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El Dschasira: Video mit entführten Deutschen aufgetaucht

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 08:20

Bagdad (rpo). Im Fall der entführten deutschen Ingenieure ist ein Video aufgetaucht: Der arabische Fernsehsender El Dschasira hat eine Aufnahme ausgestrahlt, die die beiden Männer aus Leipzig zeigt. Die Bundesregierung hat inzwischen Kontakt zu den Entführern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Entführung der beiden Deutschen im Irak aufs Schärfste verurteilt und ihre sofortige Freilassung gefordert.

Die Bundesregierung verurteile die grausame Entführung auf das "Allerschärfste", sagte Merkel. Die Kanzlerin bezeichnete die Videobilder mit den Geiseln und Entführern als "erschütternd". "Diese Bilder haben mich und die Menschen im Lande tief bewegt", betonte Merkel. Die Familie, Angehörige, Freunde und Mitarbeiter der Firma der Entführten sollten wissen, dass sie mit ihrer Sorge nicht allein seien.

"Die Kontaktaufnahme seitens der Entführer hat stattgefunden", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitag dem Fernsehsender RTL. Zu der Gruppe könne die Bundesregierung "im Einzelnen nichts sagen", fügte er hinzu. Alles weitere werde im Krisenstab des Auswärtigen Amtes zu besprechen sein. Dieser trete am Nachmittag erneut zusammen. Die Bundesregierung sei weiter mit allen relevanten Stellen in Deutschland sowie mit der Botschaft in Bagdad in Kontakt.

Der Firmenchef der beiden Ingenieure verteidigte indes den Einsatz seiner beiden Mitarbeiter. Nach der Videobotschaft zeigte sich Cryotec-Chef Peter Bienert in einem Gespräch der "Leipziger Volkszeitung" beruhigt, dass die beiden Männer noch leben. Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld "genau abgecheckt" worden. Dadurch habe man das Risiko minimiert, "so weit es nur ging". Zudem habe man die nach menschlichem Ermessen möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Ähnliche Forderungen wie im Fall Osthoff

Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" stellen die Entführer ähnliche Forderungen wie die Geiselnehmer im Fall Osthoff. Wie das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, verlangen die Kidnapper, dass die Bundesregierung den Kontakt zum Irak abbricht und die Hilfe für das Land einstellt. Sicherheitsexperten stufen der Zeitung zufolge allerdings die Gefahr für das Leben der entführten Deutschen deutlich höher ein, als es die Analyse der Entführung der Susanne Osthoff ergeben hatte.

Die beiden entführten Deutschen wandten sich in einer Videobotschaft an die Bundesregierung, wie das ZDF am Freitag berichtete. Das Band sei am selben Tag vom arabischen Nachrichtensender El Dschasira ausgestrahlt worden und liege auch dem ZDF vor. Das ARD-Morgenmagazin strahlte ein Standbild aus dem Video aus, auf dem die beiden Deutschen zu sehen sind.

In der Videobotschaft nannten die beiden Deutschen demnach ihre Namen und den der sächsischen Firma Cryotec, in deren Auftrag sie im Irak sind. Sie hätten sich in deutscher Sprache an die Bundesregierung gewandt und diese gebeten, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen, hieß es in dem ZDF-Bericht.

Die Geiseln sind auf dem Boden sitzend zu sehen, mindestens zwei bewaffnete Männer stehen hinter ihnen. Im Bild ist auch ein handschriftliches Plakat mit der Aufschrift "Unterstützer der Tauhid- und Sunnah-Brigaden".

"Tauhid" ist das arabische Wort für Monotheismus, der Begriff "Sunnah" bezieht sich auf die Lehren des Propheten Mohammed. Von El Dschasira wurde bekannt, dass die Bandaufnahme nur 35 Sekunden lang ist. Der Sender machte keine Angaben darüber, wie das Band in seinen Besitz kam.

Noch keine Klarheit über Forderungen

Ob die Entführer konkrete Forderungen stellten und welcher Gruppierung sie angehörten, war demnach vorerst nicht klar. Die beiden Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke waren am Dienstag in Baidschi rund 200 Kilometer nordwestlich von Bagdad verschleppt worden.

Das ZDF hat das Video nach Angaben des Chefs vom Dienst, Elmar Theveßen, von Al Dschasira bekommen. Auf welchem Weg es dem arabischen Sender zugespielt wurde, habe dieser dem ZDF auch nicht mitgeteilt. Laut Theveßen wird das Band jetzt zunächst einmal hausintern ausgewertet. Es seien ja arabische Schriftzeichen und ein Laufband zu sehen, letzteres stamme höchstwahrscheinlich von Al Dschasira.

Zitate aus der Botschaft der Entführten hatte das ZDF auf Anfrage noch nicht parat. Auch sei noch keine Entscheidung über den weiteren Umgang mit den Videoband gefallen. Theveßen wies aber darauf hin, dass das ZDF in der Vergangenheit immer nur Standbilder aus derartigen Videos Entführter gezeigt habe.

Islamische Extremistengruppe

Der arabische Nachrichtensender El Dschasira zufolge gehören die Entführer einer islamistischen Extremistengruppe an. Die Männer hätten sich als Aktivisten der Gruppe Ansar el Tahwid wal Sunna (Anhänger der göttlichen Einmaligkeit und der Sunna) bezeichnet, berichtete der Sender am Freitag nach Ausstrahlung des Videos.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich erschüttert über das Video gezeigt. "Das waren erschütternde Bilder, die uns heute morgen aus dem Irak erreichten", sagte Steinmeier am Freitag in Berlin.

Steinmeier forderte die Geiselnehmer erneut auf, die Ingenieure "unverzüglich" freizulassen. Die Bundesregierung verurteile die Tat "auf das Schärfste". Die Gedanken der Regierung seien bei den Geiseln und deren Familien. Er werde "das Menschenmögliche" tun, um die Männer in Sicherheit zu bringen, sagte Steinmeier.

"Höhere Professionalität" als im Fall Osthoff

Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven vermutet hinter der Entführung politische Motive. Tophoven sagte am Freitag dem Nachrichtensender n-tv, im Gegensatz zum Entführungsfall von Susanne Osthoff gehe es hier wohl um eine "eher politisch motivierte Entführung". Das Video zeichne sich durch eine "höhere Professionalität" als im Fall Osthoff aus.

Als "beunruhigend" bezeichnete Tophoven das in der Video-Botschaft zu sehende Plakat mit der Aufschrift "Unterstützer der Tauhid- und Sunnah-Brigaden". Wenn sich die Annahme verfestige, dann sei die Entführung "höchst brisant". Al Tauhid handele im Umfeld des irakischen Al-Qaida-Chefs Abu Mussab el Sarkawi. Al Sunnah stehe unter dessen Regie.

Quelle: ap

 
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