Nach Anschlägen in Bombay: USA verschärfen Druck auf Pakistan
zuletzt aktualisiert: 01.12.2008 - 21:05Neu Delhi (RPO). Nach den Terroranschlägen in Bombay haben die USA den Druck auf Pakistan verschärft und eine vollständige Kooperation mit Indien gefordert. Es müsse von Seiten Pakistans eine "lückenlose, uneingeschränkte und vollständige Transparenz und Zusammenarbeit" geben, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Montag in London. Die indische Regierung sprach mit Blick auf die Beziehungen zu Pakistan von einem "enormen Rückschlag" und bestellte den pakistanischen Botschafter ein.
"Es ist extrem wichtig, dass jetzt die höchsten Ebenen in Pakistan und Indien miteinander kooperieren, und das schließt alle Einrichtungen ein", sagte Rice. Die pakistanische Regierung sei jetzt in der Pflicht, jedem Hinweis nachzugehen, egal wohin er führe. Rice wollte sich nicht zu Vermutungen äußern, wonach die pakistanische Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba hinter den Anschlägen stecken könnte. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sagte, dass die US-Regierung bislang keinen Grund habe, eine Verwicklung der pakistanischen Regierung in die Anschlagsserie anzunehmen.
Der Staatsminister im indischen Außenministerium, Anand Sharma, sagte, es habe einen "enormen Rückschlag" im Vertrauensverhältnis mit Pakistan gegeben. Die Angreifer stammten "alle" aus dem Nachbarland. Die Regierung in Neu Delhi überreichte Botschafter Shahid Malik nach eigenen Angaben eine Beschwerde, in der Pakistan vorgeworfen wird, beim Kampf gegen den Terrorismus versagt zu haben. Indien forderte von Islamabad außerdem "entschlossenes Handeln" gegen die Verantwortlichen der Anschläge.
Pakistans Präsident Asif Ali Zardari wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Falls die Angreifer mit Lashkar-e-Taiba zusammenhängen, wen glauben Sie, bekämpfen wir?", sagte er der "Financial Times". Pakistan führe einen Kampf gegen Aufständische an der afghanischen Grenze. Die pakistanische Regierung hatte zuvor stets betont, Indien und Pakistan hätten die Islamisten als gemeinsamen Feind.
Die politische Führung Indiens stand wegen ihrer Sicherheitspolitik nach den Anschlägen weiter unter Druck: Der Regierungschef des Bundesstaates Maharashtra, Vilasrao Deshmukh, bot seinen Rücktritt an. Zuvor hatte Deshmukhs Stellvertreter, R.R. Patil, nach offiziellen Angaben seinen Rücktritt erklärt. Der indische Innenminister Shivraj Patil trat bereits am Sonntag zurück.
Bei den Anschlägen und Angriffen in Bombay im Bundestaat Maharashtra wurden amtlichen indischen Angaben zufolge mindestens 172 Menschen getötet. Darunter waren mindestens 29 Ausländer, unter ihnen neun Israelis, sechs US-Amerikaner und zwei Franzosen. Nach indischen Angaben wurden drei Deutsche getötet, das Auswärtige Amt bestätigte zunächst weiterhin nur den Tod eines Deutschen. Das Außenministerium in Den Haag bestätigte am Montag den Tod eines Niederländers.
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