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Empfang im Vatikan
Erdogan erhält Friedensengel von Papst Franziskus

Vatikan: Papst empfängt Erdogan zum Vier-Augen-Gespräch
Das Gespräch zwischen dem Papst und Recep Tayyip Erdogan dauerte 50 Minuten. FOTO: dpa, BO hjp kno
Rom. Es war der erste Besuch eines türkischen Präsidenten oder Regierungschefs im Vatikan seit 59 Jahren: In einem Vier-Augen-Gespräch hat Papst Franziskus Recep Tayyip Erdogan empfangen.

Der Papst schenkte seinem Gast eine Medaille mit einem Friedensengel. "Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert", erklärte Franziskus dazu, wie beobachtende Journalisten nach der privaten Begegnung berichteten.

Das Gespräch dauerte mit rund 50 Minuten eine halbe Stunde länger als üblich. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt; Erdogan hatte aber zuvor angekündigt, besonders die Jerusalem-Frage mit Franziskus besprechen zu wollen.

Erdogan kommt mit Frau Emine

1960 hatten der Heilige Stuhl und die Türkei volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. In Ankara hatte Erdogan Franziskus bei dessen Türkei-Besuch 2014 empfangen. Am Montag nun wurde er von seiner Frau Emine in den Vatikan begleitet. Sie trug ein hochgeschlossenes schwarzes Kostüm, einen schwarzen Mantel und ein weißes Kopftuch.

Erdogan dankte Franziskus zu Beginn der Begegnung für dessen Interesse. Die Atmosphäre des Treffens beschrieben die beobachtenden Journalisten als höflich und frohgestimmt. Der türkische Präsident hatte zuvor angekündigt, er wolle mit dem Kirchenoberhaupt auch über Terrorismusbekämpfung und Syrien sprechen.

Recep Tayyip Erdogan (l.) kam mit seiner Frau Emine (2.v.r.) in den Vatikan. FOTO: afp

Der Heilige Stuhl sieht die türkische Militäraktion gegen kurdische Einheiten im syrischen Afrin mit Sorge. Der Papstbotschafter in Syrien, Kardinal Mario Zenari, forderte immer wieder ein Ende der Gewalt.

Beobachter gehen davon aus, dass Franziskus das Thema Menschenrechte angesprochen haben dürfte, ebenso den Schutz der christlichen Minderheit in der Türkei und die Probleme bei der Anerkennung kirchlichen Eigentums.

Menschenrechtler und Journalisten demonstrieren

Erdogan war kurz vor 9.30 Uhr im Vatikan angekommen. Der Konvoi bestand aus etwa 30 Wagen sowie einer großen türkischen Motorrad-Eskorte. Der Staatsbesuch in Rom und im Vatikan wurde von Protesten begleitet.

In einer Kirche in Turin hatten Aktivisten am Sonntag die türkische "Operation Olivenzweig" im Nordwesten Syriens gegen syrische Kurden kritisiert. Erdogan missbrauche den Olivenzweig, das christliche Symbol für den Frieden, um eine Kriegsaktion zu verdecken, so die Demonstranten.

Erdogan (2.v.l.) dankte Franziskus (r.) für dessen Interesse. Die Atmosphäre beschrieben die beobachtenden Journalisten als höflich und frohgestimmt FOTO: afp

Menschenrechtler und Journalisten demonstrierten zudem gegen die massiv eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei und die Inhaftierung von etwa 150 bis 170 Journalisten. Auch der deutsche Reporter Deniz Yücel ist dort immer noch in Haft.

Kurden in Italien hatten zudem Demonstrationen im Bereich der Engelsburg unweit des Vatikan angekündigt. Rom verhängte für den Bereich zwischen Petersplatz und Quirinalspalast ein 24-stündiges Demonstrationsverbot. Im gesamten Gebiet galten hohe Sicherheitsvorkehrungen.

Nach dem Gespräch mit Franziskus wollte sich Erdogan mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin treffen. Zudem war eine Besichtigung des Petersdoms vorgesehen. Im Anschluss standen Treffen mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Paolo Gentiloni an.

(gaa/KNA)
 
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