Meine "virtuelle" Stimme gab den Ausschlag: Wie ich für John McCain die Wahl gewann
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 31.10.2008 - 14:26Washington (RPO). John McCain hat die US-Wahl gewonnen. Nach einem unfassbaren Comeback des Republikaners gab am Ende eine Stimme den Ausschlag. Schuld daran bin ich. Die US-Medien prügeln auf mich ein, der wütende Mob demonstriert vor meinem Haus. Einzig George W. Bush findet warme Worte und spricht seinen Dank aus. Wie es so weit kommen konnte? In unserer Fotostrecke erfahren Sie es.
Im Internet kann man jetzt schon erleben, wie es sich anfühlt, meit seiner Stimme die US-Wahlen zu entscheiden - und mit den Konsequenzen zu leben. Auf der Website cnnbcvideo.com lässt sich ein personalisiertes Zukunftsszenario durchspielen. In den USA wurde das Video bereits millionenfach versendet. Ziel des Clips ist es, die US-Wähler zur Stimmabgabe für Obama aufzurufen. Ich habe es ausprobiert.
Was ich erlebt habe:
Anstatt zu wählen, bin ich lieber den ganzen Wahltag lang im Bett geblieben. Im TV lief ein "Sopranos"-Marathon, außerdem war es draußen kalt. Ist schließlich November. Also habe ich mir gedacht, auf meine Stimme wird es schon nicht ankommen. Da lag ich wohl nur zu einem gewissen Prozentsatz richtig (null ist schließlich auch ein Prozentsatz).
Und jetzt haben die Medien auch noch irgendwie herausgefunden, dass ich es war, der Barack Obama die Tour vermasselt hat. Mein Name flimmert über unzählige Bildschirme. Falsch zitiert werde ich auch noch. Schließlich habe ich dem Reporter nicht gesagt, ich hätte es vergessen, sondern nur, dass ich zu faul war, um aufzustehen. Verdammte Medienhetze.
Der wütende Mob lauert
Vor meinem Haus demonstriert schon der wütende Mob, Obamas Anhänger wollen mir an den Kragen. Dabei bin ich doch im Herzen einer von euch. Ob ich mal das Fenster aufmachen und denen zurufen soll, dass ich in vier Jahren auf jeden Fall wählen gehe? Besser nicht, die haben Armbrüste dabei. Und dass McCain das Waffengesetz schnell zu meinen Gunsten verschärft, glaube ich nicht.
Selbst im Ausland können sie mich nicht mehr leiden. Ziegenhirte Kipu aus der mogolischen Steppe erzählt hier gerade im Fernsehen, er könne nicht glauben, was ich da getan hätte. Er fürchtet nun, McCain werde seine Herde bombardieren.
George Bush dankt mir öffentlich
Wenigstens einer hat mich noch lieb: George W. Bush. "Ich danke Ihnen für das, was Sie getan haben", sagt der Noch-Präsident. Nett, aber möchte ich sein Lob wirklich haben?
Der Nachrichtensprecher spekuliert schon darüber, wann McCain den Atomschlag auf Iran befehlen wird. Seinen Quellen zufolge am Samstag zum Mittagessen. Was hab' ich da getan? Das alles ist ein Albtraum.
Ein politischer Albtraum, den auch Sie erleben können.
Werden auch Sie zum McCain-Liebling!
Denn wenn Sie auch einmal die Wahl für John McCain gewinnen wollen, können Sie dies auf dieser Website zur virtuellen Wirklichkeit werden lassen. Geben Sie einfach Ihren Namen ein und schicken sich eine Mail zu. Prompt werden Sie im McCain-Video zum alles entscheidenden Nichtwähler.
Wenn Sie einen Freund ärgern wollen, können Sie auch seinen Namen eintragen und die Mail an ihn senden.
Ein großes Special zur US-Wahl finden Sie hier.
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