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Aus Solidarität zu Bolivien: Venezuela weist US-Botschafter aus

zuletzt aktualisiert: 12.09.2008 - 12:12

La Paz (RPO). Der diplomatische Streit zwischen Bolivien und den USA weitet sich aus. Die USA erklärten den bolivianischen Botschafter in Washington am Donnerstag (Ortszeit) zur unerwünschten Person, nachdem zuvor Bolivien den US-Botschafter zur Ausreise binnen 72 Stunden aufgefordert hatte. Aus Solidarität mit Boliviens linksgerichtetem Präsidenten ordnete Venezuelas Staatschef Hugo Chávez kurz darauf die Ausweisung des US-Botschafters aus Caracas an.

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez prophezeit einen Rohölpries von 200 Dollar pro Barrel.  Foto: PRESIDENCIA, AFP
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez prophezeit einen Rohölpries von 200 Dollar pro Barrel. Foto: PRESIDENCIA, AFP

Unterdessen gingen die Proteste in den reichen Regionen Boliviens gegen Morales' Reformpläne weiter. Im nördlichen Departamento Panda wurden dabei acht Menschen getötet.

Der US-Botschafter in La Paz, Philip Goldberg, wurde aufgefordert, das Land in einem Zeitraum zwischen 48 und 72 Stunden zu verlassen, wie Boliviens Außenminister David Choquehuanca am Donnerstag auf einer Pressekonferenz sagte. Boliviens Präsident Evo Morales hatte den US-Botschafter am Mittwoch vorgeworfen, die Autonomiebestrebungen der reichen Regionen in dem Andenstaat und damit die Spaltung des Landes zu unterstützen.

Auf die Ausweisung ihres Botschafters reagierten die USA, indem sie ihrerseits den bolivianischen Botschafter in Washington zum Verlassen des Landes aufforderten. Gustavo Guzman sei zur unerwünschten Person erklärt worden, teilte Außenamtssprecher Sean McCormack mit. Zuvor hatte das US-Außenministerium Morales' vorgeworfen, mit unbegründeten Anschuldigungen die beiderseitigen Beziehungen "schwer beschädigt" zu haben.

In dem Streit zwischen Bolivien und den USA bezog Venezuelas Staatschef umgehend Stellung. "Von jetzt an ist Bolivien nicht mehr allein", sagte Chávez bei einer öffentlichen Veranstaltung in Puerto Cabello. Der US-Botschafter in Caracas, Patrick Duddy, müsse das Land binnen 72 Stunden verlassen. Auch Venezuelas Botschafter werde zurückbeordert. Venezuela werde erst wieder einen Botschafter in die USA schicken, wenn US-Präsident George W. Bush abgelöst worden sei.

Chávez zeigte sich gewohnt angriffslustig. Im Fall einer Aggression der USA gegen sein Land stelle Venezuela die Öllieferungen ein, sagte er. Zudem schimpfte er wiederholt über "Scheiß-Yankees" und warf er den USA vor, Lateinamerika das "Joch des Imperiums" aufzwingen zu wollen. Den Aufenthalt von zwei russischen Kampffliegern in Venezuela, die dort Übungsflüge absolvieren sollen, hatte Chávez am Donnerstag als "Warnung" an die USA bezeichnet.

In Bolivien gingen unterdessen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung weiter. In Cobija im nördlichen Departamento Pando seien dabei acht Menschen durch Schüsse getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt worden, teilte die Regierung in La Paz mit. Wegen dieser "brutalen Ermordung von Bauern" gelte eine eintägige Staatstrauer, sagte Vize-Präsident Alvaro García Linera. Auch in den Regionen Santa Cruz, Tarija, Beni und Chuquisaca war es in den vergangenen Tagen zu Protesten und Gewaltausbrüchen gekommen. In mehreren Orten besetzen Regierungsgegner Zollstationen, Finanzämter und Telefonzentralen.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, strebt eine Verfassungsreform an, die den armen Regionen des Landes mit indianischer Bevölkerungsmehrheit eine größere Teilhabe an den Ressourcen des Landes sichern soll. Die reichen Regionen, in denen viele Nachfahren europäischer Einwanderer leben, wenden sich gegen die Pläne und fordern Autonomie.

Quelle: afp

 
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