wie vor bilden sie das Zünglein an der Waage. „Ich glaube aber nicht, dass wir etwas tun, was dem Willen der Basis widerspricht“, wagt einer ihrer Prominentesten, Al Gore, eine vorsichtige Prognose.

Ob Gore nun an den Strippen zieht, ob Obama seiner Kontrahentin über stille Kanäle die Vizepräsidentschaft anbietet, das alles sind Fragen, über die man in Washington heiß debattiert. In der Wahlnacht zumindest deutete nichts darauf hin, dass die (fast) gestrauchelte Senatorin klein beigeben wird. „Mit voller Kraft ins Weiße Haus“, rief Hillary ihren Fans zu. „Ich werde niemals aufhören, für euch zu kämpfen.“

Quelle: RP

 
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