Auch London ruft Diplomaten zurück: USA schließen Botschaft in Syrien
zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 - 18:00Washington (RPO). Wegen der anhaltenden Gewalt in Syrien haben die USA ihre Botschaft in Damaskus geschlossen. Das US-Außenministerium erklärte am Montag, dass alle Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung aus Sicherheitsgründen das Land verlassen hätten.
Der Nachrichtensender CNN hatte zuvor ranghohe Regierungsvertreter mit den Worten zitiert, dass die Botschaft "ein mögliches Ziel" für Selbstmordanschläge geworden sei.
Dem Außenministerium zufolge schürte "der jüngste Anstieg der Gewalt" mit Bombenanschlägen in Damaskus Befürchtungen, dass die Botschaft nicht ausreichend gegen einen "möglichen bewaffneten Angriff" geschützt sei. Die syrische Regierung habe auf diese Sorgen "nicht angemessen" reagiert. Botschafter Robert Ford bleibe aber der diplomatische Vertreter der USA für Syrien und werde seine Arbeit von Washington aus fortsetzen.
US-Präsident Barack Obama lehnte in einem Fernsehinterview erneut einen Militäreinsatz in Syrien ab. "Es ist wichtig, dies ohne Rückgriff auf eine militärische Intervention von außen zu lösen", sagte Obama in dem am Montag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender NBC. "Ich denke, das ist möglich." Immer mehr Menschen in Syrien würden erkennen, dass sie das Kapitel der Herrschaft von Staatschef Baschar al-Assad beenden müssten. Der Sturz des Machthabers sei "keine Frage des Ob sondern des Wann".
Britischer Botschafter abgezogen
Auch Großbritannien hat laut Außenminister William Hague seinen Botschafter aus Syrien zu Konsultationen über die eskalierende Gewalt in dem Land zurückgerufen. Großbritannien nutze verschiedene Wege, um seinen "Abscheu" über das brutale Vorgehen des syrischen Regimes gegen die Opposition zum Ausdruck zu bringen, sagte er. Um diese Botschaft zu vermitteln, sei der syrische Botschafter in London ins Außenministerium einbestellt worden.
"Dies ist ein dem Untergang geweihtes Regime und auch ein mörderisches Regime", sagte Hague mit Blick auf die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar Assad. Es sei nicht möglich, dass das syrische Regime "seine Glaubwürdigkeit international wiedererlangen kann".
Der britische Außenminister verurteilte die Entscheidung Russlands und Chinas scharf, ihr Veto im UN-Sicherheitsrat gegen eine Syrien-Resolution einzulegen. Großbritannien werde seine Bemühungen fortsetzen, ein Ende der "absolut inakzeptablen" Lage in Syrien herbeizuführen, sagte Hague. London werde an seiner nachdrücklichen Unterstützung der Arabischen Liga festhalten und versuchen, die Koalition aus Nationen auszuweiten, die um eine nachhaltige und friedliche Lösung des Konflikts in Syrien bemüht seien. Großbritannien werde auch seine Kontakte zu Mitgliedern der syrischen Opposition ausbauen, kündigte Hague an.
Seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im vergangenen März wurden nach UN-Angaben mehr als 5400 Menschen getötet. Am Montag töteten Sicherheitskräfte laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) erneut mehr als 30 Zivilisten. Eine Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat kam bislang nicht zustande. China und Russland legten am Wochenende erneut ein Veto gegen einen Resolutionsentwurf ein. Russland ist seit Sowjetzeiten mit Syrien verbündet.
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