Westen legt Iran Angebotspaket vor: USA rechnen 2010 mit ersten iranischen Atomwaffen
zuletzt aktualisiert: 02.06.2006 - 13:05Wien (rpo). Der Iran könnte nach Ansicht des Nationalen Geheimdienstdirektors der USA, John Negroponte, spätestens bis zum Jahr 2010 über Atomwaffen verfügen. Teheran scheine fest entschlossen zu sein, Nuklearwaffen zu entwickeln, sagte Negroponte am Freitag in einem Interview. Die fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat und Deutschland einigten sich unterdessen nach monatelangem Ringen auf ein Angebotspaket an Teheran.
Nach bisherigen Schätzungen könne der Iran laut Negroponte "irgendwann zwischen Anfang und Mitte des nächsten Jahrzehnts" über Atomwaffen verfügen. Dies sei Anlass zu großer Sorge, betonte Negroponte im Gespräch mit der BBC. Zu der am Donnerstag getroffenen Einigung der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands auf eine gemeinsame Haltung im Atomstreit sagte Negroponte, diesbezüglich müsse nun die Reaktion Irans abgewartet werden.
Westen legt Iran Angebotspaket vor
Die fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat und Deutschland einigten sich unterdessen nach monatelangem Ringen auf ein Angebotspaket an Teheran. Sollte der Iran die Anreicherung von Uran stoppen, würde dies "bedeutende Vorteile" für das Land bringen, so die britische Außenministerin Margaret Beckett. Andernfalls drohten allerdings "harte Maßnahmen". Jetzt wird auf die offizielle Reaktion aus Teheran gewartet.
Nach Angaben des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier erwägen auch Russland und China, sich an den bislang von den EU-drei Deutschland, Großbritannien und Frankreich geführten Verhandlungen mit Teheran zu beteiligen. Am Mittwoch hatte schon die US-Regierung ihre Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit der iranischen Führung erklärt, sollte diese ihr Atomprogramm aussetzen. Der chinesische Außenminister Li Zhaoxing telefonierte am Freitag mit seinem iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki und sicherte diesem zu, dass China "alle Bemühungen unterstütz, die zu einer diplomatischen Lösung des Konfliktes beitragen".
Die britische Außenministerin Beckett versprach dem Iran "bedeutende Vorteile", sollte das Land dem Handel zustimmen. In Wien habe man sich auf "weit reichende Vorschläge" geeinigt. "Wir glauben, dass sie Iran die Chance eröffnen, eine auf Zusammenarbeit basierende Verhandlungseinigung zu erreichen". Sollte Teheran solche Verhandlungen allerdings ablehnen, "müssen weitere Schritte ergriffen werden", sagte Beckett.
Die sechs Staaten riefen den Iran auf, die "substanziellen Vorschläge" ernsthaft zu prüfen. Sie sollten Teheran nun übermittelt werden. An dem Treffen nahmen neben Beckett die Außenminister aus Deutschland, Frankreich, den USA, Russland und China teil. Der Iran soll mit dem Paket dazu gebracht werden, sein Atomprogramm auszusetzen.
Der Iran begrüßte das Dialogangebot grundsätzlich, lehnte aber einen Stopp der Urananreicherung als Vorbedingung ab. Außenminister Mottaki sagte im staatlichen Fernsehen, über angestammte Rechte in Atomfragen werde nicht verhandelt. Doch sei Teheran zu einem "Dialog über gemeinsame Anliegen" bereit.
US-Präsident George W. Bush drohte unterdessen erneut mit der Einschaltung des Weltsicherheitsrats, falls der Iran die Urananreicherung nicht einstellt. Wenn Teheran sich weiter nicht um die Weltmeinung kümmere, dann werde die Welt in einer konzertierten Aktion handeln, sagte Bush am Donnerstag nach einer Sitzung seines Kabinetts.
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