Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher: USA drängen auf Auslieferung Demjanjuks
zuletzt aktualisiert: 21.04.2009 - 06:28Washington (RPO). Das Auslieferungsverfahren gegen den früheren KZ-Wächter John Demjanjuk soll beschleunigt werden. Darum bemüht sich das US-Justizministerium.
Demjanjuk habe es "mit zahlreichen Hinhaltetaktiken" versucht und es gebe keinen Grund mehr, seine Auslieferung an Deutschland aufzuschieben, erklärte das Justizministerium am Montag in Washington und forderte die Annullierung des Einspruchs, mit dem Demjanjuk eine neue Frist für seine Auslieferung erreicht hatte.
Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung gab sich Demjanjuk nach Kriegsende als Nazi-Opfer aus. Das berichtet das Blatt unter Berufung auf Unterlagen des Internationalen Suchdienstes im hessischen Bad Arolsen.
Der heute in den USA lebende 89-Jährige habe sich wie ehemalige KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter als sogenannte "Displaced Person" registrieren lassen, um sich ein Anrecht auf Flüchtlingsunterstützung zu erschleichen, berichtet das die zeitung, der die Unterlagen in Kopie vorlagen.
Wie das Blatt weiter schreibt, antwortete Demjanjuk in einem Antrag vom 3. März 1948 auf die Frage, ob er in Deutschland bleiben wollte, knapp mit "No". Als bevorzugtes Land nannte er Argentinien. Darüber hinaus finden sich "Bild" zufolge im Archiv ein Ausweis Demjanjuks mit Foto und Fingerabdrücken, Registrierungskarten aus zehn verschiedenen Flüchtlingslagern, eine Quittung über 80 D-Mark vom Tag der Währungsreform und medizinische Berichte über den gebürtigen Ukrainer.
Katrin Flor, Sprecherin des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen, sagte der Zeitung, dass in dem Archiv das Leben Demjanjuks zwischen Kriegsende und seiner Auswanderung in die USA 1952 "gut dokumentiert" sei.
Dem Blatt zufolge schönte Demjanjuk auch in einem Fragebogen einer Flüchtlings-Organisation seinen Lebenslauf. Er gab demnach an, im NS-Vernichtungslager Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen für 40 Zloty als Fahrer gearbeitet zu haben.
Als Arbeitgeber habe er die unbekannte "Firma Auto" genannt und über seine SS-Mitgliedschaft und KZ-Verbrechen in Sobibor kein Wort verloren. Demjanjuk soll 1943 ein halbes Jahr lang zu den Wachmannschaften von Sobibor gehört haben. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vorgeworfen.
Eine US-Berufungsgericht hatte Demjanjuks Auslieferung nach Deutschland in letzter Minute aus gesundheitlichen Gründen gestoppt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum