Islamische Fundamentalisten übernehmen Verantwortung: Viele Tote bei Anschlagsserie in Neu Delhi
zuletzt aktualisiert: 13.09.2008 - 21:31New Delhi (RPO). Bei einer Serie von Bombenanschlägen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind am Samstag mindestens 22 Menschen getötet und dutzende verletzt worden. Fünf Explosionen ereigneten sich nach Angaben des Polizeisprechers von Neu Delhi, Rajan Bhagat, nahezu zeitgleich in belebten Geschäftsvierteln.
Indiens Innenminister Shivraj Patil sagte, alle Explosionen seien innerhalb von 45 Minuten geschehen. Der Minister sprach von 18 Toten und dutzenden Verletzten. "Das ist das Werk von Feinden der Nation", sagte er. In einer E-Mail übernahm laut einem Medienbericht die islamistische Gruppe "Indische Mudschaheddin" die Verantwortung für die Anschlagsserie.
Die erste Explosion ereignete sich dem Innenminister zufolge um 18.30 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ), alle anderen folgten binnen einer Dreiviertelstunde. Die Tatsache, dass sich alle Explosionen in Geschäftsvierteln ereigneten, die am Samstagabend voller Menschen gewesen seien, sei "ein Beweis für die teuflischen Absichten der Schuldigen, die eine Höchstzahl an Opfern und ein Höchstmaß an Schäden verursachen wollten".
Im Herzen Neu Delhis
Zwei der Explosionen ereigneten sich im Herzen Neu Delhis, auf dem Connaught Place, an dem zahlreiche Geschäfte liegen. Auch das Viertel Greater Kailash, wo sich für gewöhnlich viele Touristen aufhalten, wurde von zwei Bomben getroffen. Die Polizei fand nach eigenen Angaben zudem zwei nicht explodierte Bomben in der Stadt: eine in einem Kino und eine weitere nahe der berühmtem Sehenswürdigkeit India Gate.
Örtliche Fernsehsender berichteten von 20 Todesopfern. 70 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. Fernsehbilder zeigten blutige Verletzte auf den Straßen, die von Rettungshelfern zwischen zerstörten Autos abtransportiert wurden. Einem Experten zufolge waren die Bomben mit zahlreichen Stahlkugeln gefüllt, um möglichst großen Schaden anzurichten.
Der Bürgermeister von Neu Delhi, Aarti Mehra, rief die Menschen zur Ruhe auf. "Wir haben die Kraft, dem die Stirn zu bieten", sagte er vor Journalisten. "Bitte bewahren Sie die Ruhe, und wenn Sie auf den Märkten sind, gehen Sie nach Hause", rief er die Bewohner der Hauptstadt auf. Indiens Premierminister Manmohan Singh, der bei einem Treffen seiner Kongresspartei von den Anschlägen erfuhr, kündigte ein hartes Vorgehen gegen den Terrorismus an. Indiens Präsidentin Pratibha Patil verurteilte die "sinnlose Gewalttat".
"Indische Mudschaheddin"
Die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete von einer E-Mail der "Indischen Mudschaheddin", in der diese sich zu den Anschlägen bekannt hätten. Der Fernsehsender NDTV veröffentlichte den E-Mail-Text, in dem die Gruppe erklärte, sie habe "erneut zugeschlagen". Die "Indischen Mudschaheddin" hatten sich auch zu einer Anschlagserie im Juli im westindischen Ahmedabad bekannt, bei der 45 Menschen ums Leben kamen.
Indien wird seit drei Jahren regelmäßig von Anschlägen erschüttert. Das schlimmste in dieser Zeit ereignete sich im Juli 2006 in der Wirtschaftsmetropole Bombay. Damals waren bei Anschlägen auf Züge und Bahnhöfe insgesamt 186 Menschen getötet worden. In Neu Delhi waren im Oktober 2005 bei drei nahezu zeitgleichen Explosionen 66 Menschen getötet worden.
Für die Taten wurden damals von Pakistan unterstützte islamistische Rebellengruppen verantwortlich gemacht. Islamabad bestreitet regelmäßig eine Verwicklung. Nach dem Attentat in Ahmedabad im Juli hatten die indischen Behörden eingeräumt, dass auch im eigenen Land Islamisten aktiv sind. Von den 1,1 Milliarden Einwohnern Indiens sind 80 Prozent Hindus und 14 Prozent Muslime.
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