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Präsident spricht von "terroristischem Angriff"
Hubschrauber wirft Granaten auf Oberstes Gericht in Venezuela ab

Venezuela: Helikopter wirft Granaten auf Oberstes Gericht ab
Krise in Venezuela: Ein Demonstrant wirft in Caracas eine Tränengas-Granate zurück in Richtung der Polizei. FOTO: dpa, pai
Caracas. Ein Helikopter habe zwei Granaten über dem Gebäude des Gerichts in der venezolanischen Hauptstadt Caracas abgeworfen. Präsident Nicolás Maduro spricht von einem "terroristischen Angriff".

Das sagte Maduro am Dienstag in einer aus dem Präsidentenpalast Miraflores übertragenen Rede. Von den zwei abgeworfenen Granaten sei eine nicht explodiert. Verletzte gebe es keine. Um die Ordnung wieder herzustellen, habe er die Streitkräfte mobilisiert.

Pilot offenbar identifiziert

Angeblich wurde der Hubschrauber entführt und von Dissidenten zu dem Angriff auf den Obersten Gerichtshof im Norden von Caracas genutzt. Der Pilot sei von den venezolanischen Medien als Oscar Perez identifiziert worden. "Wir haben die Wahl: Entweder wir werden morgen von unserem Gewissen beurteilt oder wir befreien uns ab heute selbst von der korrupten Regierung", sagte Perez in einer Videobotschaft auf Instagram. Sein Instagram-Profil beschreibt ihn als Ermittler der venezolanischen Polizei und Piloten.

Der Hubschrauber sei zudem auch über das Innenministerium sowie über das Justizministerium des südamerikanischen Landes geflogen, sagte Maduro weiter. Hinter dem Vorfall vermutet Maduro eine Verschwörung zur Destabilisierung seiner sozialistischen Regierung. Perez unterstellt er eine Verbindung zu seinem ehemaligen Innenminister Miguel Rodríguez Torres und damit zum US-amerikanischen Geheimdienst CIA.

"Gegen die Tyrannei"

In sozialen Netzwerken wurden Fotos verbreitet, die einen von zwei Piloten geflogenen Hubschrauber mit einem regierungskritischen Spruchband über Caracas zeigten. Örtliche Medien veröffentlichten ein Video, das einen der beiden Männer zeigen soll. Darin fordert dieser, "gegen die Tyrannei" zu kämpfen.

Wenige Stunden zuvor hatte Staatschef Maduro mit einem bewaffneten Kampf zur Verteidigung seines sozialistischen Projekts gedroht. "Wenn Venezuela in Chaos und Gewalt gestürzt und die Bolivarische Revolution zerstört werden sollen, werden wir in den Kampf ziehen", sagte er unter dem Jubel von Anhängern. Mit Blick auf eine geplante Verfassungsreform, die Maduros Rolle stärken soll, betonte er: "Wenn wir es nicht mit den Stimmen schaffen, dann mit Waffen."

Tägliche Demonstrationen

In Venezuela gehen seit April beinahe täglich tausende Menschen auf die Straße, um den Rücktritt Maduros zu fordern. Bei den Protesten wurden bislang 76 Menschen getötet und mehr als tausend weitere verletzt. Die konservative und rechtsgerichtete Opposition kämpft für eine Amtsenthebung Maduros. Sie macht ihn für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich, die zu dramatischen Versorgungsengpässen geführt hat.

Das Oberste Gericht des Landes hatte vor einer Woche ein Verfahren gegen Generalstaatsanwältin Luisa Ortega eingeleitet, das letztlich zu ihrer Absetzung führen könnte. Die Juristin gilt als einzige kritische Stimme im Lager Maduros.

(veke/afp)
 
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