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Belagerung der Roten Moschee: Verwirrung um 300 mutmaßliche Opfer

zuletzt aktualisiert: 08.07.2007 - 19:43

Islamabad (RPO). Die Belagerung der Roten Moschee in Islamabad sorgt weiter für Verwirrungen. Informationsminister Tariq Azim hat einen Bericht zurückgewiesen, nach dem in der Nacht zum Sonntag 300 Menschen bei einer Offensive der Sicherheitskräfte getötet wurden. Ein in dem Gotteshaus verschanzter Islamist wurde vom Fernsehsender Geo mit diesen Vorwürfen zitiert.

"Er besitzt keinerlei Glaubwürdigkeit", sagte Azim über den führenden Geistlichen Abdul Rashid Ghazi. Dieser habe offenbar "den Verstand verloren". Ghazi hatte bereits am Samstag die Regierungstruppen für den Tod Dutzender Koranschüler in der Moschee verantwortlich gemacht. Azim bezifferte die Zahl der Opfer in dem seit rund fünf Tagen anhaltenden gewaltsamen Konflikt auf mindestens 24.

152 Schüler freigelassen

Unterdessen ließ die pakistanische Regierung am Sonntag 152 Gefangene aus der umkämpften Roten Moschee frei. Die 15 bis 18 Jahre alten Koranschüler seien bei der Flucht aus dem Moschee-Komplex festgenommen worden, hieß es bei der Freilassung in einem Sportzentrum in Islamabad.

Ein 15-jähriger Koranschüler sagte, die Moschee sei schon immer von Bewaffneten beschützt worden. Er habe allerdings keine ausländischen Kämpfer dort gesehen. Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen mehrmals den Vorwurf erhoben, auch islamistische Ausländer würden sich auf dem Gelände verschanzen.

Die freigelassenen Schüler studierten eigenen Angaben zufolge alle nicht in der Koranschule der Roten Moschee, sondern in einer verbundenen, ebenfalls als radikal geltenden Schule in Islamabad. Sie seien beim Ausbruch der Kämpfe am Dienstag aber auf dem Gelände zu Besuch gewesen.

In der Nacht zum Sonntag sprengten Sicherheitskräfte Löcher in die Mauern des festungsgleichen Moscheenkomplexes, um Frauen und Kindern eine Fluchtmöglichkeit zu eröffnen. Die Soldaten wurden von den in der Moschee verschanzten Islamisten beschossen, der Leiter der Eliteeinheit kam dabei ums Leben. Einige Personen flüchteten sich durch die Löcher in der Mauer aus dem Gelände.

"Sonst werden sie getötet"

Präsident Pervez Musharraf drohte mit einer Stürmung. "Diejenigen, die sich in der Roten Moschee aufhalten, sollten herauskommen, sonst werden sie getötet", sagte Musharraf am Samstag vor Journalisten. Seine Regierung habe sich bislang zurückgehalten, um das Leben der festgehaltenen Frauen und Kinder nicht zu gefährden.

Auch Informationsminister Azim betonte, um der Sicherheit der unschuldigen Geiseln willen werde man weiter abwarten. "Es kann eine Weile dauern, aber am Ende werden wir unser Ziel erreichen", sagte Azim.

Tausende Soldaten belagern die Moschee, nachdem es am Dienstag zu Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und radikalen Koranschülern gekommen war. Mehr als 1200 Menschen sind seitdem aus dem Komplex geflohen. Offiziellen Angaben sollen sich noch rund hundert Islamisten und eine nicht bekannte Anzahl von Schülerinnen und Schülern auf dem Gelände aufhalten.

Der Onkel eines 22-jährigen Bauarbeiters, der in der Moschee festsitzt, sagte der Nachrichtenagentur AP, bewaffnete Männer hielten im Untergeschoss des Gotteshauses etwa 250 Menschen fest. Das habe ihm sein Neffe am Telefon gesagt. Ein Mann sei beim Versuch zu fliehen erschossen worden. Nach Regierungsangaben verfügen die Islamisten über Sturmgewehre, Granaten, Brandsätze und andere Waffen.

Anhänger für "Märtyrertod" bereit

Ghazi dementierte, dass Personen gegen ihren Willen festgehalten würden, und bekräftigte seinen Entschluss, sich nicht bedingungslos zu ergeben. Er und seine Anhänger seien bereit, "den Märtyrertod zu sterben".

Die Rote Moschee gilt schon seit längerem als Hochburg des militanten Islamismus in Pakistan. Auch Al-Kaida-Chef Osama bin Laden unterhielt einst enge Kontakte zu den dortigen Geistlichen. Aus den angeschlossenen Koranschulen gingen in den 80er Jahren viele "heilige Krieger" für den Kampf gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan hervor. In jüngster Zeit wurde die Moschee zum Zentrum des Widerstands gegen die USA-freundliche Politik von Präsident Musharraf.

Quelle: ap

 
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