Iranerin bei Demonstrationen getötet: Verlobter: Neda "absichtlich" erschossen
zuletzt aktualisiert: 23.06.2009 - 17:18London (RPO). Sie ist das Gesicht der Demonstrationen im Iran. Neda Agha-Soltan war am Rande der Proteste gegen das Wahlergebnis in der Hauptstadt Teheran getötet worden. Jetzt spricht ihr Verlobter. Dieser glaubt, Neda sei von der islamischen Bassidsch-Miliz "absichtlich" getötet worden.
Still und heimlich musste die Iranerin Neda unter die Erde gebracht werden. Ohne Trauerfeier, nur im Kreise der Familie. "Die Behörden wissen, dass jeder im Iran und in der ganzen Welt ihre Geschichte kennt", sagt Caspian Makan am Montag BBC Persian, dem persischen Programm der britischen Rundfunkanstalt.
Er ist seinen Angaben zufolge der Verlobte von Neda, die am Rande von Demonstrationen in Teheran getötet und binnen weniger Tage zur Ikone der Protestbewegung wurde. Aus Angst vor "unerwünschter Aufmerksamkeit" hätten die Behörden eine Trauerfeier verboten. "Sie befürchteten, dass sehr viele Menschen dazu auftauchen könnten", erzählt Makan.
Neda wurde deshalb in aller Stille auf dem Behescht-e-Sahra-Friedhof im Süden Teherans bestattet. "Die Behörden haben uns aufgefordert, sie dort zu beerdigen", sagt Makan. Offenbar sollen dort auch die anderen Toten beigesetzt werden, die bei den Protesten gegen Wahlbetrug in der vergangenen Woche ums Leben gekommen waren. "Es schien so, als hätten sie (die Behörden) dort Platz für die Gräber der anderen vorgesehen", berichtet er auf BBC Persian.
Während die Machthaber in Teheran den Rummel um das Schicksal Nedas klein halten wollen, gibt ihr Verlobter dem in London ansässigen und bei einem Millionenpublikum beliebten Farsi-sprachigen Fernsehsender ein Interview.
Bewegend schildert Makan, was sich am Samstag in den Minuten vor Nedas Tod zugetragen hat. "Sie war in der Nähe der Hauptproteste, wenige Straßen entfernt." Neda habe nicht demonstriert, sondern habe mit ihrem Musiklehrer im Stau gesteckt. "Sie fühlte sich sehr müde und ihr war heiß, sie stieg nur für ein paar Minuten aus dem Auto aus", erzählt Makan. Dann sei sie erschossen worden.
Der Todeskampf Nedas, den ein von unabhängiger Seite noch nicht als echt bestätigtes Video dokumentiert, wurde im Internet inzwischen hunderttausende Male angeklickt. Es zeigt, wie Blut aus Nase und Mund der jungen Frau quillt.
"Menschen versuchten, sie in das nächstgelegene Krankenhaus zu bringen (...) Aber es war zu spät", erzählt ihr Verlobter der BBC. Die Behörden brachten die Leiche raus aus Teheran.
Makan kritisierte, dass die Behörden Nedas Leichnam erst nach hartnäckigen Bitten freigegeben hätten. Zuvor seien ihr nach Druck auf die Familie mehrere Organe entnommen worden. "Ihre Familie stimmte zu, weil sie Neda so schnell wie möglich beisetzen wollten."
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