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Staatspleite
Venezuela taumelt dem Abgrund entgegen

Venezuela taumelt dem Abgrund entgegen
Mit dem Rücken zur Wand: Staatschef Nicolás Maduro. FOTO: dpa, brv ms
Caracas. Angesichts der massiven Wirtschaftskrise im Land hat Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro die Beschlagnahme stillgelegter Fabriken und die Inhaftierung von deren Besitzern angeordnet. Die Opposition versucht indes weiter, Maduro aus dem Amt zu jagen.

Eine Tage nach der Verlängerung des Ausnahmezustands erklärte Maduro am Samstag, es müssten "alle Schritte" ergriffen werden, um "die Produktionskapazitäten zurückzuerlangen, die von der Bourgeoisie gelähmt werden".

Jeder, der die Produktion bremsen und damit das Land "sabotieren" wolle, müsse in Handschellen gelegt und ins Gefängnis gesteckt werden, sagte Maduro vor Anhängern in Caracas. Er kündigte für das kommende Wochenende Militärmanöver an. Damit wolle sich das Land "auf alle Szenarien" vorbereiten.

Venezuela hat die größten bekannten Ölreserven der Welt und ist extrem abhängig von den Einnahmen aus dem Öl-Geschäft. Der massive Verfall des Ölpreises trug zu der tiefen Wirtschaftskrise in dem südamerikanischen Land bei.

Schwacher Ölpreis und Dürre

Außerdem leidet Venezuela unter der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren. Die Wasservorräte in den 18 Talsperren reichen für die Energieerzeugung nicht aus. Weitere Probleme sind die galoppierende Inflation, die vergangenes Jahr auf 180,9 Prozent stieg, und andauernde Engpässe bei der Versorgung der Bevölkerung mit Gebrauchsgütern.

Wegen der Energiekrise wird mittlerweile mit Ausnahme von Caracas fast im ganzen Land täglich der Strom für mehrere Stunden abgestellt. Großverbraucher wie Hotels müssen seit Februar neun Stunden am Tag die Stromversorgung aus eigener Kraft sicherstellen. Einkaufszentren kürzten daraufhin ihre Öffnungszeiten. Staatsbedienstete und Schüler bekamen zusätzliche freie Tage. Zudem gehört das Land seit Mai einer neuen Zeitzone an, um von einer halben Stunde mehr Tageslicht zu profitieren.

Derzeit arbeitet die Opposition daran, Maduro mit einem Referendum aus dem Amt zu drängen. Vorige Woche hatte sie nach eigenen Angaben der Wahlbehörde 1,8 Millionen Unterschriften für eine entsprechende Volksabstimmung vorgelegt. Die Wahlbehörde kündigte an, die Unterschriften bis zum 2. Juni auszuwerten. Als nächste Hürde steht die Sammlung von vier Millionen Unterschriften an.

(dpa)
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