Bombenterror in Bombay: USA warnten Indien vor Anschlägen
zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 17:33Bombay (RPO). Hätte das Desaster verhindert werden können? Nach dem Terrorüberfall von Bombay gerät die indische Regierung immer stärker unter Druck, weil sie die Anschlagsserie womöglich hätte verhindern können. So soll der Geheimdienst bereits im September von der Anschlagsplanung informiert gewesen sein. Auch die US-Regierung habe indische Stellen vor einem Terrorangriff auf Bombay gewarnt.
Dies verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Washington. Nähere Einzelheiten über die amerikanische Terrorwarnung nannte der Gewährsmann, der anonym bleiben wollte, nicht. Auch machte er keine Angaben über den Zeitpunkt der Warnung. Er sagte lediglich, es habe Hinweise gegeben, wonach Terroristen vom Meer her einen Anschlag auf die Finanzmetropole planten. US-Außenministerin Condoleezza Rice wird am Mittwoch in Indien erwartet.
Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh beriet am Dienstag mit Sicherheitsbeauftragten über mögliche Pannen. Indien verlangt unterdessen vom Nachbarland Pakistan die Auslieferung von 20 Verdächtigen. Außenminister Pranab Mukherjee teilte mit, dass dem pakistanischen Hochkommissar in Indien eine Liste mit den Namen der Terrorverdächtigen übergeben worden sei.
Die zehn bewaffneten Männer, die Bombay in der vergangenen Woche drei Tage lang in Angst und Schrecken hielten, wurden in Lagern ausgebildet, die von der extremistischen pakistanischen Organisation Lashkar betrieben wurden. Der einzige überlebende Angreifer, Ajmal Qasab, sagte bei seiner Vernehmung, die Gruppe habe mehr als ein halbes Jahr lang in deren Lagern trainiert und Nahkampftechniken erlernt. Bei den Überfällen auf zwei Luxushotels und andere Ziele wurden 172 Menschen getötet und 239 verletzt.
Unter den von Indien genannten Verdächtigen ist auch Masood Azhar, der 1999 aus einem indischen Gefängnis freigepresst wurde - dazu hatten Extremisten eine Maschine der Indian Airlines in ihre Gewalt gebracht. Indien erwarte, dass Pakistan entschlossen gegen diese Elemente vorgehe, sagte der Sprecher des indischen Außenministeriums, Vishnu Prakash.
Die drei deutschen Terroropfer offenbar identifiziert
Die drei Deutschen unter den Terroropfern von Bombay sind mit großer Wahrscheinlichkeit identifiziert. Neben dem Münchner Unternehmer Ralph Burkei kam bei den Anschlägen auch ein älteres Ehepaar aus dem niederrheinischen Goch ums Leben. Dies bestätigte der Bürgermeister der Gemeinde, Karl-Heinz Otto, am Dienstag.
Tote bei Anschlag auf Zug in Assam
Bei einem Bombenanschlag in der nordostindischen Region Assam wurden am Dienstag mindestens drei Menschen getötet und 29 verletzt. Die Bombe explodierte nach Angaben der Behörden in einem Zug im Bahnhof von Diphu, 300 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Gauhati. Der mit einem Zeitzünder versehene Sprengsatz befand sich in einer Tasche in der Gepäckablage eines Zugabteils. Die Behörden vermuten, dass der Anschlag von der Nationalen Befreiungsfront Karbi Longri verübt wurde, die im Namen einer ethnischen Minderheit für mehr Autonomie kämpft.
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